Willst du wirklich reich werden? Eine Begegnung mit der Verlustangst.

Viele Menschen sagen, dass sie gerne mit Aktien reich werden wollen. Ich glaube das nicht. Mein Unglaube hängt mit der Volatilität des Aktienmarktes zusammen. Und mit der Angst der Menschen vor Verlusten, der Verlustangst.

Bei einer Korrektur an den Märkten um 35 Prozent (wie vor einem Jahr), verlierst du bei einem Depot im Umfang von 10.000 Euro 3.500 Euro. Das ist schmerzhaft, vor allem wenn du daran denkst, wie hart du für dein Geld arbeiten musstest und wie schwer es war, es nicht auszugeben. Und nun verschwindet es einfach so (für einige Wochen bzw. Monate). Auf der anderen Seite ist 3.500 Euro ein sehr überschaubarer Betrag. Ihn wieder reinzuholen, zum Beispiel durch sparen, ist einfach.

 

Und bei höheren Beträgen?

 

Nur mal angenommen, du hast ein Depot im Umfang von 100.000 Euro. Jetzt sind im Verlauf der Corona-Korrektur schon 35.000 Euro verschwunden. Für einige Tage, Wochen oder Monate. Das fühlt sich schon deutlich schlimmer an. 35.000 Euro, das ist sehr viel Geld, wenn du ein Durchschnittsverdiener bist, der im Monat möglicherweise nur 300 Euro zur Seite legen kann. Falls der Markt sich nicht erholt, musst du fast zehn Jahre lang sparen, um diesen Betrag wieder anzusparen.

Noch einmal ganz anders ist deine Lage, wenn du reich bist. Wer eine Mio. Euro im Depot hatte, der hatte im letzten Jahr mit einem ‚Verlust’ von 350.000 Euro zu tun gehabt.

 

 

Wer damals nicht die Nerven verloren hat, dem konnte dieser ‚Verlust’ nichts anhaben. Im Chart des S&P 500 siehst du, dass du schon im August wieder im Besitz der vollen Million warst – und dann steigt der Index noch deutlich weiter. Am Jahresende waren aus deiner Million vom Jahresanfang schon 1,1 Mio. Euro geworden. Wer die Schwankungen der Kurse ausgehalten hatte, der wurde also reichlich belohnt.

Derzeit, Ende Mai 2021, beträgt der Depotwert sogar schon 1,25 Mio. Euro. Die Folge: Kommt jetzt eine erneute Korrektur von 35%, dann beträgt der Abschlag nicht mehr 350.000 Euro – sondern schon 437.000 Euro. Diese Schwankungen auszuhalten und durchzustehen, das ist der Preis für den Erfolg an der Börse. Und dieser Preis wird höher, je größer das Depot wird.

 

 

Der Mann der an einem Tag eine Milliarde Dollar verliert

 

Aktiengewinne sind nur mit den mit ihnen einhergehenden Schwankungen zu haben. Punkt. Und die sind (emotional) immer schwerer zu verkraften, je größer das Depot wird. Warren Buffett, dem reichsten Investoren der Welt, wird das vermutlich nicht mehr so ergehen. Er wird an einem Tag um eine Milliarde Dollar reicher – und am nächsten um eine Milliarde Dollar ärmer. Er hat in seinem Leben schon mehrfach die Hälfte seines Vermögens ‚verloren’ und ‚Verluste’ von um die 20 Prozent wird er vermutlich gar nicht mehr zählen können.

Schwer vorstellbar, dass er sich darum überhaupt kümmert. Es ergibt keinen Sinn. Stattdessen macht er das, was er immer macht: Er liest Geschäftsberichte, telefoniert mit seinem Kompagnon Charly Munger und freut sich auf seine Cherry Coke und einen saftigen Hamburger.

 

Reich werden mit schnell wachsenden Aktien

 

Wie schwer sich Menschen tun reich zu werden, das sieht man auch an den besonders schnell wachsenden Aktien im High-Tech Sektor. Wie etwa OKTA, FASTLY oder APPIAN. Viele von ihnen bestehen nur oder vor allem aus einer Software-Lösung. Deshalb werden diese Aktien auch SaaS-Aktien genannt. Software as a Service. Software is eating the world.

Das Problem dabei: Aktien von Unternehmen die sehr schnell expandieren schwanken auch besonders stark. Nehmen wir nur einmal PELOTON. Das Unternehmen produziert auch Hardware (Indoor- Bikes, Laufbänder), generiert aber einen wachsenden Teil seiner Umsätze über ein Abo-Modell für Online-Sportkurse. Kein klassisches SaaS-Unternehmen also, eher so eine Art NETFLIX des Sports.

Im letzten Podcast von grossmutters-sparstrumpf zum Megatrend Sport haben Katharina Dauenhauer und ich länger über dieses Unternehmen gesprochen. Hier kommt der Chart von PELOTON, das im Bereich der Home-Fitness seit Jahren schon sehr erfolgreich ist.

 

 

Mit dieser Aktie konntest du in nur 12 Monaten aus 10.000 Dollar die Summe von 26.680 Dollar machen. Wow. Jeder will reich werden, sollte man denken. Aber das ist falsch.

Den Preis für diesen tollen Gewinn kannst du im Chart oben sehr gut sehen: Von der Spitze im Januar (171 Dollar) bis zum Tief Anfang Mai (80 Dollar), hat die Aktie mal so eben 53 Prozent an Wert verloren.

Mich bringt so ein Abschlag nicht aus der Fassung. Ich rechne bei einem so schnell wachsenden Unternehmen (das in meinen Augen die Chance hat, der wichtigste Profiteur des Online-Sports zu werden) mit solchen Korrekturen.

Auch mich begeistern solche Korrekturen natürlich nicht. Gerade noch machte PELOTON (überschaubare) 1,6% vom Depot aus – nun sind es plötzlich (noch überschaubarere) 0,8%. Ich gehe davon aus, dass sich das bald wieder ändert und PELOTON neue Höchstkurse erreicht.

Und wenn nicht?

Dann habe ich mich geirrt! Und muss mit dem Verlust leben.

 

Was tun mit der Verlustangst?

 

Das Problem dabei: Menschen hassen ‚Verluste’. Sie erleben sie emotional zwei bis drei Mal so stark, wie Gewinne. Im Jahresrückblick 2020 habe ich diese menschliche Eigenschaft und Ihre Folgen für die Aktienanlage ausführlich beschrieben.

53 Prozent an Wert zu verlieren, das ist für eine schnell wachsende Aktie nicht ungewöhnlich. Diese Werte machen immer mal wieder heftige Korrekturen durch. Emotional belaufen sich Verluste von 53 Prozent allerdings auf deutlich höhere Beträge. Wir müssen die Zahl ja noch mit 2-3 multiplizieren. Hier kommt die Rechnung mit dem Faktor von 2,5:

53% x 2,5 = 132,5%

Gefühlt haben Anlegerinnen und Anleger mit der Aktie von PELOTON vom Hoch zum Tief in dreieinhalb Monaten also 132 Prozent verloren. Das ist mehr als ein Totalverlust des eingesetzten Geldes.

 

Beispiel – Apple

 

Mit APPLE habe ich in den vergangenen zehn Jahren schon vier Mal zwischenzeitlich um die 40 Prozent verloren. Gefühlt sind das jedes Mal 100 Prozent Verlust. Ein Totalverlust.

 

 

Trotz dieser zahlreichen Korrekturen der Aktie stehe ich derzeit mit knapp 1.000 Prozent im Plus. Die Position hat sich im Wert in den letzten zehn Jahren fast verzehnfacht. Während der Index selber (S&P 500) ‚nur’ um 232 Prozent zugelegt hat.

 

Die Zukunft ist unbekannt

 

Ein wesentlicher Grund für diese hohe Volatilität von Wachstumsaktien: Die Zukunft ist immer unbekannt. Wir können alles mögliche über die Zukunft von APPLE (oder auch PELOTON) annehmen. Das war schon 2003 und 2004 so, als viele Kommentatoren schrieben, dass APPLE bald keine neuen Käufer für den iPod mehr finden würde.

Das war dann auch 2011 wieder so, als viele glaubten, dass APPLE bald keine neuen Käufer für das iPhone finden würde. Und so weiter und so fort. Die Zukunft ist immer unbekannt. Steigt der Pessimismus über die Zukunft eines Unternehmens, dann fällt sein Kurs. So einfach ist es schon.

Danach folgen (zumindest bei APPLE) bald wieder überzeugende Zahlen. Vollständig überraschend für die Märkte bringt der Konzern auch regelmäßig völlig neue Produkte auf den Markt, die dann für neue Verkaufsrekorde sorgen. Der Kurs steigt erneut. Bis zum nächsten Pessimismus.

 

Was wird die Zukunft bringen?

 

Geht es um die Zukunft, haben wir verschiedene Möglichkeiten, um sie zu beurteilen. Wir können eine Meinung zu ihr haben. Eine Meinung zu haben ist ganz einfach. Die meisten Menschen schaffen das, ohne auch nur ein Prozent der leicht verfügbaren Fakten zur Kenntnis zu nehmen. Keine gute Idee.

Ich bevorzuge einen anderen Weg. Ich will die wichtigsten Fakten kennen. Ich nutze zudem bevorzugt die Quellen, die sich in der Vergangenheit als besonders zuverlässig herausgestellt haben. Bei APPLE sind es fool.com, Caty Huberty von Morgan Stanley und der Apple-Blog above-avalon von Neil Cybart.

Vielleicht ist es dir ja aufgefallen: Ich nutze ausschließlich amerikanische Quellen. Deutsche Börsenmedien und die deutsche Wirtschaftspresse meide ich nahezu komplett. Die Qualität der Texte ist hierzulande viel zu schlecht.

 

Der investment case

 

Am Ende meiner Auseinandersetzung mit den Fakten und den Argumenten steht dann eine begründete Hypothese. Die Amerikaner würden sagen, ein investment case. Mein investment case zu APPLE habe ich schriftlich festgehalten. Das ist der Vorteil eines Blogs.

Schreiben ist die intensivste Form des Denkens. Zu keiner Aktie habe ich so viel geschrieben, wie zu APPLE. Du findest die wichtigsten Fakten und Argumente zu APPLE in zwei Texten („Apple steigt auf 500 Dollar – und wird das neue Procter & Gamble“) hier und hier.

500 Dollar, das sind nach dem Aktiensplit von APPLE aktuell 125 Dollar. Das Unternehmen hat dieses Ziel deutlich schneller erreicht, als von mir erwartet.

Am Ende der Recherche steht eine gut begründete Hypothese wie es weitergeht. Mit APPLE. Oder mit PELOTON. Eine begründete Hypothese zu entwickeln ist viel besser als nur eine Meinung zu haben.

 

Die trailing returns von APPLE – über 15 Jahre gerechnet stehen da 31,52% return. Pro Jahr. Quelle: Morningstar.

 

Wer die begründete Hypothese hatte, dass APPLE seine Umsätze und Gewinne stark steigern würde, der hat in den letzten 10 Jahren einen der größten Sieger im Depot gehabt, den der Aktienmarkt zu bieten hatte.

Wer dagegen der Meinung war, APPLE werde nach dem Tod von Steve Jobs an Schwung verlieren und einen Niedergang erleben (und das waren nicht wenige), der hat sich gründlich getäuscht.

Für die Zukunft hilft mir das alles natürlich gar nichts. Da wird die Aktie von APPLE nur dann ein Erfolg sein, wenn es dem Unternehmen weiterhin gelingt, mehr Umsatz und höhere Gewinne zu erzielen.

 

Apples Verkaufszahlen von Wearables (Apple Watch, AirPods)

 

Wenn ich mir APPLE’s Vorsprung in Sachen Wearables anschaue (hier findest du einen Text dazu auf above avalon), mache ich mir um weitere Erfolge aus Cupertino keine Sorge.

Zusätzlich zu der Datenbrille Apple Glass kann APPLE in den nächsten Jahren auch mit dem Apple Car noch sehr deutlich wachsen. Und Apple Silicon führt derzeit zu einem nie dagewesenen Boom im Bereich der Verkäufe des Mac.

An meinem investment case zu APPLE hat sich also nichts geändert. APPLE war übrigens die Top-Aktie des Monats im letzten Podcast von grossmutters-sparstrumpf.

 

 

Die High-Tech Korrektur

 

Noch ein letztes Beispiel zu der Frage, ob du wirklich reich werden willst. Es gibt sehr unterschiedliche Konzepte, wie man in High-Tech Aktien anlegt. Ich zeige dir jetzt mal den Return von einem dieser Konzepte:

 

 

In einem Jahr hat dieses Konzept von Moritz Drews (Happy Investors Tagebuch), einem der Redaktionsmitglieder der Facebook-Gruppe „Kleine Finanzzeitung“ um 55 Prozent zugelegt. Wow. Möchtest du auch so eine tolle Performance haben? Warte bitte, ehe du dich entscheidest, denn zuvor kommt hier noch ein zweites Konzept. Es ist von Stefan Waldhauser (High-Tech Stock Picking).

 

 

Das sind ‚nur’ rund 29 Prozent. Was wäre dir lieber, 55 Prozent oder 29 Prozent? Das ist eine Fangfrage, das ist dir sicherlich klar. Natürlich wollen wir alle lieber die 55 Prozent haben als die 29 Prozent. Wollen wir dafür aber auch den Preis bezahlen? Der heißt, einmal mehr: Volatilität.

In der Korrektur der (amerikanischen) High-Tech Aktien in den letzten Wochen hat das Konzept von Moritz Drews von der Spitze bis zum Tief um sagenhafte 32% an Wert verloren. Das von Stefan Waldhauser aber nur um 15%. Und auch das ist noch viel, denn der (amerikanische) Gesamtmarkt, gemessen am S&P 500 hat seit Mitte Februar um immerhin 6,6% zugelegt.

Dabei habe ich die Verlustangst von Menschen, die uns Verluste zwei bis drei Mal so stark empfinden lässt wie Gewinne, jetzt noch nicht einmal mit eingerechnet.

 

Mein Fazit

 

Erstens. Niemand muss reich werden wollen. Wir alle dürfen unser Geld unter der Matratze verstecken, es in Bausparverträge stecken oder es der Sparkasse Mittelthüringen für ihren schrecklichen Sparkassenfond in den Rachen schmeißen. Wer aber Geld in Aktien anlegen will, der muss mit der Volatilität der Märkte leben. Wer sein Geld in High-Tech-Aktien anlegt, der muss mit einer erhöhten Volatilität leben.

Zweitens. Mit Aktien reich zu werden, das ist richtig schwer. Das ist auch so, wenn du nicht in Einzelaktien anlegst, sondern nur einfach einen monatlichen Sparplan anlegst. Zum Beispiel einen über 1.800 Euro. Der Finanzwesir weist auch gerne auf die Hürden hin, vor die uns das Reichwerden bei einer Aktienanlage stellt. In einer Grafik zeigt er, dass eine Anlegerin mit einem Sparplan in der Höhe von 1.800 Euro nach fünfzehn Jahren mit Einbrüchen von 150.000 bis 200.000 Euro klarkommen muss.

 

 

Drittens. Mir selber reichen 10-15 Prozent High-Tech Aktien im Depot . Damit werde ich mit Sicherheit viel langsamer reich als Moritz Drews. Aber ich schlafe ruhiger. Wie heißt das Motto von grossmutters-sparstrumpf? Langsam reich werden – und gelassen in Rente gehen.

 

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20 Kommentare

  1. Stefan

    Vielen Dank für deine tollen Beiträge! Ich kenne kaum ein Blog (evt noch den von Michael Kissig, intelligent investieren) der einen deraritigen Mehrwert liefert.

    Ich selbst beschäftige mich seit über 25 Jahren mit der Börse und habe bei dir noch einiges gelernt!

    Interessant oder besser gesagt verwirrend finde ich auch: wenn man so die Gurus beobachtet dann findet man quasi immer gegensätzliche Entscheidungen. Beispiel: Stanley Druckenmiller (Top-Investor dessen Trackrecord seines gleichen sucht) verkauft Alibaba, Munger kauft sich richtig groß ein. Palantir von Soros verkauft, von etlichen Gurus gekauft. Letzlich bringen diese Gurus dann nichts. Nur als Inspiration um auf gewisse Aktien erst mal zu stoßen…

    Stefan

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Danke Stefan. Ich selber lese nur auf zwei Blogs regelmäßig, dem vom finanzwesir und dem von Michael Kissig.
      Gurus zu folgen ist kein Allheilmittel. Sie alle haben einen bestimmten Anlagestil. Ich selber bin über die Jahre immer vorsichtiger geworden – und warne gerne vor ALIBABA.
      Ich nutze die Gurus um zu verstehen, warum sie was machen. Und dann denke ich selber nach. Selber nachdenken, das ist wirklich anstrengend. Das Schreiben hilft mir zum Glück dabei.
      Schöne Grüße aus Berlin
      Christian

      Antworten
  2. Marco

    Eine Frage: Angenommen, du hättest um die 700.000 Euro Cash auf dem Bankkonto, eine abbezahlte Eigentumswohnung, eine Nettorente von 3000 Euro monatlich, wärest 70 Jahre alt und hättest keine Erben.
    Würdest du dich während deiner restlichen Lebenszeit noch auf die Lernkurve Börse begeben, dich mit Aktien vergnügen/ärgern oder würdest du einfach das Geld ausgeben und das Leben genießen?

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Ganz schwierige Frage. Also erstens: Ich habe mit dem Thema Aktien nur angefangen, weil ich keine 3.000 Euro Rente habe, sondern gerne 3.000 Euro Rente hätte.
      Zweitens: Mittlerweile macht es mir so viel Spaß, dass ich nur sehr ungern darauf verzichten würde.
      Meine Vermutung: Ich würde mit 200.000 Euro im Markt sein. Mehr nicht.

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  3. Andreas

    Selbst Milliardäre mit einem Team von Mitarbeitern hoher Kompetenz, modernster Technik und Zugang zu bestem Research haben bei Apple zu früh desinvestiert (Carl Icahn – no brainer) oder erst spät investiert (Warren Buffett).

    Wie soll ein privater Investor hier bessere Ergebnisse erzielen jenseits von Zufallstreffern?

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Mich wundern die Fehler der Großen auch immer wieder. Ich kann und muss sie nicht erklären.
      Aber ich kann es anders machen. Wer keine fundierte Investmentthese hat, der ist in der Tat auf Zufallstreffer angewiesen.

      Antworten
      1. Stockpicker

        Was wäre eine fundierte Investmentthese beispielsweise im Falle von Daimler die es vor einem Jahr um EUR 25,00 gab, was die damaligen Verkäufer heute nur bereuen können? Oder Siemens, die sich in einem Monat (!) auf EUR 60,00 Mitte März 2020 halbierten? Ähnliche Beispiele lassen sich viele finden …

        Antworten
        1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

          Klingt nicht nach Investieren was du mir da vorschlägst.
          Ich habe eine klare Verkaufsempfehlung für DAIMLER. Hat sich sehr bewährt: https://grossmutters-sparstrumpf.de/warum-du-die-aktie-von-daimler-verkaufen-solltest/
          Die Aktie ist und bleibt ein Fall für alle die gerne traden – und ist langfristig ein klarer Verlierer, auch inklusive Dividende, wie sich an den trailing returns auf Morningstar ganz einfach herausfinden lässt.

          Antworten
  4. Jan Ortmann

    Vielen Dank für den Artikel, anbei ein par Anmerkungen:
    * Performance des Wikis vom Moritz Drews herausragend, aber aus meiner Sicht noch ein zu kurzer Anlagezeitraum, um den langfristigen Erfolg beurteilen zu können. Für kurze Zeiträume gibt es immer Investoren, die eine deutliche Outperformance aufweisen können. Langfristig meistens dann nicht durchzuhalten. (Habe ich die Statistik dazu bei Gerd Kommer gelesen? Weiß ich nicht mehr?)
    * (Annahmen über) Das Wachstum sollte in den Kursen von Unternehmen eingepreist sein. Eine Outperformance kann sich doch eigentlich nur ergeben, wenn das Wachstum deutlich höher ausfällt als erwartet oder über einen längeren Zeitraum als erwartet auf einem sehr hohem Niveau bleibt. Denke bei Apple, Facebook, Alphabet, Amazon , Mastercard etc . hat sich lange Zeit keiner vorstellen können, in welche Dimensionen diese Unternehmen reinwachsen können. Beispiel Amazon: Wer hat vorhersehen können, dass AWS zur Cashcow wird. Beispiel Apple: Wer hat das Geschäft mit Watch, Airpods, Services vorhergesehen …
    Gerade zu letzterem Punkt würde mich Deine Meinung, Christian, sehr interessieren.

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Ich habe es vorhergesehen. Ja. Das dürfte dir klar sein, wenn du die beiden Texte liest, die ich zu APPLE verlinkt habe. Aber „vorhergesehen“ ist natürlich ein zu starkes Wort, denn es bedeutet ja, das wir es wissen. Und das ist unmöglich.
      Es war meine Investmentthese zu APPLE, das sie all die consumer devices auf den Mark bringen werden, von denen die Fans träumen und von den APPLE stets hoffte, dass MICROSOFT außerstande sein würde, sie in ansprechender Form und mit einer vernünftigen Software auf den Markt zu bringen.
      Was ist Realität geworden? Nicht nur MICROSOFT, sondern auch GOOGLE und in meinen Augen auch FACEBOOK sind mit Hardware gnadenlos gescheitert. Und zumindest GOOGLE wird mit dem Kauf von FITBIT auch in Zukunft weiterhin gnadenlos scheitern. Wie schon mit MOTOROLA. Wie auch mit den Pixel Phones, die keiner kauft.
      APPLE ist die unangefochtene Macht der Ultra-Miniaturisierung des Computers. Das war schon beim iPod so und hat sich über iPhone, iPad und Apple Watch so fortgesetzt. Das kann noch auf viele Jahre so bleiben. Alleine mit einem Apple Car kann APPLE seinen Free Cash Flow um bis zu 50 Prozent steigern. Kann. Nicht muss.
      Zur Frage der Zeiten die man erfolgreich sein sollte: Moritz ist das (erst) seit zwei Jahren. Das macht seine Anlagestrategie nicht besser und nicht schlechter als andere die es länger gibt. Es macht sie (in meinen Augen) bemerkenswert. Ich schaue mir seine Anlageentscheidungen gerne an. Und ich erfahre gerne die Gründe für seine Entscheidungen. So mache ich es auch bei Stefan Waldhauser. Und dann entscheide ich selber. Denn anders als die beiden verkaufe ich nur sehr ungern.
      Ich schlage jetzt seit 8 1/2 Jahren den Index. Das ist in den Modellen von Gerd Kommer so nicht vorgesehen. Oder es wird als ein reiner Zufall angesehen. Damit macht es sich Gerd Kommer (in meinen Augen) zu leicht. Ich habe sehr viel zu Overperformance gelesen und meine Quintessenz lautet: Sie ist möglich. Aber sie ist in der Tat sehr selten.
      Jeder Kauf einer Aktie ist eine Aussage über die Zukunft. Kann ich die Zukunft sehr gut voraussehen, dann ist es einfach, den Index zu schlagen. Wer in den letzten zehn Jahren nicht in AMAZON, FACEBOOK, APPLE, MASTERCARD, STARBUCKS, NETFLIX und NIKE investiert war, der macht in meinen Augen etwas falsch. Er versteht die Zukunft in die wir uns bewegen nicht. Und deshalb sollte er (sie) das Geld lieber in einen ETF anlegen.

      Antworten
  5. Sebastian

    Hallo Christian, danke für den Beitrag!
    Mir persönlich fällt es leichter Rückgänge im Depot auszuhalten, wenn auch breite Indezes (SP500 oder NASDAQ) parallel dazu zurückgehen. Da Aktienindezes grundsätzlich nicht auf „0“ gehen und sich langfristig immer wieder erholen, sollte das mein Depot ebenfalls tun. Schwieriger wird es für mich, wenn der Markt steigt und mein Depot fällt. In diesem Fall versuche ich die Gründe dafür zu finden – und sie abzustellen. Und wenn keine Gründe ersichtlich sind und die Anlagehypothese noch intakt ist, heißt es abwarten und mental damit klarkommen.

    Prinzipiell hilfreich finde ich auch den Blick auf Profis wie Fonds-Manager oder Family Offices zu werfen: Die meisten versuchen gar nicht erst rechtzeitig auszusteigen und im Tief wieder einzusteigen. Vielmehr rebalancen sie Ihr Portfolio quartalsweise und bringen es wieder in eine optimale Allokation (z.B. Aktien, Anleihen) – und nur wenn ein fundamental stärkeres Asset oder grundsätzlich neue Rahmenbedingungen (Zinsänderungen) auftauchen, kommt es mal zu einer Rotation. Wie man mit Rückgängen möglichst professionell und rational umgehen kann, habe ich auch in meinem Blog beschrieben:
    https://www.McGeld.de/2021/06/01/12-Punkte-gegen-die-Boersen-Angst/

    Ich denke das mentale Problem mit hohen absoluten Einbrüchen ist , dass man sich insgeheim ausmalt wieviele Jahre man für diese Summe als Angestellter arbeiten und sparen müsste. Und das ist nicht nur frustrierend und erschreckend, sondern lässt einen gerne irrational handeln. Deshalb ist es gut, wenn man sein Portfolio ein Stück weit absichert, sich mental auf Rückgänge vorbereitet und sich vorab Strategien zurechtlegt, wie man im Falle einer Korrektur oder Crashs handeln wird.

    Antworten
  6. Dagoberts Nichte

    Ehrlicherweise fällt es mir immer leichter, mit Korrekturen umzugehen, je größer mein Depot ist. Denn selbst wenn es um 50% fallen würde, habe ich immer noch viel Geld und somit für alle kleinen und großen Katastrophen des Lebens schon recht gut abgesichert (auch wenn es bis zu FIRE noch ca. 15 Jahre hin ist). Du hast es ja selbst geschrieben: Warren Buffet stört eine 10% Korrektur sicherlich nicht mehr wirklich, auch wenn es sich um Millionen handelt.
    Viele Grüße
    Jenni

    Antworten
  7. Uwe Dörnhöfer

    Danke. Man kann es nicht oft genug lesen, um es wirklich zu verinnerlichen!

    Antworten
  8. Dodo

    Stefan Waldhauser hat einen Top Durchschnitt inklusive 2018. Moritz‘ Rendite läuft erst seit Mai 2019, da waren die Märkte freundlicher. Seine 12 Monatsperformance ist spitze keine Frage. Danke für die tollen Lese Tipps zu Apple. Ich lese aktuell Beate Sander, sie hat eine Liste entwickelt, auf der man dokumentiert, warum man eine Aktie kauft. Es fließen etliche Größen ein. Also — so wie du auch – gut begründen, warum Frau ihr Geld in ein bestimmtes Unternehmen steckt.

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Stefan hat die längere belegte Performance. Moritz hat (auch im Zweijahresschnitt) die deutlich höhere (41 Prozent – gegenüber 26 für Stefan). Das liegt zum einen an seiner Auswahl. Und zum anderen daran, dass Moritz immer zu 100 Prozent investiert ist. Der Nachteil liegt auf der Hand: die Volatilität ist bei Moritz sehr hoch.
      Den Hinweis, dass die Märkte ab 2019 freundlicher waren, kann ich so nicht stehen lassen. Ich habe die Kollektor der High-Growth Aktien seit Sommer 2019 ja auch voll mit abbekommen. So wie Moritz. Die war erst im Dezember zu Ende. Trotzdem liegt seine Strategie klar vorne.
      Ich persönlich schaue immer wieder sowohl bei Stefan als auch bei Moritz rein, wenn ich mich zu High-Tech Aktien informieren will. Beide verkaufen mir allerdings viel zu häufig ihre Positionen. Das ist so nicht meine Sache. Jeder und jede muss da den eigenen Weg finden.

      Antworten
  9. Thomas

    Christian, Danke. Leider braucht der Mensch Jahre bis Jahrzehnte, um mit diesen Schwankungen, gelassen, leben zu lernen. Nur ganz wenige schaffen es, vor oder im Abschwung zu verkaufen und dann, z.B. auf dem weiteren Weg nach unten, wieder einzusteigen. Wenn noch kein Boden erkennbar ist. Die meisten warten ab und schon ist es vorbei, mit der Performance.

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Die Forschung kommt zu dem Ergebnis, dass es am besten ist, einfach nur alle 18 Monate in das Depot zu schauen. Mir scheint das auch eine gute Lösung zu sein. Leider schauen heute viele jeden Tag mit ihrem Smartphone rein. Oder mehrfach am Tag. Ganz schlecht. Und schadet deshalb der Performance.

      Antworten
      1. Hans

        Mit welchem Index per ETF bzw. Portfoliozusammenstellung sollte dies möglich sein?

        Wie man sich selbst mit Durchklicken der Charts von Einzelwerten verdeutlichen kann gibt es nur wenig Einzelwerte bei denen es sich lohnt diese trotz Rücksetzer jahrelang zu halten.

        Beim amerikanischen Nasdaq 100 – Index hätte sich „kaufen und halten“ ab 2009 tatsächlich gelohnt mit bisher 20% p.a. Rendite.

        Leider gab es in Jahren hierzu nirgendwo den hilfreichen „Tipp“ – nicht einmal in kostenpflichtigen Anlegermagazinen oder Börsenbriefen. Anstatt dessen dort und anderswo seitenweise der übliche Nonsens der zudem in der Rückschau zu einem überwiegenden Teil unzutreffend ist.

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        1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

          Ich empfehle gerne meine Portfolio-Zusammenstellung als Anhaltspunkt. Jeder kann (über das wiki Global Champions) da hineinschauen.
          Seit dem Start habe ich nur wenige Werte jemals verkauft. Allerdings schichte ich manchmal um – hin zu Aktien, die mir für die Zukunft sehr aussichtsreich aussehen.
          Keine Frage: Ich kann mich irren. Bisher kommt ich auf rund 20 Prozent pro Jahr (im wiki aufgrund der Kosten: 17,4%) – das MSCI World in der Zeit auf 11,5%.
          Und wem das mit den Einzelwerten zu umständlich ist, der kauft den Gesamtmarkt.

          Antworten
  10. Huberta Blanka

    Danke…Wieder ermutigend

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