Warum Gold auf 5.000 Dollar steigt – und ich es trotzdem nicht kaufen werde

Das Gold macht seinen Anhängern nicht viel Freude in den letzten Jahren. Es pendelt seit 2013 in einer festen Range zwischen 1.050 Dollar je Feinunze und 1.350 Dollar.

Das Mittel zwischen diesen beiden Werten ist 1.200 Dollar – also genau da, wo Gold seit einigen Woche steht. Oft wenn ich einen kritischen Kommentar zum Gold und seinen Aussichten in der Facebook-Gruppe  „Kleinen Finanzzeitung“ poste, dann findet sich ein Anleger der das Gold schon bald bei 2.000 Dollar sieht. Das war auch schon vor Jahren in anderen Aktiengruppen auf Facebook so. Gold-Fans sind stets optimistisch.

Optimismus ist keine hilfreiche Einstellung bei der Geldanlage, zumindest dann nicht, wenn er den Fakten entgegensteht. Wo also will das Gold derzeit hin? Schauen wir mal auf die Fakten. Und beginnen mit dem Chart:

 

 

In den letzten fünf Jahren ist keine Richtung beim Gold zu erkennen. Es tendiert seitwärts – mit einer leichten Tendenz nach unten.

Wo geht das Gold langfristig hin? Ich habe dazu zwei Thesen.

Die erste lautet: Gold fällt auf 350 Dollar.

Die zweite: Gold steigt auf 5.000 Dollar.

Ich hätte natürlich auch die erste These zum Titel meines Blogbeitrags machen können. Da ist das schon oft gemacht habe (siehe zum Beispiel hier) habe ich mich heute für die zweite These entschieden.

Wenn du jetzt glaubst, die beiden Thesen würden sich widersprechen, dann irrst du. Sie widersprechen sich überhaupt nicht. Sie ergänzen sich vielmehr. Um das zu verstehen ist ein Blick auf den Super-Langfristchart von Gold hilfreich. Hier kommt er:

 

 

Was du hier siehst, das ist der inflationsbereinigte Goldpreis über die letzten 650 Jahre. Daraus lässt sich in meinen Augen einiges lernen.

ERSTENS. Gold ist historisch im Preis eher gefallen als gestiegen. Bis etwa 1970 ist es im Preis sogar stets gefallen, zumindest im langfristigen Durchschnitt. Das ist nicht weiter überraschend. Heute kann Gold mit  Hilfe großer Maschinen und unter Einsatz großer Mengen an Energie gefördert werden. Das hat die Förderung verbilligt.

ZWEITENS. Seit etwa 1800, mit dem Beginn der industriellen Revolution also, wird der Preis von Gold deutlich volatiler als er es zuvor war. Jetzt fällt er regelmäßig deutlich tiefer als er je zuvor gefallen ist. Die Tiefs werden mit der Zeit also tiefer.

Das hat vermutlich einen ganz einfachen Grund: Mit Hilfe der neuen technischen Hilfsmittel die in dieser Zeit entstehen, kann Gold viel einfacher abgebaut werden als zuvor. Das setzt den Preis stark unter Druck. Fallende Preise drücken Hersteller unter die Gewinnschwelle und aus dem Markt oder führen dazu, dass Goldproduzenten unrentable Minen stilllegen – das Angebot an Gold wird knapper. Dann steigt der Goldpreis wieder und das Spiel beginnt von vorne.

Gold unterliegt seit dem Beginn der industriellen Revolution also einem sogenannten Boom-Bust-Zyklus. Diese heftigen Ausschläge sind im Chart gut erkennen.

DRITTENS. Im Durchschnitt der letzten 200 Jahre kommt Gold auf einen Preis von 435 Dollar (in Dollar von 1999). Das entspricht einem heutigen Preis (Oktober 2018) von rund 660 Dollar. An diesem Punkt liegt derzeit also der langfristige Durchschnitt. Fällt das Gold unter seinen historischen Durchschnitt, dann kann es durchaus bis 350 Dollar runter gehen. Unter dem Durchschnitt zu notieren, das hat Gold in den letzten 200 Jahren sechs Mal gemacht. Es gibt keinen guten Grund, warum es das nicht wieder tun sollte. Zumindest kann ich keinen erkennen.

 

 

Aber ist das auch realistisch?

 

Gute Frage. Ich antworte mal so: Wer 1980 bei einem Stand von 800 Dollar gesagt hätte, dass Gold im Jahr 1999 nur noch 250 Dollar kosten würde, dem hätte seinerzeit keiner geglaubt. Die Nachrichten damals überschlugen sich mit Meldungen über die starke Inflation in den USA (bis 15 Prozent) und über den stark steigenden Goldpreis. Gold, so schien es, würde nur noch steigen.

In dieser Situation zu schreiben, dass Gold für 20 Jahre fallen würde, das hätte extrem unglaubwürdig geklungen – es ist aber passiert. Über 20 Jahre fiel der Preis von Gold aus der luftigen Höhe von 870 Dollar in der Spitze bis hinunter auf 250 Dollar. Was für ein epische Fall. Zwanzig Jahre lang mussten Goldanleger mit Verlusten leben. Am Ende hatten nahezu alle aufgegeben, die noch in den 80ern an das gelbe Metall geglaubt hatten.

 

 

Warum Gold auf 5.000 Dollar steigt

 

Claude Erb, der den Preis von 350 Dollar als Ziel von Gold vertritt (oder zumindest vertreten hat – ich habe lange nichts von ihm gehört) ist Rohstoffexperte und kein esoterischer Spinner. In meiner Sicht der Dinge schließen sich angesichts der extremen Preisveränderungen beim Gold in den letzten 200 Jahren (siehe Chart) die Ziele von 350 Dollar und 5.000 Dollar auch nicht etwa aus – sie bedingen einander.

Wenn Gold die 350 Dollar in den nächsten zwei Jahrzehnten tatsächlich sehen sollte, dann ist das nächste logische Ziel in der dann folgenden  Übertreibung nach oben in der Tat auch in meinen Augen die Marke von 5.000 Dollar.

Warum gerade 5.000 Dollar? Weil das das 2,5-fache des letzten Höchststandes ist. Der lag bei rund 2.000 Dollar. Vom Hoch des Goldes im Jahr 1980 bis zum Hoch in 2011 hat sich Gold auch ungefähr um das 2,5-fache verteuert. Ich gehe also in meiner Annahme davon aus, dass Gold die Entwicklung der letzten Jahrzehnte in etwa wiederholen wird. Genau das tut Claude Erb in seiner Annahme auch.

 

Der inflationsbereinigte Chart von Gold in Dollar zeigt die großen Schwankungen des Edelmetalls im Preis.

 

Steigt Gold überhaupt im Preis?

 

Nein. Nur nominell ist das der Fall, bezogen also auf den aktuellen Preis in Dollar also. Real, also unter Berücksichtigung der Inflation sieht das ganz anders aus. Zieht man die Inflation ab, dann bleibt vom steigenden Goldpreis nicht mehr viel übrig (Chart oben). Seit dem Jahr 1900 hat Gold um rund 0,7 Prozent pro Jahr zugelegt (Quelle: Gerd Kommer, Souverän investieren). Nur zum Vergleich: Amerikanische Aktien haben es auf 6,5 Prozent gebracht – neun Mal so viel.

Noch schlechter sieht es für die Performance von Gold aus, wenn man nur die Höchststände berücksichtigt. Seit dem Höchststand von Gold im Jahr 1980 bei 870 Dollar hat das Edelmetalll nur ohne Berücksichtigung der Inflation überhaupt neue Hochs erreicht hat. Inflationsbereinigt hat das Edelmetall seit 1980 kein höheres Hoch mehr gesehen. Es müsste heute, nur um die zwischenzeitliche Inflation auszugleichen, bei 2.650 Dollar stehen. Sagt der Inflation Calculator.

 

Wohin also geht das Gold?

 

Um auf 5.000 Dollar zu steigen ist nicht mehr nötig als 3 Prozent Inflation und – Zeit. Nach 33 Jahren müsste Gold dann die 5.000 erreicht haben. Dies gilt, wenn es in dieser Zeit eine erneute Übertreibung nach oben gibt – aber die hat Gold in den letzten 200 Jahren ja zuverlässig geliefert.

Gold hat seit rund 200 Jahren eine Neigung zu extremen Kursschwankungen gezeigt. Der Chart zur historischen Goldpreisentwicklung in den letzten 650 Jahren zeigt es. Deshalb vermute ich, dass alle falsch liegen, die von einer moderaten Entwicklung beim Gold ausgehen. Das kann passieren, zugegeben. Ich selber halte allerdings eine extreme Entwicklung (erst 350 Dollar oder meinetwegen 600 Dollar, was ich persönlich als Ziel ansehe) für deutlich wahrscheinlicher. Dies ist eine Hypothese. Mehr nicht. Allerdings ist es eine begründete Hypothese.

Niemand weiß mit Sicherheit, was Gold in den nächsten Jahrzehnten machen wird.

 

Was muss passieren, um Gold bis 350 Dollar zu drücken?

 

Erreicht Gold tatsächlich ein Tief bei 350 Dollar, dann sind dazu einige drastische Veränderungen der Politik nötig. Die Notenbanken müssen von der Käuferseite auf die Verkäuferseite wechseln. Das ist der entscheidende Punkt beim Goldpreis. Fällt die Nachfrage der Notenbanken weg, dann kann Gold schon heute bis auf 800 Dollar absacken.

Treten die Notenbanken sogar als Verkäufer von Gold auf, wie in der Zeit bis 2004, dann ist ein weiterer Abwärtsimpuls zu erwarten. So eine Entwicklung ist derzeit nicht abzusehen. Zunächst einmal muss die Erinnerung an die Finanzkrise von 2008/09 verblassen.

 

 

Das Fazit von grossmutters-sparstrumpf

 

Fest steht, dass Gold langfristig ein miserables Investment ist. Wer nur die Jahre 2001-2001 in Erinnerung hat, dem leuchtet diese Aussage natürlich nicht ein.

Wer einen Blick auf den historischen Goldpreis wirft, der bekommt hingegen einen ganz anderen Eindruck. Gold steigt demnach nicht einmal moderat, wie es die historischen Goldpreise seit 1900 nahe legen. Es stagniert vielmehr (seit 1800) bzw. fällt im Preis (seit 1350). Damit würde Gold das gleiche Schicksal erleiden, wie alle Rohstoffe – sie fallen seit Jahrhunderten im Preis.

Warum ist das so? Weil der menschliche Geist stets etwas Neues erfindet. Eine neue Maschine um Kupfer noch effizienter abzubauen. Ein neues Verfahren, um Uran einfacher und billiger aus dem Gestein zu lösen. Oder aber ein neues Verfahren, um Gold günstiger gewinnen zu können.

Doch nicht nur der Erfindungsreichtum gehört zum menschlichen Leben – auch die Angst gehört dazu. Die Angst vor einer enormen Inflation zum beispiel (1980). Oder die Angst vor den Folgen einer unkalkulierbaren Finanzkrise (2008/09). Diese Ängste begleiten uns über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Es wird eine neue Angst geben in den kommenden Jahrzehnten.

Diese neue Angst wird den Goldpreis aus der Tiefe von 350 (oder 600 Dollar) nach oben führen. Viele Spekulanten werden sich auch dann wieder anhängen, wenn das Gold seine nächste Hausse erlebt. Zusammen werden sie den Goldpreis in schwindelerregende Höhen tragen – bis auf 5.000 Dollar. Ich selber werde das vermutlich noch erleben. In 33 Jahren bin ich 90 Jahre alt.

Bleibt die Frage: Lohnt es für mich, mein Geld in Gold anzulegen?

Die Antwort lautet: Nein.

Laufen die Aktienmärkte in den nächsten 33 Jahren nur mäßig und bringen mir nur eine Rendite von 8 Prozent pro Jahr – dann werden aus 1.200 Dollar in dieser Zeit rund 15.200 Dollar. Drei Mal so viel wie mit Gold.

Gemessen an den vergangenen 33 Jahren sind 10 Prozent Rendite bei Aktien möglich. Dann sind wir schon bei 27.870 Dollar. Das sind schon mehr als fünf mal so viel wie bei Gold.

Von der Möglichkeit, dass ich auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten den Index deutlich schlagen kann, habe ich jetzt noch gar nicht gesprochen. Gelingt mir das (ich halte das für möglich, aber nicht für sehr wahrscheinlich – das ist nämlich viel Arbeit), dann ist der Gewinn natürlich noch einmal deutlich höher. Selbst wenn ich nur ein Prozent besser bin als der Index habe ich aus 1.200 Dollar in 33 Jahren 37.500 Dollar gemacht (ich habe der Einfachheit halber Dollar genommen, da Gold üblicherweise in Dollar gehandelt wird).

Gold ist in meinen Augen eine Wette gegen den menschlichen Verstand und seinen Erfindungsreichtum. Und es ist eine Wette auf die Angst. Ich setzte lieber auf die enorme Kraft des menschlichen Geistes. Deshalb werde ich wohl  auch bei der nächsten Hausse nicht mit dabei sein – wenn Gold möglicherweise auf 5.000 Dollar steigen wird. Ich werde in Aktien wie APPLE oder MASTERCARD investiert sein. Aber nicht in Gold.

 

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16 Kommentare

  1. Florian Wiedemann

    Hallo zusammen,

    ich schließe mich der Meinung von Christian an. Gold ist kein gutes Investment, da Gold genau betrachtet eigentlich keinerlei Nutzen hat. Niemand braucht wirklich Gold. Die Industrie braucht kaum Gold und Privatpersonen finden es halt einfach toll, weil es so schön glänzt und man so schöne Ketten und RInge draus machen kann. Aber in einer wirklichen, existenzbedrohenden Krise ist Gold nutzlos. Wenn sich in der Scheune des Bauern die Goldbarren stapeln, dann bekommst dafür auch keinen Sack Mehl mehr…
    Außerdem besteht immer die Gefahr, dass neue Goldvorkommen entdeckt werden (an die man jetzt vielleicht noch gar nicht denkt), die Förderung einfacher wird o.ä. und der Goldpreis dadurch verfallen würde.

    VG Flo

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    1. Marc

      @Florian Wiedemann, ich kann es nicht lassen, obwohl ich mir geschworen habe, nicht mehr über Gold zu reden. Das mit dem Bauern stimmt einfach nicht. In Venezuela bekommst du für eine Silberunze(!) ein halbes Jahr Lebensmittel vom Bauern. Argentinien, Türkei, dasselbe.
      Ebenso ist es falsch, daß durch moderne Technik die Goldgewinnung steigt. Das Gegenteil ist der Fall. Durch welweit immer strengere Umweltvorschriften und unberechenbare Regierungen in den Goldregionen wird es immer schwieriger Gold zu fördern. Man muß immer tiefer graben, immer mehr Chemie verwenden, was die Umweltbehörden erst recht auf den Plan ruft. Goldförderung ist ein unsicheres Geschäft geworden, Minen werden reihenweise geschlossen.
      Dann wär da noch die Story mit der Goldgewinnung aus dem Meer, aber das werden wohl erst unsere Ur-Urenkel erleben, wenn überhaupt.
      Wenn schon, hätte ich als Goldbesitzer eher Angst, daß die Notenbanken Gold verkaufen, aber die scheinen genau das Gegenteil zu machen in Zeiten, in denen immer mehr Werte ohne Gegenparteirisiko benötigt werden.

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  2. Marc

    “Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates macht es erforderlich, daß es für Vermögensbesitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen. Dies ist das schäbige Geheimnis, das hinter der Verteufelung des Goldes durch die Verfechter des Wohlfahrtsstaates steht. Staatsverschuldung ist schlicht und ergreifend ein Mechanismus für die versteckte Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es schützt Eigentumsrechte”.
    (Aus dem Aufsatz von Alan Greenspan “Die wirtschaftliche Freiheit”).

    Man sollte als Vermögens-anleger-berater-blogger nicht den Wald vor lauter Bäumen und Bäumchen aus den Augen verlieren.

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Interessante Meinungsäußerung. Ich halte es aber doch lieber mit Warren Buffett. Der versteht vom Investieren ohnehin mehr als dieser Greenspan oder wie er heißt.

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      1. Marc

        „dieser Greenspan oder wie er heißt“
        Du hast recht. Ein Alan Greenspan (Fed-Chef von 87 bis 06) hat in einer Bloggerszene, die größere Zusammenhänge bewußt oder unbewußt auszublenden scheint, wirklich nichts zu suchen.

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        1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

          Deine Beiträge werden unhöflicher. Gold hat einem Investor seit 1980 einen Verlust von rund 50 Prozent gebracht – wenn man die Lagerkosten berücksichtigt. Und das sollte man tun. Aus 10.000 Dollar wurden also 5.000 Dollar. Mit dem angeblich so sicheren Gold.
          Der S&P 500 hat in der gleichen Zeit aus 10.000 Dollar die Summe von 800.000 Dollar gemacht. Die Inflation ist in beiden Fälle abgezogen. Mir gelingt es einfach nicht, diese Fakten bewußt oder unbewußt auszublenden.
          Ich halte es mit Warren Buffett. Gold ist unproduktiv – und kann deshalb kein Investment sein. Nur in schweren wirtschaftlichen Krisen ergibt es einen Sinn. Zumeist ist dann der Dollar aber wichtiger – wo wie derzeit in der Türkei.

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          1. Marc

            War nicht unhöflich gemeint, sorry. Du suchst dir halt die Zahlen heraus, die dir passen. Wer 2000 Gold gekauft und es 12 Jahre später verkauft hat, ist nicht schlecht gefahren. Zahlen sind geduldig, besonders an der Börse. Aber diese Golddiskussionen haben einen grundlegenden Fehler: Eine jahrtausendalte Währung kann man nicht mit einer Aktie vergleichen, einen Picasso nicht mit einem ETF.

          2. Heiko

            Lagerkosten ? Gibt es nicht auch Grundbesitzabgaben ,Depotkosten , Kontogebühren und ähnliche Abgaben ? Berücksichtigt dies euer Blog auch ?

          3. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

            Danke für den Hinweis. Klar gibt es auch bei anderen Anlageformen solche Kosten. Die sind allerdings nicht so hoch wie beim Gold. Eine Ausnahme sind die sehr hohen Kaufkosten bei Immobilien. Das muss man auch immer wieder dazusagen, weil viele Anfängerinnen und Anfänger das nicht wissen.
            Beim Gold sind leider sogar die Kauf- und die Verkaufskosten sehr hoch – und auch das weiß kaum jemand der sich nicht intensiv damit beschäftigt hat.

  3. GiniKoeffizient

    Es geht doch nicht darum mit Gold Rendite einzufahren. Ich glaube da haben einige etwas mächtig falsch verstanden.

    Gerade aufgrund der hier beschriebenen Volatilität hat Gold eine Eigenschaft eben nicht mit Aktien oder Immobilien gleichmäßig zu korrelieren und in Zeiten vor und nach einer real-wirtschaftlichen Krise ein sinnvolles Gegengewicht anzubieten.

    Wenn es zu einer real-wirtschaftlichen Rezession kommt, dann fällt erstmal alles weil die Wirtschaft schrumpft und somit Leute ihre Jobs verlieren und weniger ausgeben können. In der Phase nach einer Rezession, sobald die Leute eben wieder Geld hatten war es jedoch so, dass Edelmetalle schneller wieder stiegen und man hier wieder ein Rebalancing durchführen kann, welches zu Gunsten von Aktien zu einem einigermaßen erträglichen Werterhalt führt (insofern man die Edelmetalle nicht in Panik in der Übertreibungsphase zuvor gekauft hat, sondern entsprechend der eigenen Asset Allocation ganz automatisch in Höchstzeiten der Börse, wie jetzt, in denen Edelmetalle nicht mehr cool genug sind).

    Nicht von ungefähr gibt es seit ewigen Jahrhunderten die Drei-Speichen Regel, welche schon immer funktioniert hatte. Es ist eben das systemische Risiko, welches durch eine derartige Diversifikation ihre Daseinsberechtigung erhält.

    Das was viele Goldbugs tun ist jedoch dasselbe wie Aktien-Anhänger. Sie versuchen ihre Entscheidung zu rechtfertigen und suchen Argumente dafür, genau so zu investieren wie sie es darstellen. Gier frisst Hirn. Es geht dabei nur darum, dass man mal wieder denkt, bei einem selbst wird es alles anders laufen. „Ja ich werde in 10 Jahren Millionär, weil ich es viel besser durchschaue als alle anderen.“. Am Ende kommt es dann doch wieder anders als erwartet.

    Und genau deswegen die Asset Allocation über viele Bereiche, mit einer Gewichtung die für einen selbst funktioniert.
    Wieso sollte denn diesmal alles anders sein? Das wurde immer gedacht. Letztendlich trieben die Gesellschaft und Wirtschaft wieder die gleichen animalisch-menschlichen Instinkte an und führten immer wieder zu Klassengesellschaften, Arm- und Reich, sowie Prunk und Prestige, Protz und Angeberei oder Gier nach Geld und Macht. Und schon ging es von vorne los. Es gibt immer wieder Phasen in denen „Neureiche“ entstehen und dieselben Fehler begehen wie die alten Generationen.

    Und irgendwann kommen die Afrikaner und möchten auch drei mal im Jahr Urlaub machen bis sie dann in einer Rezession landen und sich an die Geschichten von Opa dem Minenarbeiter aus der Mponeng Goldmine in Südafrika erinnern.

    Ich glaube fest daran, dass man nicht meinen sollte etwas besser zu wissen als der Rest.
    Auch wenn die einschlägige Finanzblogwelt potentiell eher höher-gebildete Menschen anzieht, so bezweifle ich doch sehr stark, dass diese aufgrund dessen auch zutreffendere Zukunftsprognosen abgeben können.

    Lasst es einfach mit den pessimistischen Preisprognosen, das ist ebenso unseriös wie die der Angstschürer. Es kann keiner wissen. Cryptowährungen hätten tatsächlich das Finanzwesen umstürzen können. Haben sie ersteinmal nicht aufgrund einiger Schwachstellen und Umstände, dennoch hätte eine Rezession in genau diesem Zeitpunkt dazu führen können, dass die Menschen sich vom etablierten Wirtschafts- und Finanzsystem verabschieden. Oder eben auch nicht. Wer also vernünftig alles beobachtet und nicht kategorisch ausschließt, schläft am besten und wird womöglich auch am meisten Wohlstand erhalten.

    Antworten
    1. Ralph

      Kann ich nur beipflichten.
      Auf einem Fuß steht man gut, auf zwei Beinen besser und wenn man noch eine Bar zum anlehnen hat (3. Bein) dann ist es richtig gemütlich. Übrigens gilt dies für viele Bereiche des Lebens, aber dann wird es philosophisch.

      Antworten
  4. Fröscher Peter

    Bin ganz Deiner Meinung. Werde diese Ueberlegungen meinen Kollegen in die wöchentlichen Gold roadshows mitbringen. Da werden sicher einige anderer Meinung sein ;-)) !
    Achtung ! Erbschaftssteuer auf amerikanischen Aktien ab $ 60’000, sehr hoch für nicht Amerikaner und auch für nicht in Amerika wohnende Personen.

    Kenne den Blog erst seit 3 Wochen und schätze Deine klaren Erklärungen. Bin soweit mit allem einverstanden.
    Herzliche Gratulation.

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  5. Markus

    Du schreibst: „Von der Möglichkeit, dass ich auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten den Index deutlich schlagen kann, habe ich jetzt noch gar nicht gesprochen.“
    Vergleichst du Deine Entwicklung mit einem Index oder mit einem ETF? Da der zugrunde liegende Index sich ja besser enwickelt. Insofern ist es möglicherweise gar nicht so schwer den ETF zu schlagen.
    Schönen Gruß Markus

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Wenn ich mich mit dem MSCI World vergleichen will, dann nehme ich einen thesaurierenden ETF auf den MSCI World. Damit habe ich sofort die reale Entwicklung des MSCI World in Euro. Wenn ich mich mit dem MSCI World selber vergleichen würde, dann wäre das viel einfacher, den zu schlagen. Der hat die Dividenden ja nicht drin. Und wenn die Wechselkursveränderungen gerade auch noch zu meinem Vorteil verlaufen (starker Dollar), dann wäre es noch einfacher, den MSCI World zu schlagen.
      Das gleiche Problem ergibt sich beim S&P 500.
      Deshalb ist in meinen Augen der thesaurierenden ETF in Euro immer noch der beste Bezugspunkt für einen Vergleich. Auf eine Stelle hinter dem Komma kommt es mir dabei nicht an.
      Meine Performance findest du in den Jahresrückblicken. Da siehst du, dass 2016 für mich ein schwieriges Jahr war. Im Durchschnitt der letzten Jahre habe ich ungefähr 50 Prozent mehr Performance als eine ETF-Anlage. Kommt die auf 14 Prozent, habe ich 21 Prozent. Das ist der Wert für die letzten 6 Jahre.

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  6. Michael Dierolf

    Für die ganzen Gold Fans empfehle Ich einen Fund von M&W , Mack und Weise.
    In Crash Zeiten bekommen die immer mäßig Mittelzuflüsse .
    Und schüren seit 1989 die Angst .
    Die extreme Underperformance Ihrer Funds sprechen für sich .
    Aber , Ihre Gebühren bekommen Sie ja trotzdem reichlich .
    Es lebe die Angst .

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  7. Erich Reichl

    Ich bin ganz Deiner Meinung, Gold wird in seiner Bedeutung für Krisenzeiten überschätzt. Ein paar Münzen oder eine Kette und einen Ring für einen Sack Kartofffeln – aber mehr nicht. Ich finde es gut, dass Du am Ende Deiner ausführlichen Beiträge immer ein Fazit ziehst.

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