Acht Gründe Gold als Anlage zu meiden (3)

Wenn du auf den Chart unten schaust, dann siehst du die langfristige Entwicklung des Goldpreises (in Dollar von 1999). Auffällig ist zunächst einmal, wie stark der Preis zu Beginn der Neuzeit, also mit der Entdeckung Amerikas, gesunken ist. Gold kam in großen Mengen als Raubgold über den Atlantik. Das hat die Preise gedrückt.

Doch etwa seit dem Jahr 1600 ist dann nicht mehr viel passiert.

 

Oder vielleicht doch. Erstens hat Gold bis zum Jahr 1975, dem Jahr in dem das Goldverbot in den USA aufgehoben wurde, eine lange Reihe tieferer Tiefs ausgebildet. Erst das Tief von April 2001 bei 256 Dollar konnte diese Serie beenden.

 

Zunehmende Volatilität beim Gold

 

Zweitens wurde Gold im 20. Jahrhundert deutlich schwankungsanfälliger, als es das in früheren Zeiten gewesen ist. Es wird zum Spielball politischer Entscheidungen (1933-1971), einer Zeit, in der sein Preis festgelegt ist. Und sein Besitz ist in vielen Ländern schlicht verboten.

Nach der Aufhebung des Goldverbots in den USA kommt es zu einem sehr starken Anstieg des Goldpreises – und zu einem sehr tiefen Fall. Allein dieser Anstieg im Jahr 1980 lohnt einen längeren Blick. Gold schießt hoch – bis zu einem Preisniveau, das es seit 500 Jahren nicht mehr erreicht hat. Trotzdem schwärmen die Goldfans auch damals schon davon, dass das alles erst der Anfang einer unglaublichen Goldhausse ist.

Aber es kommt anders. Gold läuft nun ins andere Extrem – und fällt weit unter seinen historischen Durchschnitt.

Logischerweise könnte jetzt, nach dem Hoch von 2011 (bei 1.400 Dollar in Dollar von 1999) wiederum ein starkes Tief folgen. Das würde in der Höhe von 350 Dollar liegen. So jedenfalls sieht es der Edelmetallexperte Claude Erb. Schauen wir mal, ob es so kommt. Derzeit spricht eine Menge gegen diese These – und einige der Gründe sind politischen Natur. Du wirst sie heute kennenlernen.

 

Gold hat einen mittleren Kurs

 

Trotz aller Schwankungen hat das gelbe Metall in der Neuzeit eine erkennbare Mittellinie. Die liegt bei 435 Dollar (in Dollar von 1999). Nach heutigem Geld sind das 644 Dollar für eine Feinunze.

Schon dieser Chart reicht mir persönlich aus, um mich zu fragen, warum so viele Anleger davon überzeugt sind, dass Gold auf 2.000 oder gar 3.000 Dollar klettern wird. Ich sehe das nicht kommen – aber das ist dir, wenn du diese Serie über das Gold verfolgst, mittlerweile ohnehin klar. Bisher hast du dafür schon einige Gründe kennengelernt.

Erstens: Gold ist auf der Erde in großen Mengen vorhanden (Teil 1 der Serie) und folgt in den letzten Jahrzehnten einem boom and bust cycle, bei dem eine hohe Nachfrage zu erhöhter Förderung führt, die erhöhte Förderung dann zu einem hohen Angebot. Und das führt dann zu einem sinkenden Preis. Erst boom. Dann bust. So läuft es auch bei vielen commodities wie Kupfer, Eisenerz, Nickel oder Erdöl.

Zweitens: Gold hat viel zu hohe Lagerkosten (0,12 – 2 Prozent im Jahr) und hohe Kauf- und Verkaufskosten (7 Prozent) – das war Teil 2 der Serie.

Gold ist in seinem Preis aber auch extrem abhängig von politischen Entscheidungen und Entwicklungen. Und um genau die soll es heute im dritten Teil meiner Serie zum Gold gehen.

 

Fünfter Grund: Der Preis von Gold ist sehr anfällig für politische Entscheidungen, auf die du als Anleger keinen Einfluss hast

 

Der derzeit wichtigste Punkt im Bereich der politischen Entscheidungen ist die hohe Nachfrage nach Gold, die durch die Goldkäufe der Zentralbanken entsteht. In den letzten Jahren ist der russische Staat einer der größten Käufer von Gold. 200 bis 300 Tonnen des gelben Metalls wandern Jahr für Jahr in die Tresore von Wladimir Putin.

 

 

Doch nicht nur der russische Staatspräsident ist ganz versessen auf das Gold und stockt die Goldreserven der russischen Zentralbank auf. Auch andere Zentralbanken handeln ähnlich wie er – unter anderem die von  China, der Türkei, Indien und Saudi Arabien.

Gegen diesen Trend zu höheren Goldvorräten der Zentralbanken handeln derzeit vor allem die Schweiz, Belgien und die Niederlande. Fällt dir  etwas auf? Es sind allesamt Demokratien, die derzeit Gold verkaufen –

und Autokratien, die auf Gold setzen.

 

Quelle: Wikipedia

 

Worin liegt nun für dich als Anleger die Gefahr, wenn Zentralbanken Gold kaufen? Zunächst einmal: Keine. Aber was ist, wenn sie das einmal nicht mehr tun? Das kann in der Tat passieren – wirf nur mal einen Blick auf die nächste Grafik. Bis 2009 traten Zentralbanken als Verkäufer von Gold auf, nicht als Käufer. Erst danach, nach der großen Weltwirtschaftskrise, hat sich das Blatt gewendet.

 

Zudem ist es ja nicht ausgeschlossen, dass sich einige Länder, die derzeit Gold kaufen, in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren in Richtung Demokratie entwickeln. Ob ihre Nachfolger sich ebenfalls im Glanz des gelben Metalls sonnen wollen, wie ihre autokratischen Vorgänger, das ist höchst unklar. Das ist das erste politische Risiko, dass du mit einer langfristigen Anlage in Gold eingehst. Es ist nicht das einzige.

 

Die großen Spieler bestimmen den Goldpreis

 

Der Goldmarkt ist kein Markt, auf dem du oder ich oder andere Konsumenten den Preis bestimmen. Es sind die Zentralbanken die die größten Mengen nachfragen – oder auch nicht. Bis zur Weltwirtschaftskrise von 2009 standen sie auf der Seite der Verkäufer. Gold galt als altmodisch und unnütz. Erst seither gilt es vielen Akteuren wieder als Schutz vor Währungsturbulenzen und als ein Beweis von wirtschaftlicher Stärke.

Besonders Diktatoren schätzen derzeit das Gold, da sie nicht fürchten müssen, dass ihre Goldreserven durch andere Länder angegriffen werden. Währungsguthaben in Dollar dagegen können auf Druck der amerikanischen Regierung auch eingefroren werden. Der Iran hat das im Jahr 1979 erlebt, als die Regierung in Washington alle Guthaben des Landes in den Vereinigten Staaten einfror.

Zudem möchten sowohl Russland wie auch China ihre Abhängigkeit von Währungsreserven in Dollar gerne verringern. Dem dient das Gold das sie ankaufen.

Die Zentralbanken wollen ihren Währungen mit ihren Käufen zudem einen höheren Anschein von Sicherheit und Stabilität geben. Das ist in erster Linie Psychologie – nicht Ökonomie. Die russische Wirtschaft wird um keinen Deut wettbewerbsfähiger, wenn die Zentralbank 31 Tonnen Gold in gerade einmal einem Monat kauft, wie etwa vor einem Jahr, im November 2016.

 

Kaufen die Zentralbanken auch in Zukunft Gold?

 

Reduzieren die Zentralbanken ihre Käufe, dann gerät der Goldpreis schnell unter Druck. Das ist das zweite große politische Risiko, dass du mit eine Anlage in Gold eingehst.

Bleibt die Nachfrage durch die Zentralbanken Russlands, Chinas und der Türkei weiterhin hoch, dann kann das dafür sorgen, dass der derzeit historisch sehr hohe Preis für das gelbe Metall noch auf Jahre hinaus  hoch bleibt. Gold würde dann noch lange Zeit in der Spanne von 1.100 bis 1.300 Dollar pendeln – wie es das jetzt seit nunmehr vier Jahren tut.

 

Foto: Die neue Goldmine Natalka in Sibirien (Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Firma POLYUS)

 

China und Russland wollen noch mehr Gold

 

China wie auch Russland planen, ihre Goldproduktion in den nächsten Jahren noch deutlich zu erhöhen. Anschließend kaufen die Zentralbanken der beiden Länder es dann auf. Eine spannende Frage am Rande: Womit bezahlt Wladimir Putin eigentlich all das Gold, das in russische Minen gefördert wird, um anschließend in den Tresoren der russischen Zentralbank zu verschwinden?

Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Er lässt dafür Rubel drucken. So macht er aus einfachem Papiergeld – reines Gold. Auf diese Weise wird Russland möglicherweise zum größten Goldproduzenten der Welt. Derzeit ist das Land nur der zweitgrößte Produzent. Nach China.

 

Wie lange noch setzt Russland auf höhere Goldreserven?

 

Wie lange Russland seine Politik der expansiven Goldförderung und Einlagerung fortsetzt ist derzeit nicht klar. Sicher ist, dass eine politische Entspannung im Verhältnis von Russland und den USA und eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland, die russische Politik in Sachen Gold beeinflussen wird. Gold wird dann für Wladimir Putin weniger wichtig.

Russland kann seine Goldförderung jederzeit auf den Weltmarkt bringen und dort verkaufen. Etwa 200-300 Tonnen kämen dann jährlich auf den Markt. Das würde den Goldpreis ganz erheblich unter Druck setzen.

Das Dumme für dich: Auf all diese Fragen hast du keinerlei Einfluss.

Um es sehr pointiert auszudrücken: Legst du dein Geld in Gold an, dann machst du dich von den Entscheidungen des russischen Staatpräsidenten abhängig. Oder von den Entscheidungen seiner Nachfolger.

 

Was macht Putin?

 

Du glaubst, der Putin wird das schon nicht tun? Da hast du in meinen Augen eine eher seltsame Vorstellung vom russischen Präsidenten. Wenn es ihm nutzt, dann wird er das jederzeit tun. Und das nicht etwa, weil er dich ärgern will. Er wird das tun, weil es sein Job als Präsident ist. Er muss das tun, was seinem Land nutzt. Derzeit bedeutet das, dass er Gold kauft. Das kann sich jederzeit wieder ändern.

Am kommenden Wochenende geht es hier auf grossmutters-sparstrumpf um die letzten drei Gründe, die gegen Gold als Investment sprechen. Der wichtigste: Gold zahlt keine Dividende. Das führt dazu, dass dein Geld am Aktienmarkt zwar deutlich wächst – mit Gold aber selbst in guten Zeiten, inflationsbereinigt nur unwesentlich. Wenn überhaupt!

Stay tuned!

 

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1 Kommentar

  1. Marc

    Der Aktienmarkt ist ebenfalls kein Markt, auf dem du oder ich den Preis bestimmen, er ist genauso anfällig für politische Entscheidungen, auf die wir keinen Einfluß haben. Derzeit bestimmen, wie wir alle wissen, zu einem großen Teil geldpolitische Entscheidungen der Zentralbanken die Aktienpreise. Reduzieren die Zentralbanken ihre „Geldproduktion“, geraten die Aktienpreise unter Druck. Ein großes politisches Risiko, wie beim Gold.

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