Arbeitest du noch – oder bist du schon „finanziell frei“?

Der Mensch müsse „lieben können und arbeiten können“ hat der Tiefenpsychologe (und Arzt) Sigmund Freud einmal gesagt.

Das ist eine kurze und praktische ‚Gebrauchsanleitung’ für ein glückliches Leben. Die Liebe – klar, wer von uns möchte schon auf sie verzichten? Sich morgens küssen, sich tagsüber auf den anderen freuen, sich nach der Arbeit unterhalten und abends dann aneinander kuscheln, wer bitte findet das nicht gut? Kaum einer.

Und wie ist es mit der Arbeit? Wozu brauchen wir die eigentlich? Wäre ein regelmäßiges Einkommen ganz ohne Arbeit nicht auch sehr schön? Morgens lange ausschlafen, dann ausgiebig frühstücken, später zum Golf, nachmittags eine Runde Joggen gehen und abends ein wenig chillen.

Klingt das für dich erstrebenswert? Dann bist du nicht der Einzige, dem das so geht. Jede Woche entsteht derzeit im Internet ein neuer Blog, der die Vorzüge eines arbeitslosen Lebens preist. Manchmal wollen schon 22-Jährige nichts dringender, als ein „passives Einkommen generieren“ und „finanziell frei“ sein. Je schneller, desto besser. Der Golfplatz ruft!

 

golf

 

Holger arbeitet lieber

 

Das häufige Reden davon, wie erstrebenswert die „finanzielle Freiheit“ ist, ist dem Blogger-Kollegen (und Arzt) Holger Grethe von zendepot so sehr auf den Senkel gegangen, dass er sich hingesetzt hat, und einen seiner super-fundierten Artikel geschrieben hat.

Darin zeigt er zunächst einmal, dass keine Arbeit zu haben für Menschen ausgesprochen riskant ist. Ohne eine Arbeit vergnügt die Freizeit zu genießen, das ist eine Phantasie der wir uns leicht hingeben können. Die Realität hingegen sieht anders aus. Keine Arbeit zu haben erhöht das Risiko an einer Depression zu erkranken um satte 40 Prozent. Es verschlechtert den Gesundheitszustand der Menschen. Und es reduziert auch noch ihre Lebenserwartung. Klingt gefährlich – und ist es auch. Nicht für alle Menschen natürlich, aber für sehr viele.

Holger Grethe ist zufrieden mit seiner Arbeit. Er hat sich zusätzlich zu seinem Arztberuf noch seinen Finanz-Blog zendepot als zweite Arbeit geschaffen. Ich habe ihn im letzten Jahr für mein Buch „Schatz ich habe den Index geschlagen“ zu seinen Erfahrungen als Finanzblogger interviewt.

Arzt und Blogger sein – auf diese Weise hat Holger Abwechslung. Die Abwechslung ist ein wichtiger Punkt, wenn Menschen mit ihrer Arbeit zufrieden sein wollen. Zudem ist er bei seinem Blog sein eigener Herr, kann dort tun und lassen was er will. Selbstbestimmung – auch das macht Arbeit interessant und befriedigend. Zudem ist ein Blog auch noch eine sehr kreative Arbeit. Kein Wunder, dass Holger die „finanzielle Freiheit“ nicht so erstrebenswert findet.

 

German road sign work and retirement with blue sky and white clouds

 

Meine Erfahrung als Berater

 

Ich als Single- und Paarberater finde „finanzielle Freiheit“ als Konzept nicht gerade überzeugend. Das liegt an den Erfahrungen, die ich Tag für Tag damit mache.

Kommt ein Single in die Beratung, dann haben diejenigen ohne Arbeit oft eine gedrückte Stimmung. Ihre Aussichten auf eine Partnerschaft sind deshalb nicht gut. Das ist auch dann so, wenn die Betreffenden über reichlich Geld verfügen, etwa weil sie einige Millionen geerbt haben. „Geerbter Reichtum tötet jede Ambition“, heißt eine psychologische Weisheit, die leider allzu oft zutrifft.

Bei Paaren sieht es nicht besser aus. Keine Arbeit zu haben ist oft eine starke Belastung für eine Beziehung. Der Mann wird arbeitslos – die Partnerschaft schliddert in die Krise. Das ist der Klassiker.

Kommt ein älteres Paar in die Beratung, dann ist die Verrentung des Mannes oder die drohende Verrentung oft einer der Auslöser für die Ehekrise. Und kaum sucht der Mann sich eine bezahlte oder ehrenamtliche Tätigkeit – schon läuft es wieder besser.

Vor allem Männer kommen mit der Methode “von 100 auf 0” nur sehr schwer zurecht. Die Verrentung gilt bei vielen Männern und manchmal auch bei Frauen heute als ein „schwieriges Lebensereignis“, das eine Menge an Problemen nach sich ziehen kann.

 

Warum macht eine Verrentung unglücklich?

 

Warum ist das so? Ein Mann verliert durch die Pensionierung viele seiner sozialen Kontakte, manchmal sogar alle (Frauen hingegen haben oft auch außerhalb der Arbeit stabile Freundschaften). Er verliert die Anerkennung, die eine Arbeit einbringt. Und zu allem Überfluss ist seine Frau oft auch noch genervt davon, dass er jetzt unablässig da ist. Das ist sie nämlich nicht gewohnt.

Es engt sie zudem auch noch ein. Ständig fragt er: „Und was machen wir heute?“ Dabei wollte sie sich mit einer Freundin treffen – und sich unterhalten.

Du siehst: Ohne eine Arbeit zu leben ist zwar ein spannend klingendes Konzept – und einigen wenigen mag das auch gut gelingen. Ich als Berater mache allerdings selten positive Erfahrungen damit. Es ist für mich also keine gute Option.

Interessanterweise unterstützt auch die Wissenschaft meine Vorbehalte gegen das Konzept der „finanziellen Freiheit“ in vielfältiger Weise. Manchmal ist allerdings ein sehr genauer Blick auf die Realität nötig, um zu erkennen, dass wir zwar sehr gerne von den Vorzügen der Freizeit reden, dass wir aber bei der Arbeit oft glücklicher sind. Das hat ein Mann erforscht, der vielen als der Begründer der Glücksforschung gilt und der einen nahezu unaussprechlichen Namen hat: Mihály Csíkszentmihályi.

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Der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi kam einigen Geheimnissen der Arbeit auf die Spur.

 

Die Wissenschaft

 

In unserer Kultur hat Arbeit einen schlechten Ruf. Es gilt als ausgemacht, dass Freizeit gut und erstrebenswert ist. Deshalb antworten die allermeisten Menschen auf die Frage, ob sie lieber zu Hause sind oder bei der Arbeit: Zu Hause!

Viele von ihnen sagen aber nicht die Wahrheit, wie Mihály Csíkszentmihályi, vielen durch den Begriff des Flow bekannt, schon vor Jahrzehnten herausfand. Er ließ seine Probanden regelmäßig ihre Stimmung in kleine elektronische Geräte eingeben. So konnte er in Echtzeit messen, wie es ihnen gerade erging. Und siehe da: Die Werte bei der Arbeit stellten sich als besser heraus. Dort waren viele Untersuchungspersonen zufriedener als in ihrer Freizeit.

Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie zweifelhaft die Ergebnisse von Meinungsumfragen sind. Die konkrete Beobachtung des menschlichen Verhaltens ist in der Regel deutlich aussagekräftiger. Die Beobachtung kommt zu dem klaren Ergebnis, dass deutlich mehr Menschen ihre Arbeit schätzen – ja lieben – als sie es in Umfragen zugeben.

 

langweiligearbeit

 

Wähle eine Arbeit die du liebst

Kann man seine Arbeit lieben? Oder sollte man das sogar? Schon der chinesische Philosoph Konfuzius (551-471 v. Chr.) hatte eine Meinung zu dieser Frage: “Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.”

Genau da sehe ich das Problem bei all den Bekenntnissen von Bloggern zur „finanziellen Freiheit“. Über das Entscheidende, über die Freude die wir an unserer Arbeit haben – oder haben sollten – ist bei ihnen nämlich kaum je die Rede. Schade.

Konfuzius geht es also um den Inhalt der Arbeit. Zudem geht es ihm um das gute Leben und um die Frage, wie das aussieht. Das verbindet Konfuzius mit Sigmund Freud, dessen Vorstellung von einem guten Leben du ja schon kennst.

Konfuzius würde dir also raten, deine Zeit nicht mir dem Nachdenken über die „finanzielle Freiheit“ zu verbringen, sondern mit dem möglichen Frustpotential deiner derzeitigen Arbeit. Und darüber, welche Arbeit dir möglicherweise deutlich mehr Freude machen würde.

 

Nach rund 400 Arbeitsstunden glänzt das alte Stück. War das nun Arbeit – oder doch eher ein Freizeitvergnügen?

Nach rund 400 Arbeitsstunden glänzt das alte Stück. War das nun Arbeit – oder doch eher ein Freizeitvergnügen?

Wie wäre es mit – noch mehr Arbeit?

 

Es gibt in meinen Augen also keinen Grund, die Arbeit zu fürchten oder zu meiden – eher viele Gründe, sich eine Arbeit zu suchen, die wirklich Freude macht.

Warum sonst geht ein Mann, kaum dass er von der Arbeit nach Hause gekommen ist, in seine Garage und werkelt dort an einem alten Motorrad herum? Oder er fährt zu einem Freund, um Stunden über Stunden an dessen Oldtimer zu basteln.

Warum macht er das? Weil es ihm Freude macht. Vermutlich macht es ihm sogar mehr Freude als die Arbeit, der er zuvor 8 Stunden lang nachgegangen ist. Deshalb liegt er nicht auf der Terrasse in der Sonne – sondern arbeitet. Ganz ohne eine Vergütung. Seine Frau arbeitet derweil im Garten – glücklich und zufrieden.

Mehr zu arbeiten ist so gesehen eine gute Strategie, um zufriedener zu werden. Das klappt natürlich nur dann, wenn die zusätzliche Arbeit sehr viel Freude macht, so wie in meinen beiden Beispielen jetzt gerade. Und es ist auch nur dann zu empfehlen, wenn ein Paar sich auf diese Weise nicht aus den Augen verliert. Macht jeder nämlich nur noch seins (er ist immerzu in der Garage, sie nur noch im Garten) dann wird es gefährlich.  Die Zeit miteinander (das Küssen, das Reden, das Aneinanderkuscheln) kommt zu kurz. Gefährlich.

Mehr arbeiten – manche Experten, wie etwa der bekannte amerikanische Psychologieprofessor Adam Grant empfehlen das sogar als Mittel, um einem Burnout vorzubeugen. Der entsteht nämlich nicht aufgrund der hohen Arbeitszeiten, sondern aufgrund der psychischen Belastungen, die eine Arbeit mit zu wenig Erfolgserlebnissen, zu wenig Abwechslung und zu wenig Anerkennung mit sich bringt.

 

Bist du zufrieden mit deiner Arbeit?

 

Erfolgserlebnisse, Abwechslung und Anerkennung – diese drei Momente sind zentral, wenn wir zufrieden sein wollen mit unserer Arbeit. Von der Selbstbestimmung und der Kreativität, zwei weiteren hilfreichen Punkten, war vorhin schon die Rede.

Erfolg, Anerkennung, Selbstbestimmung – bei vielen Menschen ist das zweifellos nicht der Fall. Sie gehen einer Arbeit nach, die ihnen wenig Freude macht. Und sie haben das Gefühl, dass sich daran nichts ändern lässt.

Einer der Gründe für diese Resignation ist die hinter uns liegend Wirtschaft- und Finanzkrise. Rezessionen führen dazu, dass Menschen auf Arbeitsplätzen verbleiben, auf denen sie sich nicht mehr wohl fühlen. Die Bereitschaft den Job zu wechseln nimmt in und nach Krisen nämlich stark ab. Schade.

 

Was du tun kannst

 

Wenn du den starken Wunsch nach „finanzieller Freiheit“ verspürst, dann frage dich bitte: Stimmt etwas nicht mit meinem Job? Kann ich etwas an meiner beruflichen Situation verändern, damit ich die Arbeit nicht mehr als ein lästiges Übel empfinde?

Hilfreich ist auch folgende Frage. Was würdest du gerne tun, wenn sich morgen herausstellen würde, dass ein entfernter Onkel dir 2 Millionen Euro vermacht hat? Welche Pläne hättest du dann für dein Leben?

Das muss dich nicht davon abhalten, dein Geld in Aktien oder in ETFs anzulegen und auf diese Weise finanziell unabhängig zu werden oder für die Rente vorzusorgen. Aber du wirst möglicherweise keine Wunderdinge mehr von der „finanziellen Freiheit“ erwarten. Eine gute Arbeit die dir Freude macht ist wichtiger.

 

Mehr zum Lesen

 

Holgers Text zur Idee der finanziellen Freiheit findest du hier.

Meinen Blog-Beitrag „Warum ich so gerne arbeite“ kannst du hier lesen.

 

Eine neue Studie

 

Eine neue Studie der London School of Economics zur Frage, was im Beruf zufrieden macht (und was nicht) haben zuletzt verschiedene Medien aufgegriffen. Du findest den Text der Zeitschrift Stern hier. Und den der FAZ hier.

 

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Adam Grant: Geben und Nehmen

 

Von Adam Grant gibt es das spannende Buch „Geben und Nehmen“ in dem er unter anderem zeigt, dass mehr zu arbeiten eine hilfreiche Strategie sein kann, um zufriedener zu werden.

 

Die Glücksforschung

 

Für eine erst Begegnung mit dem Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi, empfehle ich sein Buch „Lebe gut!“. Das gibt es gebraucht bei Amazon zu kaufen.

Einen TED-Talk, in dem Mihály Csíkszentmihályi sein bekannt gewordenes Konzept des Flow vorstellt, findest du hier.

 

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9 Kommentare

  1. Umberto

    Vor 3 Jahren habe ich meine Tätigkeit in der Gastronomie beendet.Mit 50 kann ich nun neue Sportarten entdecken,den Sommer geniessen ….Also meine Arbeit fehlt mir wirklich nicht! !Man muss aber auch eine Beschäftigung (Hobby) finden,mit der man den Tag gestalten kann.Nur vor dem Computer sitzen und Börsenkurse anschauen da kann man schon schnell Depressiv werden.
    Manchmal sitze ich in einem Café und schaue mir die gestressten Kellner und Köche an.Dann denke ich nur wie gut ich das nicht mehr machen muss und gebe ein dickes Trinkgeld!!
    Grüsse aus der Schweiz

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  2. Kleiner Hai

    Hallo Christian,

    ich habe das Gefühl, Du bist an der einen oder anderen Stelle vielleicht ein bisschen übers Ziel hinaus geschossen („Wenn du den starken Wunsch nach „finanzieller Freiheit“ verspürst, dann frage dich bitte: Stimmt etwas nicht mit meinem Job?“). Das klingt schon fast ein bisschen böse.

    Im Grunde sind wir glaube ich gar nicht soweit weg von einander. Man muss nur sauber unterscheiden zwischen finanzieller Freiheit und früher Rente.

    Meine Gedanken dazu habe ich hier formuliert:
    https://www.kleiner-hai.de/2017/07/finanzielle-freiheit-und-lebenskrisen/

    Viele Grüße vom
    Kleinen Hai

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  3. Mark85

    Beschäftigung braucht natürlich jeder Mensch, wenn er nicht innerlich verkümmern möchte, aber muss dies immer Erwerbsarbeit sein? Natürlich tickt jeder Mensch anders, aber ich wollte in erster Linie finanziell unabhängig werden, um keiner Erwerbsarbeit mehr nachgehen zu müssen. Sollte ich irgendwann wieder Lust auf klassische Arbeit bekommen, würde ich mir ein Ehrenamt suchen.

    Ich streite nicht ab, dass unfreiwillige Arbeitslosigkeit sich vermehrt auf das persönliche Wohlbefinden niederschlägt, aber gilt dies auch für freiwillige? In diesem Fall weiß man schließlich seine vermehrte Freizeit gut für sich zu nutzen. Langeweile und Unterforderung kommen in mir nur ganz selten auf. Dafür habe ich zu viele Hobbys.

    Was mir immer wieder auffällt: Während nicht wenige Menschen ständig unter Strom zu stehen scheinen und gestresst bis leicht genervt auf mich wirken, stört es mich überhaupt nicht, wenn ich in Alltagssituationen mal etwas länger auf etwas warten oder für etwas anstehen muss. Ich möchte auf keinen Fall den Berufspendlern angehören, die hier werktäglich jeden Abend in Sichtweite meines Wohnhauses wie eine Horde Usain Bolts im 20-Minuten-Takt aus dem Bahnhof herausgeströmt kommt.

    Ich bezweifle deshalb stark, dass ein Leben im klassischen Hamsterrad nicht nur zufrieden macht, sondern sogar gesundheitsfördernd sein soll. Entschleunigung und Selbstachtsamkeit dagegen schon: Je weniger finanzielle und somit auch zeitliche Verpflichtungen man sich auf der einen Seite auferlegt und je mehr Finanzpuffer man sich auf der anderen Seite zulegt, desto entspannter kann man durchs Leben gehen und es viel mehr genießen. Hiervon bin ich überzeugt.

    Deshalb möchte ich jeden dazu ermuntern, nicht am Monsterziel der kompletten finanziellen Unabhängigkeit zu verzweifeln und deshalb von vornherein den Kopf in den Sand zu stecken, weil sich Unabhängigkeiten schon viel früher einstellen und positiv im Alltag bemerkbar machen werden. Dieser fließende Prozess fängt bereits mit der Schuldenfreiheit an: Im Gegensatz zu einem Schuldner wird man viel beruhigter einschlafen können. Der nächste Schritt könnte dann der Aufbau einer kleinen und später einer größeren Notreserve sein: Im Gegensatz zu Menschen ohne oder mit unzureichender Notreserve wird man bei unvorhersehbaren Ereignissen nicht sofort ins Schwitzen kommen und sich möglicherweise sogar verschulden müssen. 🙂

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  4. Nico

    Moin Moin,

    eine Frage hätte ich schon. Gibt es den Finanzblogs auf dem angepriesen wird in der finanziellen Freiheit die Beine hochzulegen oder den ganzen Tag Golf zu spielen? Mit kommt jetzt keiner in den Sinn (habe aber vielleicht auch etwas übersehen). Wenn das so ist, dann bin ich ganz bei Dir.

    Der gängige Ton ist aber eher, sich dann mit Dingen zu beschäftigen (= arbeiten?), die einem Erfüllung bereiten OHNE auf das Geld schauen zu müssen. Ganz konkret: Ich finde es erfüllend Nasenbären zu züchten. Leider kommt dabei finanziell nix rum. Egal, ich gehe all-in, kündige meinen Job um meine Erfüllung zu finden. Die Züchtung macht mich happy, aber da ich die Miete nicht mehr zahlen kann, lässt sich meine Frau scheiden und zieht mit den Kindern weg. Auch nicht ganz einfach. Meinen Job kündigen, um meine Erfüllung zu finden, hat mich letztendlich ins Unglück gestürzt.

    Das ist jetzt etwas übertrieben dargestellt, trifft aber den Kern. Das ganz „finde Deine Erfüllung, dann brauchst Du nie wieder zu arbeiten“ (oder so ähnlich) klingt erst mal gut, zielt aber leider oft an der Realität vorbei.

    Das finanzielle Freiheit die Lösung für alle Probleme wäre ist Quatsch. Genauso aber auch die Annahme, dass man einfach sein Hobby zum Beruf macht und damit sein Glück findet. Die Realität ist – leider! – komplexer.

    VG, nico

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Hallo Nico,
      die beste Antwort auf die Frage „Wie erreiche ich meine Lebensträume?“ die ich kenne, gibt Barbara Sher in ihrem TED-Talk „Isolation is the dream-killer, not your attitude“:
      https://www.youtube.com/watch?v=H2rG4Dg6xyI
      Ganz spannender Ansatz, finde ich.
      Schöne Grüße aus Berlin
      Christian

      Antworten
      1. Nico

        Moin Christian,

        den Ted talk werde ich mir mal anschauen, kenne ich bisher noch nicht. Ich bin übrigens nächste Woche Freitag in Berlin – habe vormittags Termine und könnte am Nachmittag auf ein Käffchen vorbeischauen wenn Du Zeit und Lust hast.

        VG, Nico

        Antworten
        1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

          Aber klar. Gerne.
          Schöne Grüße aus Berlin
          Christian

          Antworten
  5. Martin B.

    Die wöchentlich neuen Blogs sind ja wahrlich nicht zu übersehen. Finanzblogroll und Finanzblognews sind ja auch voll davon.
    Mehr und mehr merkt man aber, dass viele nur auf den Zug aufspringen und ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Die gerne als Nischenseite gepriesene Strategie sich ein Eckchen zu suchen das Aufmerksamkeit verspricht, reichlich mehr oder weniger gehaltvolle Artikel rauszuhauen und versuchen möglichst viele Monetarisierungsstrategien einzubauen. Denke da müssen wir nur abwarten und die Blogwelt bereinigt sich von selbst – würde mich nicht wundern wenn am Ende hauptsächlich die alten Hasen übrig bleiben die einfach nur ihre Erkenntnisse mitteilen wollen und dies auch vor dem Hype schon getan haben…

    Gut, ich habe das Glück, dass ich mein Hobby (Computer) zum Beruf machen konnte. Sicherlich nervt der Job trotzdem manchmal (gibt es wohl immer), aber im großen und ganzen bin ich damit zufrieden und manchmal kommt es mir gar so vor wie ein großer Abenteuerspielplatz. 🙂
    Wenn ich an vorübergehende Zeiten der Arbeitslosigkeit zurück denke, dann muss ich aber auch sagen, dass das erst mal wie Urlaub super ist, sich bei mir aber nach ca. einem Monat eher öde angefühlt hat.
    Will ich nun möglichst früh zu arbeiten auf hören? Nein. Aber ggfls. ein paar Jährchen eher in den Ruhestand zu können, oder die Arbeitszeit einfach nur zu reduzieren (z.B. 4-Tage Woche) klingt dann doch ziemlich verlockend. Und jede finanzielle Reserve (auch wenn sie nicht zur finanziellen Freiheit reicht) wirkt doch recht beruhigend und hilft gelassener in die Zukunft blicken zu können.

    Manchen Bloggern fällt es denke ich auch einfach nicht auf, dass sie dabei sind einen konventionellen Job gegen andere auszutauschen. Beispiele: Bloggen (frisst auch Zeit, auch wenn es als Hobby umdeklariert wird), andere Einkommensquellen erschließen (Bücher, Youtube und Co), Extremsparen (Minimalisten) oder private Buchführung (Haushaltsbuch).

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  6. M. Lehmberg

    Hallo!

    Toller Artikel! Vielleicht passt das Wort „Beschäftigung“ besser als das Wort „Arbeit“.

    Antworten

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