Warum ein Jahreschart oder ein Langfristchart für dein Depot so hilfreich ist

Ich liebe mein wiki „Global Champions“. Natürlich bin ich auch von der Performance begeistert die es hat – aber die hat mein persönliches Depot ja auch. Trotzdem habe ich festgestellt, dass ich mein Depot nur ganz selten anschaue. Stattdessen bin ich viel lieber auf dem wiki und schaue dort, was die „besten Aktien“ machen.

Warum ist das so?

Es liegt an einer Funktion, die alleine für sich schon ein guter Grund ist, dass jeder, aber wirklich absolut jeder von euch so ein wiki anlegen sollte. Oder einen anderen Anbieter suchen sollte, der ihm diesen Service bietet. Oder eine Bank, die das tut! Es liegt an dem Langfrist- oder Jahreschart.

Womit ich beim größten Vorteil bin, den ein wiki ganz praktisch für mich hat. Immer wenn die Märkte ein wenig nach unten gehen, dann mache ich folgendes: Erst schaue ich mir den Tageschart an. Ganz ehrlich: Das war auch für mich gestern kein Spaß. Hier kommt der Chart:

 

 

Der Tagesverlust betrug stolze 1,4 Prozent. Das wiki entspricht in seiner Zusammensetzung weitgehend auch meinem eigenen Depot. Verliert das wiki 1,4 Prozent, verliert mein Depot etwa den gleichen Anteil.

Viel Anlegerinnen und Anleger nutzen für einen Blick auf ihr Depot eine Börsenapp, die ihnen die Gewinne und Verluste des Tages anzeigt. Die Gewinne sind dann in grünen Zahlen zu sehen. Die Verluste dagegen in rot. Alarm!

Ich rate ab. An Tagen wie gestern will jeder der so eine App benutzt am liebsten sofort alles verkaufen, was er im Depot hat. Ich kann das verstehen. Diese schrecklich vielen roten Zahlen! Sie machen Angst.

Der Tag gestern, das war für mich der größte Verlust seit Wochen. Wie vielen Wochen? Keine Ahnung, man gewöhnt sich schnell an steigende Kurs. Ich vermute, ich habe seit dem März keinen so großen Tagesverlust mehr gehabt wie gestern. Genauer weiß ich es nicht. Dafür müsste ich auf den Jahreschart schauen.

1,4 Prozent Verlust – na gut, auch solche Tage muss es an der Börse gehen. Ich schau mir dann oft noch den Wochenchart und den Monatschart an. Schon beim Monatschart ist der Blick zurück derzeit recht entspannt:

 

 

Hier ist gut zu sehen, wie groß die Abschläge gestern in zeitlicher Hinsicht ausgefallen sind. Ich achte bei beim wiki immer darauf, um wie viele Wochen oder Monate die Marktbewegung mich zurückwirft. Das waren gestern nur drei Wochen. Mehr nicht. Die Gewinne der letzten drei Wochen sind verschwunden. Ist das ein Grund, auch nur eine einzige Aktie zu verkaufen? Natürlich nicht.

Kommen wir zum Jahreschart. Den Blick auf die letzten 12 Monate habe ich gestern zum Ende des Handels an der New Yorker Börse in der Börsengruppe „Kleine Finanzzeitung“ gepostet. Auch dort gab es einige Anlegerinnen und Anleger, die Angst hatten. Einer kündigte gar gleich den kommenden Crash an. Na ja.

Angst ist kein guter Ratgeber. Schauen wir also lieber auf die Fakten. Werfen wir also einen Blick auf den Jahreschart:

 

 

Nun wird das Bild klarer. Seit einem Jahr steigen die Kurse, unterbrochen nur von zwei stärkeren Abwärtsbewegungen im Februar und im April. Etwas unruhiger – an der Börse sagt man dazu volatiler – wurde es dann noch einmal im Juli. Da also habe ich das letzte Mal Volatilität zu spüren bekommen. Vor rund 5 Wochen. Und dann ging es nur noch nach oben.

Sehr ihr, wie klein der Haken recht oben ist, da wo gestern die Kurse etwas nachgegeben haben? Nein, das ist kein Crash. Das ist auch keine Korrektur an den Märkten. Das ist Volatilität. Sie hat uns durch große Teile des Jahres begleitet. In den letzten Wochen war sie verschwunden – und nun ist sie wieder da. Das ist schon alles.

 

Die Performance des Depots

 

Oberhalb des Charts kannst du auch die Performance des Depots/wikis sehen. Meine „Global Champions“ haben sich ziemlich gut geschlagen. Noch vor ein paar Tagen stand dort sogar eine deutlich größere Zahl:

Das sah vielleicht cool aus! Jetzt sind es immer noch 37,5 Prozent. Auch nicht schlecht. Das wird aber nicht so bleiben – der Wert wird weiter sinken. Das ist nur deshalb so viel, weil es im letzten Jahr um diese Zeit an den Märkten eine Delle gab. Die Kurse gaben merklich nach. Diese Delle im letzten Jahr traf in den letzten Tagen auf die stark gestiegenen Kurse aus diesem Jahr. Nur deshalb war der Gewinn für 12 Monate so schmeichelhaft (und ist es mit 37,5 Prozent ja immer noch).

Ich gehe davon aus, dass bis zum Jahresende eine sehr solide Zahl für 2018 dort stehen wird: 30 Prozent. Um die zu erreichen, muss das wiki allerdings auf einen Punktestand von 162,5 steigen. Schauen wir mal, ob es klappt. Auch wenn es nicht klappt, habe ich wieder einmal – den Index geschlagen!

 

Was folgt auf eine Performance von 30 Prozent?

 

Weiß du was die wahrscheinlichste Folge ist, wenn ein gut diversifiziertes Depot wie meines um 30 Prozent in einem Jahr nach oben zieht?

Die Antwort lautet: Die wahrscheinlichste Folge ist ein Jahr mit einer schwarzen Null. So ist es mir schon einmal in 2016 passiert, nach den fantastischen Zahlen in 2015. Und damit du auch das sehen kannst, folgt jetzt noch der Chart, der die ganze Zeit von Januar 2016 bis heute zeigt.

 

 

Erst im November 2016 hat sich die Performance des wikis von der 100-Prozent-Linie gelöst. Erst dann stand es also im Plus. Vielleicht fällt dir an der Performance des Depots/wikis ja noch etwas auf. Du kannst leider nicht erkennen, wie gut die Performance seit der Auflage des wikis im Januar 2016 war. Ich kann das auch nicht erkennen – und das stört mich. Wenn ich das wissen will, dann muss ich es mir selber ausrechnen.

In dieser gesamten Zeit ist das wiki um durchschnittlich 19 Prozent im Jahr gestiegen. Ich wäre wirklich froh, wenn wikifolio das ändert und diese Zahl angibt. Deutlich sichtbar angibt. Natürlich sind 19 Prozent weniger als die derzeitige 12-Monats-Performance von 37,5 Prozent. Aber die 19 Prozent sind ehrlicher.

 

Expect Volatility

 

Was der Jahreschart ebenfalls zeigt: In den letzten vier Wochen ging es für meine „besten Aktien“ beinahe nur bergan. Die Zeit seit Januar 2018 war deutlich volatiler. Nun ist die Volatilität zurück. Soll sie. Volatilität ist der Preis, den Anlegerinnen und Anleger dafür bezahlen, dass sie am Ende die hohen Gewinne erzielen, die an der Börse möglich sind – und nicht mit Minuszinsen oder Minizinsen leben müssen.

 

Und was wenn es eine Korrektur wird?

 

Dann wird es eben eine Korrektur! Ich kann das nicht ändern. Du kannst das nicht ändern. Voraussagen kann es auch niemand. Wir können es beide nur – aushalten. Natürlich dürfen wir auch Aktien nachkaufen wenn das passiert. Nur eines dürfen wir nicht: Verkaufen. Beinahe alle die das tun, erzielen damit keinen zusätzlichen Gewinn – sondern einen zusätzlichen Verlust. In der Regel steigen sie zu einem späten Zeitpunkt aus – und kommen viel zu spät erst wieder in den Markt zurück. Wenn die Kurse oberhalb ihres Ausstieges stehen.

Und denkt bitte alle daran: Es kommen wieder Zeiten, in denen wir uns freuen werden, wenn Jahrescharts überhaupt im Plus sind. Wir alle werden auch wieder Jahre mit Verlusten haben. Auch das ist an der Börse – normal. Ohne Volatilität, ohne regelmäßige Korrekturen und ohne gelegentliche Bärenmärkte sind die Gewinne an der Börse nicht zu haben. Für die nächsten Wochen gilt deshalb wohl ein Satz, den ich auch im Februar gerne benutzt habe: Expect Volatility.

 

Mein Fazit

 

Das war mein Lob auf den Jahreschart, den langfristigen Blick auf das anlegen und auf die Gelassenheit dabei. Also: Legt bitte alle ein wiki an. Damit ihr jedes Mal einen Jahreschart seht, wenn ihr in euer Depot schaut. Und einen Langfristchart für die gesamte Zeit, die es euer Depot schon gibt. Niemand muss so ein wiki öffentlich stellen, auch publizieren genannt. Und niemand muss es handelbar machen. Aber jeder kann die Vorteile nutzen die es hat. Für den langfristigen Blick. Und die Gelassenheit.

 

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6 Kommentare

  1. Tino

    Ich dachte auch die ganze Zeit, während ich den Artikel las: warum nutzt er nicht Portfolio Performance? Das kann alles was er braucht und noch viel mehr. Vor allem zeigt es ein ehrliches Ergebnis, da es die Möglichkeit bietet, bei jeder Transaktion auch Gebühren, Steuern und sonstige Kosten mit zu vermerken. Und anschließend diese Kosten bei der Berechnung der Rendite mit berücksichtigt. Es gibt jede Menge grafischer Auswertungen. Mein Liebling dabei ist die Vermögensaufstellung, wo selbst scheinbar große Rücksetzer nur einen kleinen Ausschlag für das Gesamtdepot ergeben, während es insgesamt immer noch nach oben geht.
    Sicher ist PP kein Tool für Oma. Es ist schon etwas Einarbeitung erforderlich. Aber wer ein Onlinekonto eröffnen, Aktien kaufen und Sparpläne anlegen kann, der kommt auch mit Portfolio Performance zurecht. Zudem bietet der Autor auf seiner Homepage jede Menge Anleitungen, Tutorials und Hilfe-Videos an.

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Ich bin 57! Also Opa.
      Nein, eine Software für die man ein Tutorial braucht werde ich nicht benutzen – und meinen Leserinnen und Lesern auch nicht empfehlen. Trotzdem ist das für alle die sich von komplizierten Programmen und einer mehrtägigen Einarbeitung nicht abschrecken lassen ein gangbarer Weg. Ich bin dafür, dass die Banken/Broker vernünftige Oberflächen anbieten. Noch besser: Anbieten müssen. Als Standard.

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  2. Tom Lundt

    Portfolio Performance ist ein kostenloses Tool um genau solche Charts (und viele andere) zu erstellen. Es erfordert etwas Einarbeitung, ist aber in meinen Augen eines der besten Tools um die eigene Performance (und noch viel mehr) zu messen. Hier folgt der Link (ich hoffe das ist erlaubt): https://www.portfolio-performance.info/portfolio/

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Klar. Danke für den Link, Tom. Ich habe Portfolio Performance mittlerweile auch im Internet gefunden. Ganz ehrlich: Ich kann da gar nichts erkennen, so unübersichtlich ist das, schon gar keine Charts. Es wirkt auf mich zudem so extrem kompliziert – das ist was für Computer-Experten, aber nichts für meinen Alltag.
      Ich schreibe demnächst gerne mal was zu (in meinen Augen) alltagstauglichen Tools und zu den Banken/Brokern und ihrer Portfolio-Darstellung.
      Erst durch den Beitrag ist mir klar geworden, wie schlecht das alles bei der Deutschen Bank gelöst ist und warum ich dort schon gar nicht mehr nachschaue. Vielleicht gibt es ja auch Banken/Broker, die das besser hinbekommen.

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  3. Stephan

    Man könnte stattdessen auch Portfolio-Performance nutzen. Dann muss ich mich nirgends registrieren und habe deutlich mehr Funktionen zur Verfügung 🙂

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Wichtiger Hinweis. Ich kenne „Portfoio-Performace“ nicht. Was ist das und wieso gefällt es dir so gut Stephan?

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