Warum Apple auf 328 Dollar steigt

Der Güner Soysal, eines der Radaktionsmitglieder der „Kleinen Finanzzeitung“ sagt immer wieder gerne: „Ich brauche mehr Apple!“

Ich habe schon oft gelacht über seinen Spruch. APPLE wird ja an der Börse gehandelt. Kann er denn nicht einfach nachkaufen?

Heute wirst du erleben, dass es mir ganz ähnlich ergeht wie Güner. Ich habe wirklich viel zu wenig APPLE im Depot. Aber der Reihe nach. Fangen wir erst einmal damit an, was die Aktie von APPLE in letzter Zeit so macht.

 

 

APPLE ist kaum aufzuhalten in den letzten Monaten. Im Chart (oben) ist das gut zu sehen. Erst knackte sie das Allzeithoch bei 195 Dollar, dann die psychologisch wichtige Hürde bei 200 Dollar – und dann schloss sie auch noch mit einem Marktwert von über 1 Billion. Warren Buffett der alte Fuchs hatte es vorhergesagt – und Recht behalten.

Kann das so weiter gehen?

Die Antwort ist für den ein oder anderen vielleicht etwas überraschend. Sie lautet: Ja.

Das kann in der Tat so weiter gehen. APPLE wird in den nächsten zwölf Monaten möglicherweise bis auf 328 Dollar steigen. Wenn du schon länger hier auf diesem Blog mitliest, dann wird dich dieses Kursziel nicht erstaunen. Mich erstaunt auch nicht das Ziel selber – mich erstaunt vielmehr, dass es so schnell geht.

 

Sind Märkte rational?

 

APPLE bestätigt in meinen Augen die Annahme, dass Aktienmärkte sich ausgesprochen irrational verhalten können. Erst war die Aktie von APPLE vor drei Jahren unglaublich unterbewertet mit einem KGV unterhalb von 10 – und nun kann es ihr gar nicht schnell genug gehen, ihren Platz da einzunehmen, wo sie nach Meinung vieler Beobachter hingehört: „APPLE ist das neue PROCTER“ heißt deren Devise. APPLE verdient somit ein KGV von 24.

Mir soll es recht sein. APPLE hat demnach derzeit noch immer ungefähr 20 Prozent Luft nach oben, auf Basis der Gewinne der letzten 12 Monate. Hier kommt der KGV-Chart von APPLE:

 

 

APPLE steht derzeit gerade einmal bei 20,5. Da ist noch ein ganzes Stück Luft nach oben bis zur 24! Und das ist nur das Kursziel, dass sich aus den derzeitigen Gewinnen ergibt. Die werden im Amerikanischen üblicherweise auf der Basis der Gewinne der letzten 12 Monate berechnet. Wenn du dir dieses KGV oben anschaust, dann sind in ihm also Gewinne aus dem zweiten Halbjahr 2017 mit enthalten. Der Chart enthält mithin eine Menge Vergangenheit.

 

Was kommt? 34 Prozent Wachstum bei den Gewinnen.

 

Ob das eine Rolle spielt? Vor zwei Jahren noch gab es Analysten, die ernsthaft bezweifelt haben, dass APPLE ein Wachstum von 8 Prozent bei den Umsätzen und von 15 Prozent bei den Gewinnen (EPS) hinbekommen kann. Nichts scheint derzeit absurder als solch kleine Zahlen.

APPLE steuert derzeit bei den nächsten Quartalszahlen, glauben wir den Experten von Zacks Investment, auf ein Gewinnwachstum von knapp 34 Prozent zu. Die Umsätze sollen ‚nur’ um rund 17 Prozent zulegen. Liegen die Zahlen vor, dann fällt das KGV von APPLE. Logisch. Wie geht es dann weiter?

Die Börse schaut gerne in die Zukunft und bewertet Unternehmen oft auf der Basis der zukünftigen Gewinne. Diese Gewinne heißen dann „forward“. Werfen wir einen Blick auf das Forward-PE:

 

 

Wenn du das PE (forward) von 16,48 nimmst, dann ergibt sich für die nächsten 12 Monate ein Potential von stolzen 46 Prozent für die Aktie von APPLE.

Ich war selber ziemlich erstaunt über diese Zahl. Ich habe drei Mal gerechnet, bis ich mich davon überzeugt hatte, dass der Zielkurs von APPLE für die nächsten 12 Monate damit 328 Dollar beträgt. Mach einen Abschlag von 10 Prozent wenn du auf Nummer Sicher gehen willst – dann bleiben immer noch 300 Dollar übrig.

Neue Produkte oder Dienstleistungen, die in der Zwischenzeit das Licht der Welt erblicken, sind in diesem Kurs natürlich nicht enthalten. Stellt APPLE in einem Jahr den kommenden Apple Car vor (Wahrscheinlichkeit: 30 Prozent), dann kann der Kurs auch deutlich stärker steigen.

 

 

Das Fazit von grossmutters-sparstrumpf

 

Die Aktie von APPLE ist jetzt in drei Jahren ziemlich genau um 100 Prozent gestiegen (Chart oben). Sie hat in der Zeit einmal mehr den breiten Markt weit hinter sich lassen können. Kann eine Aktie, die 100 Prozent Anstieg hinter sich hat, noch einmal um 46 Prozent steigen? Meine Antwort lautet: Ja. Sie kann. Und weil das so ist …. brauche ich mehr APPLE!

Deshalb habe ich heute den Anteil von APPLE am Depot aufgestockt. Sie liegt nun bei rund 15 Prozent.

Wer dafür Federn lassen musste? NETFLIX.

Die Aktie von NETFLIX ist und bleibt in grossmutters-sparstrumpf. Ich traue ihr allerdings, anders als APPLE derzeit kein Kursplus von rund 50 Prozent zu. Der zweite Grund für die Entscheidung: Durch den Teilverkauf von NETFLIX und den Kauf von APPLE sinkt das Gesamt-KGV des Depots. Das senkt das Risiko. Und auch darauf kommt es an. In grossmutters-sparstrumpf.

 

Ein umfassende Analyse von Güner Soysal zur APPLE-Aktie findest du hier.

 

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6 Kommentare

  1. Carlo

    Hi Christian,

    erstmals danke für den interessanten Beitrag!
    Du sprichst dein „Gesamt-KGV“ in deinem Aktienportfolio an, ist das

    (a) nach Anteil/Volumen gewichtet und
    (b) was strebst du für ein gew. durschnitts-KGV in deinem Aktiendepot an bzw. in welcher Bandbreite leigt dein Optimum?

    Viele Grüße aus Wien

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Ich habe diese Frage befürchtet, Carlo. Ich bin bei meiner Portfolio-Steuerung allerdings weit weniger strukturiert, als die meisten Anlegerinnen und Anleger, die mit Exel und/oder Portfolioprogrammen arbeiten. Ich habe also keine Zahl, die ich erreichen kann und will und kenne das Gesamt-KGV auch gar nicht.
      Trotzdem habe ich es im Blick, wenn ich eine Aktie kaufe. Derzeit zum Beispiel bei der Frage, ob ich TENCNET oder YY kaufe. Beide sind arg unter die Räder gekommen, wie viele chinesische Aktien. TENCENT ist in den vergangenen Jahren zwar deutlich besser gelaufen als YY, hat aber auch das viel höhere KGV. Sie stehen oberhalb von 30 – YY bei 10.
      Ich bin selber schon ganz gespannt, zu welcher entscheidung ich komme. Da wir uns möglicherweise im letzten drittel des Bullenmarktes befinden, kann eine Aktie mit einem niedrigen KGV in meinen Augen kein Fehler sein. Schauen wir mal.
      Im Grundsatz versuche ich folgendes System durchzuhalten:
      ERSTENS. Für jeden Wert mit einem hohen KGV (NETFLIX, INTUITIVE; AMAZON) gibt es einen Wert mit einem niedrigen KGV (DISNEY, FACEBOOK – zumindest derzeit, CVS HEALTH). Dieses System hat sich gut bewährt. Aktien mit einem hohen KGV haben oft sehr hohe Wachstumswerte beim Umsatz und/oder beim Gewinn. Sie sind manchmal – wie bei MASTERCARD – auch gar nicht zwischenzeitlich mal günstiger zu bekommen.
      ZWEITENS. Bei jedem Verkauf/Neukauf schaue ich, ob es sich um eine Aktie mit einem hohen KGV handelt. Oder mit einem niedrigen. Manche liegen natürlich auch schlicht in der Mitte, wie zum Beispiel SHERWIN WILLIAMS oder JOHN DEERE.
      DRITTENS. Wenn möglich, kaufe ich gezielt Aktien, die gerade zu einem niedrigen KGV notieren. Buffett hat COCA COLA seinerzeit zu einem KGV von 13 gekauft. Natürlich sitzt er heute nur deshalb auf einem so hohen Gewinn, weil er die Aktie sehr günstig erworben hat. Alle Anlegerinnen und Anleger die ihm in den letzten Jahren gefolgt sind, können sich nun wundern, warum sich COCA COLA für ihr Depot so gar nicht rechnet. Jeder ETF auf den Index ist um einiges besser. Es liegt am günstigen Kaufzeitpunkt.
      Aktien mit einem günstigen Kaufzeitpunkt in Bezug auf das KGV waren für mich APPLE (vor drei Jahren allerdings), NOVO NORDISK (Nachkauf bei einem KGV von 19) zuletzt bei CVS HEALTH und demnächst möglicherweise bei YY. Du siehst schon, das spielt nicht so oft eine Rolle bei meinen Entscheidungen. Das liegt an dem Bullenmarkt. Es gibt nicht viele günstige Aktien derzeit – und viele die günstig sind (DAIMLER, BAYER – um nur mal zwei zu nennen) eigenen sich nun wirklich nicht, um besser zu sein als der Index.
      Schöne Grüße aus Berlin
      Christian

      Antworten
      1. Marc

        „Es liegt am günstigen Kaufzeitpunkt“. Aha, also doch Markttiming.
        „Da wir uns möglicherweise im letzten Drittel des Bullenmarkts befinden“. Also doch nicht so unklug, an der Seitenlinie warten, bis dieses letzte Drittel vorbei ist und dann kaufen.
        Warum rätst du Anfängern von Markttiming ab, während du selbst es durchaus anwendest?

        Antworten
        1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

          Da verstehen wir uns miss. Aktien zu kaufen wenn sie günstig sind ist eines der Standartvorgehen bei der Geldanlage. Market Timing meint, mit seinem Geld gezielt in den Markt (und aus ihm raus) zu gehen, weil man annimmt, dass sei gerade ein günstiger Zeitpunkt dafür. Diese ‚Annahmen‘ führen Privatanleger pausenlos in die Irre. Wir können jetzt noch fünf Jahre auf die nächste Rezession und den nächsten Bärenmarkt warten. So ist es Anlegerinnen und Anlegern zumindest in den Jahren von 1988-2000 ergangen. Sie standen die Hälfte der Zeit an der Seitenlinie. Und hatten eine sehr schlechte Performance.
          Wenn der Bärenmarkt da ist, dann werde ich ganz andere Empfehlungen geben als jetzt. Erstens springt die Börsenampel dann auf gelb. Keine Käufe mehr. Zweitens wird es Zeit, nach Bargeld für die Zeit der günstigen Kurse zu schauen.
          Hey, das macht der Buffett schon sein Leben lang.

          Antworten
  2. Anna

    Hey Christian.
    Ich hab Apple auch im Depot und bereue es keine Sekunde. Das Jahr ist nicht mal um und ich darf mich über unglaubliche fast +44% freuen (ich habe im Februar gekauft, als es kurz runterrauschte.) Ich steh eigentlich überall auf Grün, nur beim MDAX nicht, da bin ich sogar im Minus. Hast du eigentlich auch den MDAX ETF im Depot oder hast du nur Einzelaktien? Hast du besondere Empfehlungen für Aktien, die im MDAX enthalten sind?

    Viele Grüße 🙂
    Anna

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Hallo Anna,
      der MDAX läuft bislang in diesem Jahr schwach, keine Frage. Das kann sich aber noch ändern. Ich habe ihn nur im Musterdepot und in einem wiki, das demnächst handelbar werden soll. Persönlich habe ich nur Einzelaktien im Depot. Ich kann mich bei deutschen Aktien nur für EVENTIM, WIRECARD, ADIDAS und UNITED INTERNET erwärmen. Ob die bisher besser laufen als ein MDAX-ETF habe ich noch nie ausgerechnet.
      Ich finde es immer gut, wenn Anlegerinnen und Anleger beides machen, ETFs und Einzelaktien. Die Einzelaktien können auch ziemlich frustrierend sein. Dann hilft es weiter, in ETFs investiert zu sein. Die sind ja bei weitem nicht so volatil.
      APPLE ist in diesem Jahr ein Glücksfall. Das mit dem Kauf im Februar hast du super gemacht. Das fällt ja vielen schwer, in so einer Korrektur bei Aktien zuzugreifen.
      Es zahlt sich aber sehr aus.
      Schöne Grüße aus Berlin
      Christian

      Antworten

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