Wie Norwegen zu seinem Ölfonds kam und seinen Reichtum damit vermehrte

Mit einem Volumen von über 800 Milliarden Euro gilt der norwegische Ölfonds als größter Staatsfonds der Welt. Weil er fast ausschließlich an den globalen Finanzmärkten anlegt und sehr transparent ist, kann er trotz seiner Größe uns Kleinanlegern als Vorbild dienen, um ähnlich erfolgreich zu sein.

Der Ölfonds hat pro Norweger mehr als 160.000 € angespart und im abgelaufenen Jahr eine Rendite von über 13 % erzielt – mehr als der DAX. Dieser Erfolg ist systematisch: Seit 1998 hat der Ölfonds eine höhere durchschnittliche Jahresrendite erreicht als der deutsche Leitindex DAX und das bei niedrigerem Risiko.

Wie auch sicherheitsorientierte Anleger nach norwegischem Vorbild erfolgreich investieren können, erklärt Clemens Bomsdorf Schritt für Schritt in seinem Buch „So werden Sie reich wie Norwegen – Genial einfach ein Vermögen aufbauen“ (erschienen bei Campus, 19,95 €), ein Ausschnitt:

 

– von CLEMENS BOMSDORF –

Wie kam es eigentlich, dass Norwegen seinen milliardenschweren Ölfonds aufbauen konnte? Zum einen liegt dies am ziemlich klugen Umgang dieses kleinen Landes mit seinem Grund und Boden, noch bevor klar war, dass dieser voll von Schätzen – nämlich Öl und Gas – ist. Zudem war Norwegen das Glück beschieden, auch als reiches Land Bürokraten sowie Politiker zu haben (und zu wählen), die zukunftsweisende Entscheidungen für das ganze Land fällten, statt einfach kurzfristige Wahlgeschenke zu machen. Diese Kombination macht das Land zum Vorbild in Finanzdingen. In diesem Kapitel erfahren Sie nicht nur, wie Norwegen zu seinem Reichtum gekommen ist, sondern auch einige Hintergründe und Vorgaben für seine Anlagestrategie.

Ein glücklicher Fund mit weitreichenden Folgen

 

Öl vor der eigenen Küste zu finden kommt einem Lottogewinn gleich; das schwarze Gold ist sozusagen flüssiges Geld. Einmal in ausreichender Menge entdeckt, sodass sich die Förderung lohnt, muss der wertvolle Rohstoff nur ans Licht geholt und verkauft werden. Doch die Suche nach Öl ist eine langwierige und kostspielige Angelegenheit. Die Bohrungen sind aufwändig und teuer, besonders unter Wasser. Schwimmende Kolosse mit enormen Aufbauten graben dort, wo Öl vermutet wird, Tausende von Metern unter dem Meeresgrund. Deshalb wird zunächst viel Zeit darauf verwandt, diesen genauestens zu untersuchen, um herauszufinden, wo überhaupt eine realistische Chance darauf besteht, den wertvollen Rohstoff zu finden.

Gut zu wissen:

 

Die Suche nach Öl ist mit der Suche nach guten Aktien vergleichbar: Man liegt immer mal wieder daneben, muss dieses Risiko und die damit verbundenen Rückschläge und glücklosen Investitionen aber aushalten, um langfristig erfolgreich zu sein. Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten, die Risiken der Geldanlage zu reduzieren. Wie das geht, erfahren Sie im Laufe der Lektüre.

Lottogewinn Öl als Weihnachtsgeschenk

 

Olav Christiansen war gerade dabei, seine Sachen zusammenzupacken und sein Büro im Industrieministerium in Oslo zu verlassen, als sein Telefon klingelte. Es war lille julaften1969, der Vorabend des Heiligen Abends. Ein weiteres Jahr ohne Erfolg bei der Suche nach lohnenden Ölreserven vor der norwegischen Küste ging allmählich zu Ende. In der Leitung war Ed Jobin, damals Chef der US-amerikanischen Ölgesellschaft Phillips Petroleum (heute ConocoPhillips). »Olav, fröhliche Weihnachten! Ich glaube, wir haben uns ein Ölfeld geschenkt, sagte er mir«, erinnert sich Christiansen in dem norwegischen Dokumentarfilm Öl!.

Phillips Petroleum hatte den Fund schon im Spätsommer gemacht, informierte die norwegische Regierung aber erst am 23. Dezember da­rüber. Zuvor sollten Ergebnisse weiterer Bohrungen abgewartet werden, um eine Vorstellung von der Größe und der Kommerzialisierbarkeit des Ölfelds zu bekommen. Im Laufe des Herbstes zeigte sich, dass es alle Erwartungen übertraf: Es war der bis dato weltweit größte Offshore-Erdölfund der Geschichte! Auch wenn es lange dauern sollte, das ganze Vorkommen zu fördern, würde es ganz klar wirtschaftlich sein.

Das später Ekofisk genannte Feld ging im Jahr 1971 in Produktion, hat seither rund 650 Millionen Standardkubikmeter Ölequivalent gefördert und dürfte noch weitere Jahrzehnte aktiv sein. Wegen seiner großen wirtschaftlichen wie symbolischen Bedeutung gilt Ekofisk sogar als norwegisches Kulturerbe – wie die berühmte hölzerne Stabkirche in Reinli in Südnorwegen oder die Felszeichnungen in Alta, ganz im Norden des Landes. »Ekofisk ist in mehrfacher Hinsicht einzigartig. In der Ölsprache wird ein solches Vorkommen wegen seiner Größe ›Elefant‹ genannt. Es ist, was das eingelagerte Öl angeht, das größte Feld auf dem norwegischem Sockel. Das Hauptreservoir liegt 3.000 Meter in der Tiefe«, so Kristin Øye Gjerde vom norwegischen Ölmuseum in Stavanger.

 

Erste Weichenstellung Richtung Reichtum

 

Lange Jahre hatte niemand glauben wollen, dass vor der norwegischen Küste wertvolle Rohstoffe eingelagert sein könnten: »Die Möglichkeit, dass es Kohle, Öl oder Schwefel auf dem Kontinentalsockel längs der norwegischen Küste gibt, kann außer Acht gelassen werden«, hieß es im Jahr 1958 in einem Schreiben an das Außenministerium. Absender war Norges Geologiske Undersøkelse (NGU), die staatliche Abteilung, die Untergrund und Bodenschätze untersucht. Und wenn sich jemand mit den norwegischen Landmassen und deren Potenzial auskannte, dann NGU.

Zum Glück für die norwegische Wirtschaft sahen das ausländische Experten anders. Bereits im Herbst 1962 tauchten Geologen von Phillips Petroleum in der norwegischen Botschaft in Bonn auf. Sie wollten sich den norwegischen Sockel, also das Unterwassergebiet vor der Küste des Landes, genauer anschauen. Denn drei Jahre zuvor war im niederländischen Groningen nahe der Nordsee Gas gefunden worden. Internationale Ölgesellschaften begannen deshalb, sich auch für andere Teile dieses europäischen Meeres zu interessieren.

Phillips Petroleum fiel auf, dass die großen Konkurrenten sich auf die zentraler gelegenen Länder Dänemark und Großbritannien konzentrierten, während Norwegen im Grunde außer Acht gelassen wurde. Das relativ kleine Unternehmen erkannte seine Chance und bat darum, vor der gesamten norwegischen Küste seismische Untersuchungen machen zu dürfen. Geophysiker sollten die Beschaffenheit des Meeresbodens erforschen, um Rückschlüsse auf mögliche Bodenschätze zu ziehen.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Seegrenzen zwischen Norwegen, Großbritannien und Dänemark noch nicht gezogen. Ein junger Jurist namens Carl August Fleischer und sein Chef, Einar-Fredrik Ofstad, beide im Außenministerium beschäftigt, sorgten dafür, dass ihr Heimatland nicht nur Anspruch auf den norwegischen Sockel erhob, sondern auch festlegte, dass jegliche dort vorkommenden Bodenschätze dem norwegischen Staat gehörten, wobei private Unternehmen an der Förderung beteiligt werden konnten.

 

Vom richtigen Umgang mit Rohstoffen

 

Diese beiden Bestimmungen waren entscheidend für den späteren norwegischen Reichtum: Ohne Hoheit über den Kontinentalsockel kein norwegisches Öl, und ohne Hoheit über die Bodenschätze drohte ein eventuelles Ölgeschäft der Bevölkerung nicht zugute zu kommen. Asle Skredderberget schlussfolgert in seinem Buch Usannsynlig rik(dt.: Unglaublich reich), dass der Paragraf, der Norwegen die Ressourcen zuschlägt, »nicht nur die Grundlagen für den norwegischen Ölsektor in den 1960ern, 1970ern und 1980ern gelegt hat, sondern auch das Fundament dafür ist, dass Norwegen in den 1990ern einen Fonds etablieren konnte, der es möglich machen sollte, lang ins nächste Jahrhundert von den Ölressourcen zu leben. Ohne diesen Paragrafen hätte Norwegen heute keinen Ölfonds«.

Schon hier zeigt sich, was beim norwegischen Ölgeschäft sowie dem Ölfonds immer wieder deutlich wird: Die damit befassten Staatsbediensteten und Politiker versuchen stets, das norwegische Gemeinwohl und somit das Interesse aller Norweger in den Mittelpunkt zu rücken, statt nur die Elite (zu der sie durchaus selbst gehören) und die Großindustrie im Blick zu haben. Viele rohstoffreiche Länder haben am Ende wenig von ihren Bodenschätzen gehabt, weil sie damit falsch umgegangen sind. In etlichen Ölförderländern, vor allem in Südamerika und Afrika, versickert der Reichtum heute noch in den Taschen einiger weniger, während große Teile der Bevölkerung nichts davon haben.

 

Miserable Trefferquote

 

Der Run auf norwegisches Öl und Gas kam im Sommer 1966 in Gang – und startete mit einem Flop! Denn gefunden wurde nichts. Umso größer war die Freude, als das Rigg Ocean Traveler von Phillips Petroleum im darauffolgenden Jahr bei einer Bohrung an anderer Stelle auf Öl stieß. Doch sie währte nur kurz, denn das Balder genannte Reservoir stellte sich zum damaligen Zeitpunkt als zu unbedeutend heraus, um wirtschaftlich zu sein. Erst im Jahr 1999 gelang es, dieses Feld gewinnbringend zu erschließen. Im Ölgeschäft gilt es, einen langen Atem zu haben. Mehrere Jahre bohrten die großen Ölgesellschaften dieser Erde, darunter Esso und Shell, vor der Küste Norwegens ein Loch nach dem anderen – und mehr als 30 Mal hieß es: Fehlanzeige! Die Zahl der seismischen Untersuchungen und Probebohrungen übersteigt die der erfolgreichen Funde bei Weitem.

 

 

Auch Phillips Petroleum erging es nicht besser und im Jahr 1969 wollte das kleine Unternehmen schon aufgeben. Doch Norwegen beharrte darauf, dass entweder wie abgemacht weitergesucht oder im Ausgleich Geld an den Staat gezahlt wurde. Denn damit mit jeder Lizenz, die Norwegen vergab, auch wirklich die Chance stieg, dass Öl gefördert wurde, hatte die Regierung in die Verträge eine Verpflichtung zur Suche nach Erdölvorkommen aufnehmen lassen.

Anfang 1969 war das Management von Phillips Petroleum nicht gut auf diese Klausel zu sprechen. Am liebsten hätte es die Nordsee wieder verlassen, statt weiterhin ebenso teure wie scheinbar erfolglose Bohrungen voranzutreiben. Da sich jedoch die Kosten für weitere Bohrungen kaum von den drohenden Strafzahlungen unterschieden, entschloss sich das Unternehmen im Sommer 1969, es ein letztes Mal zu versuchen. Diese Entscheidung sollte es nicht bereuen, denn der nächste Versuch war ein Volltreffer: Ekofisk – 3.000 Meter unter dem Meeresgrund. Das Feld enthielt nicht nur Öl und Gas, sondern war auch kommerzialisierbar und zudem von einer solchen Größe, dass es alle bisherigen Offshore-Funde in den Schatten stellte; nicht nur in Norwegen, sondern weltweit.

Im Jahr 1971 wurde erstmals Öl aus Ekofisk gefördert und verkauft. In den Jahrzehnten seit der Erschließung installierte Phillips Petroleum zahlreiche Ölplattformen, um den wertvollen Rohstoff aus dem riesigen Feld abzupumpen, zu verarbeiten und abzutransportieren. Aktuell listet der Betreiber ConocoPhillips zwölf solche Anlagen, die sich zum Teil sogar unter Wasser befinden. Seither gab es vor der Küste Norwegens so viele erfolgreiche Probebohrungen, dass 101 weitere Felder hinzukamen. Bis zum Jahreswechsel 2016/17 erschöpften sich nur in einigen davon die Ressourcen, sodass zu dem Zeitpunkt 80 Felder weiterhin aktiv waren.

Noch heute werden aus Ekofisk Öl und Gas gefördert. Und schon als im 35-jährigen Jubiläumsjahr der Entdeckung die Wertschöpfung des Feldes errechnet wurde, kam man auf umgerechnet über 150 Milliarden Euro oder rund 37.500 Euro pro Kopf der norwegischen Bevölkerung. Angesichts solcher Zahlen ist es kein Wunder, dass Norwegen mit dem Geld aus dem Öl- und Gasgeschäft einen dermaßen großen Fonds aufbauen konnte. Der Reichtum des Landes liegt unter dem Meeresgrund – und an den internationalen Finanzmärkten. Im Zeitraum von 1965 bis 2016 kletterte Norwegen laut Weltbank auf der Liste der reichsten Länder der Welt von Platz 11 auf Platz 3.

 

Der weise Umgang mit dem Geldsegen

 

Selbst wenn es viele Staaten gibt, die dank Bodenschätzen ähnlich plötzlich wie Norwegen reich wurden, hat es bislang kein einziger geschafft, so gut mit dem unerwarteten Wohlstand umzugehen. Im Gegenteil, manche Volkswirtschaften leiden sogar unter ihren Bodenschätzen. Dass (Öl-)Reichtum auch schädliche wirtschaftliche Auswirkungen haben kann, mag überraschen; Volkswirte sprechen dann vom Ressourcenfluch (engl. ressource curse).

Zum einen ist problematisch, dass die Elite sich am Reichtum, der eigentlich der gesamten Bevölkerung zustehen sollte, bereichert, Gelder abzweigt und andere Sektoren sowie häufig auch Bildung und Umweltschutz völlig vernachlässigt. Zum anderen kann der starke Erfolg einer Exportbranche (Norwegen exportiert den Großteil der Rohstoffe) zu einer Stärkung der Landeswährung führen. Das erschwert es anderen Branchen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Wird hingegen ein Großteil des durch den Rohstoffexport verdienten Geldes im Ausland investiert – so wie es der norwegische Ölfonds tut –, drückt das auf den Wechselkurs und entlastet die Wirtschaft, statt dass die »Holländische Krankheit« ausbricht.

 

Was ist eigentlich … die Holländische Krankheit?

 

Vor einigen Jahrzehnten entdeckten die Niederlande große Gasressourcen in ihrem Land, agierten jedoch nicht so vorausschauend wie Norwegen: Man investierte die Einnahmen also nicht im Ausland. Die aufstrebende Branche versprach hohe Renditen und zog riesige Investitionssummen an. Die alteingesessenen Industrien hingegen wurden ebenso wie andere neue Sektoren vernachlässigt. Der hohe Exportanteil des Gases ließ in der Folge den Wechselkurs des Guldens in die Höhe schießen, andere Branchen verloren dadurch an Wettbewerbsfähigkeit und die Kreditaufnahme wurde billiger. Der steigende Wechselkurs hatte den Effekt, dass Zinszahlungen und Kreditsummen in Fremdwährung gemessen in heimischer Währung mit der Zeit sanken. Gleichzeitig stieg aufgrund der starken Währung die Konsumentennachfrage nach Importen, was die heimische Wirtschaft weiter schwächte. Auch weil der Boom-Sektor bereit war, höhere Löhne zu zahlen, und so die Lohnkosten auch für die anderen Branchen steigen ließ, litt der Rest der Volkswirtschaft.

Als der Boom vorbei war, brach das niederländische Wirtschaftswachstum ein. Mit dem Preis für den Rohstoff fiel die heimische Währung, damit gingen nicht nur die Einnahmen zurück, sondern die in Fremdwährung aufgenommenen Schulden stiegen und die Volkswirtschaft geriet unter Druck. Seither sprechen Volkswirte von der »Dutch Disease«, zu Deutsch der »Holländischen Krankheit«. Geprägt wurde der Begriff im Jahr 1977 vom englischen Wirtschaftsmagazin The Economist

Der Ölfonds ist gewissermaßen die norwegische Medizin gegen die Holländische Krankheit: Indem die Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft im Ausland in Fremdwährung angelegt werden, wird die Nachfrage nach norwegischen Kronen eingeschränkt und die heimische Währung geschwächt. So spart Norwegen für eine Zukunft ohne Öl und sorgt dafür, dass andere Branchen stark bleiben. Für dieses vorausschauende Handeln gibt es sogar Lob von dem US-amerikanischen Ökonomen und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz. Er sagte einmal: »Norwegen kann dafür, dass es so klug ist, Naturressourcen so anzulegen, dass sie mehreren Generationen zugutekommen, bewundert werden.«

 

 

Gesteuert wird der norwegische Ölfonds von einem tristen, vor allem in Brauntönen gehaltenen Achtzigerjahrebau mitten in Oslo aus, dem Hauptsitz der norwegischen Zentralbank. Zu ihr gehört auch Norges Bank Investment Management (NBIM), die Abteilung, welche die Ölgelder im Staatsauftrag verwaltet. In einem der schlichten Büros sitzt Yngve Slyngstad, Chef des weltweit größten Staatsfonds. Die Aufgabe des Ölfonds definiert er folgendermaßen: »Staatliches Sparen so zu unterstützen, dass kommenden Generationen das Ölvermögen ebenfalls zugutekommt.«

 

So reich ist der norwegische Ölfonds

 

Der 27. Oktober 2017 war ein ziemlich guter Tag in der Geschichte des norwegischen Ölfonds, denn an diesem herbstlichen Freitag präsentierte das Management ein sattes Plus. Der Ölfonds hatte seit Jahresanfang eine Rendite von 9,8 % erzielt, der Aktienanteil sogar 13,8 %. »In diesem Jahr haben wir bisher in allen Vermögensklassen positive Ergebnisse erzielt, besonders Aktien haben sich gut entwickelt«, kommentierte Fondschef Yngve Slyngstad in der offiziellen Mitteilung den Quartalsabschluss. Er konnte die durchschnittliche jährliche Rendite, die der Ölfonds seit seiner Auflage im Jahr 1998 erzielt hatte, auf 6 % anheben. Über 60 Milliarden Euro erwirtschaftete der Ölfonds binnen der ersten neun Monate des Jahres 2017.

Dank der enormen Wertsteigerung der Anlagen legte das Fondsvolumen zum Stichtag 30. September 2017 auf umgerechnet 845 Milliarden Euro zu. Alleine die Dividendenzahlungen der Aktien seit Anfang des Jahres betrugen über 11 Milliarden Euro. Sechs aufeinanderfolgende Quartale, also anderthalb Jahre am Stück, hat der Ölfonds zugelegt. Das ist ziemlich gut, wird aber nicht ewig so weitergehen. Darauf war schon auf der Halbjahrespressekonferenz im August 2017 hingewiesen worden. In Zukunft werde die Wertentwicklung wieder mehr schwanken, hieß es dort. Das habe der Markt schließlich so an sich.

Norwegen ist eines der wenigen Länder, die agieren wie ein vernünftiger Mensch. Statt immer mehr Schulden anzuhäufen – ein Verhalten, das Privatleute längst in den Ruin getrieben hätte und das etlichen Staaten und letztlich auch der Weltwirtschaft seit Jahren erhebliche Probleme bringt –, wird beständig gespart und investiert. Das Land hat in Form des Ölfonds ein immenses Vermögen auf der hohen Kante, während die meisten anderen Staaten mächtig in den Miesen sind. Deutschland erwirtschaftet derzeit zwar einen Haushaltsüberschuss, hat jedoch pro Kopf rund 24.000 Euro Schulden! Das zeigt die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler. Darum gilt für Norwegen, was Sie sicherlich auch gerne für sich geltend machen würden: Es ist für die Zukunft gut gerüstet – auch wenn mal ein paar harte Jahre kommen.

 

Es ging nicht immer nur aufwärts: die Performance des norwegischen Ölfonds

 

Bei einer Geldanlage ist die Rendite entscheidend. Seit 1998 hat der Ölfonds im Schnitt jährlich 6 % erwirtschaftet. Das bedeutet, dass aus 100.000 Euro Startkapital binnen 20 Jahren über 320.000 Euro werden. Wer Glück hat, bekommt derzeit noch 0,2 % bis 0,6 % auf dem Festgeldkonto. Damit würden im selben Zeitraum aus 100.000 Euro lediglich 104.000 Euro bis 113.000 Euro. Solch eine spärliche Rendite droht geringer auszufallen als die Preissteigerung – damit wird das angesparte Geld immer weniger wert statt mehr.

Der Ölfonds hingegen hat eindeutig real zugelegt. Dabei war der Anlageerfolg des Ölfonds von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich. Doch nicht nur das. Analog zu der Theorie, dass mit mehr Risiko auch mehr Rendite einhergeht – und sie bestätigt sich einmal mehr –, entwickelten sich die Anlageklassen mit der Zeit verschieden.

 

Der vorstehende Text ist dem neuen Buch von Clemens Bomsdorf „So werden Sie reich wie Norwegen“ entnommen. Der Abdruck erfolgt mit der freundlichen Genehmigung des Campus Verlags (Frankfurt).

 

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1 Kommentar

  1. Andreas

    Herr Thiel,
    ich muss sie jetzt mal wirklich loben für all ihre Texte, Kommentare und Ideen! Wirklich einzigartig!
    Bin ein begeisterter Leser ihrer Webseite, konnte schon einiges an Input hiervon ziehen.

    Antworten

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