Vier Wege um besser zu sein als Warren Buffet

Vor sechs Jahren habe ich einen unglaublich spannenden Text gelesen. Der Autor schrieb, es sei für jeden Privatinvestoren möglich, den Star-Investor Warren Buffett zu schlagen. Einerseits war ich sehr kritisch gegenüber der Idee. Wie sollte das denn gehen – besser zu sein als dieser berühmte Investor, diese schillernde Börsenlegende? Es klang für mich – unglaubwürdig.

Doch je länger ich den Text las, desto klarer wurde mir, dass der Autor Recht hatte. Es war nicht nur einfach – es war möglicherweise sogar sehr einfach. Und zwar aufgrund des Gesetzes der Größe.

Warren Buffetts Performance ist immer schlechter geworden, je größer die Geldsummen wurden, die er anlegen kann und muss. Zu der Zeit, als es nur einige Millionen waren, hat er in manchen Jahren 50 Prozent Zuwachs erzielt. Doch mittlerweile muss er viele Milliarden im Markt unterbringen. Auf diese Weise kommen für ihn viele Aktien gar nicht mehr in Frage. Aber ich kann sie kaufen. Und du auch.

Das war ein einleuchtender Grund, weshalb es möglich ist, die Performance von Warren Buffett zu schlagen. Seine Größe macht es ihm schwer. Der Autor schlug dann vier Vorgehensweisen vor.

 

 

Erstens. Kaufe nicht die Aktien, die Warren Buffett gekauft hat. Logisch. Wenn du das tust dann wirst du sogar schlechter abscheiden als er.

Warum?

Zum einen hat er viele seiner Aktien in Schwächeperioden gekauft. APPLE bei 120 Dollar. Du aber kaufst jetzt. Zum anderen bezahlt Buffett auf Dividenden nur sehr geringe Steuern – auf Kursgewinne aber höhere. Das prägt seinen Anlagestil. Doch das ist bei dir anders. Du zahlst auf beides die gleiche Steuer. Und zudem musst du auf Kursgewinne sogar für viele Jahre überhaupt keine Steuer bezahlen – wenn du die Aktie einfach im Depot behältst.

Wenn du also gerne in die gleichen Aktien anlegen willst wie Warren Buffett, dann kauf lieber die Aktie von BERKSHIRE HATHAWAY. Das bringt dir mehr.

Zweitens. Konzentriere dich auf Branchen, die Buffett kaum beachtet. Finanzdienstleister (VISA, MASTERCARD, WIRECARD). Schau dir die Sportartikelhersteller an (NIKE, ADIDAS). Wirf einen Blick auf den Entertainment- und Medien-Bereich (DISNEY, FACEBOOK, EVENTIM). Und auf den Tech-Bereich (APPLE, FACEBOOK, AMAZON).

 Drittens. Schaue auch auf kleine und mittlere Firmen, auf die Unternehmen also, deren Aktien Buffett gar nicht sinnvoll kaufen kann (CANCOM, EVENTIM, WIRECARD). Sie haben das größere Wachstumspotential. Dein Vorteil ist deine Größe – sein Nachteil ist seine Größe.

Viertens. Kauf in der Krise. APPLE bei einem KGV von 10. DISNEY bei einem KGV von 14. FACEBOOK wenn die Diskussion über den Umgang des Unternehmens mit Nutzerdaten gerade hohe Wellen schlägt. Dann sind diese Aktien billig.

Kauf in der Krise heißt auch, dass du in der Korrektur kaufen solltest. Zum Beispiel in den Monaten Februar und März. Um zehn Prozent gingen die Indizes nach unten – Aktien waren billig zu haben.

Das waren die vier Wege, um besser zu sein als Warren Buffett es ist. Ich habe den Text damals mit Spannung gelesen. An dem Tag habe ich mich entschieden, es auch zu versuchen. Warum sollte es mir nicht auch gelingen! Und so habe ich angefangen, mein Geld in die „besten Aktien“ anzulegen.

Möchtest du wissen, wie das alles ausgegangen ist? Ganz einfach. Ich habe ihn geschlagen. Um Längen. Und es war, nun ja, nicht ganz so  einfach wie gedacht. In dem Punkt hatte sich der Autor des Textes schlicht geirrt. Auf dem Papier schien das alles ganz einfach zu sein, doch am Ende war es doch deutlich komplizierter. Vor allem war es zeitaufwändiger!

Schauen wir jetzt zunächst einmal, wie gut meine Aktien, die „besten Aktien“ in den letzten Jahren gelaufen sind.

 

Wie gut laufen die „besten Aktien“?

 

Die „besten Aktien“, so nenne ich die Aktien, die ich hier auf diesem Blog empfehle und in die ich auch selber anlege. Ich schreibe den Blog jetzt seit drei Jahren. Es gibt die „besten Aktien“ außerdem auch als wikifolio – seit gut zwei Jahren. Da kannst du jederzeit reinschauen und jeden Kauf den ich mache sehen. Zudem ist das für mich ein guter Nachweis meiner Performance.

In dieser Woche waren die „besten Aktien“, die als wiki „Global Champions“ heißen, sogar das wikifolio der Woche im Newsletter des Anbieters. Das hat mich natürlich sehr gefreut.

 

„Hallo Christian Thiel,

diese Woche stellen wir das wikifolio „Global Champions“ von Trader Christian Thiel vor!“

So schrieb mir wikifolio. Das war schon lustig. Ich bin jetzt ein Trader.

 

 

Wie gut sind die „besten Aktien“ denn nun gelaufen in den letzten zwei Jahren?

Hier kommt die Performance: 49,7 Prozent (Stand: 24. Juni 2018)

Da ein wiki Kosten von rund 1,5 Prozent im Jahr verursacht, ist die eigentlich Performance der darin enthaltenen Aktien sogar noch höher. Sie dürfte bei rund 53 Prozent liegen.

Ist das viel? Oder eher wenig?

Schauen wir mal, wie gut das Ergebnis ist, verglichen mit einigen Indizes. Und natürlich mit Warren Buffett. Hier kommen die Zahlen (in Euro):

 

Berkshire Hathaway:           31,7 Prozent

MDAX                                    32 Prozent

MSCI World:                         27,4 Prozent

 

Den Zugewinn beim MSCI World habe ich auf der Basis eines thesaurierenden ETFs von BlackRock berechnet. So sind in allen Prozentzahlen auch die Dividenden mit enthalten.

Wie du siehst habe ich ohne Probleme die beiden Vergleichsindizes geschlagen. Und auch die Performance von Warren Buffett war schlechter. Die „besten Aktien“ sind einfach besser. Einen großen Anteil am Erfolg haben die Tech-Aktien APPLE, AMAZON, FACEBOOK und NETFLIX. Sie alle wachsen derzeit sehr stark. Beim Umsatz. Bei den Gewinnen.

Aber auch MASTERCARD hat dem Depot einen sehr großen Schub gegeben.

Ähnlich viel erwarte ich mir in der Zukunft von DISNEY, NIKE, NOVO NORDISK und LINDT.

 

Fünf Jahre „beste Aktien“

 

Zwei Jahre ist eine kurze Zeit, um zu sehen wie gut eine Anlagestrategie ist. Fünf Jahre wäre besser. Leider habe ich für die vergangenen fünf Jahre nur einen inoffiziellen Nachweis. Es ist die Performance meines Depots. Die sieht so aus:

 

 

Wie auch im wiki siehst du, dass 2016 mein schlechtestes Jahr war. Ebenfalls schwach war das Jahr 2014. Doch insgesamt ist die Performance sehr stark.

Das Depot hat ein Plus von 174 Prozent in fünf Jahren. Das macht einen jährlichen Zuwachs (CAGR) von 22,3 Prozent. Natürlich waren die vergangenen Jahre für eine Anlage an der Börse eine sehr gute Zeit. Diese Einschränkung gehört immer dazu, wenn wir über die tolle Performance von Aktien oder Depots reden, die sich nur auf die Zeit nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 beziehen.

Wir werden auch wieder schlechtere Zeiten sehen. Ich gehe nicht davon aus, dass ich diesen sehr guten Wert (22,3 Prozent) dauerhaft halten kann. Das ist nur ein Schönwetterwert. Die Stürme kommen noch.

 

Wie gut war Warren?

 

174 Prozent Wertzuwachs im Depot – noch einmal die Frage: Ist das gut? Oder eher schlecht? Hier kommt als erstes der Vergleich mit Warren Buffett und seiner Holding BERKSHIRE HATHAWAY:

 

 

Buffet hat gut 90 Prozent zugelegt und hat es damit in diesen fünf Jahren ‚nur’ auf einen jährlichen Zuwachs von 13,76 Prozent gebracht.

Und hier kommt der Chart des MDAX, den ich gerne als Vergleichsindex nutze, weil er für mich eine der besten ETF-Anlagen überhaupt darstellt, zusammen mit dem S&P 500:

 

 

Der sieht auch nicht schlecht aus. Interessanterweise liegt der MDAX sogar ganz knapp vor dem Altmeister. Die Performance des MDAX ergibt einen jährlichen Gewinn von immerhin 13,9 Prozent. Du hättest also auch alleine mit einem ETF auf den MDAX Warren Buffet schlagen können!

Noch einmal – das sind sehr hohe Zahlen. Werte um 9 Prozent Zugewinn pro Jahr sind historisch normal – zumindest für US-Aktien. Mein Resümee: Während der Markt Anlegern derzeit um die 14 Prozent einbringt, schaffen die „besten Aktien“ rund 22 Prozent – die Hälfte mehr.

Wie groß die Outperformance der „besten Aktien“ ist, das lässt sich leicht auch in Geld ausdrücken. Aus 10.000 Euro angelegt in den „besten Aktien“ wurden in fünf Jahren 27.400 Euro. Aus 10.000 Euro angelegt je zur Hälfte in den MDAX und den S&P 500 wurden hingegen nur 18.710 Euro.

 

 

Bleiben die „besten Aktien“ so gut?

 

Wird das so bleiben? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Natürlich will ich auch in den kommenden Jahren den Index schlagen. Und natürlich will ich auch wieder besser sein als Warren. Eine Garantie dafür kann es aber nicht geben. Auch wenn ich davon überzeugt bin, eine gute Auswahl bei meinen Aktien getroffen zu haben, das kann sich jederzeit ändern. Manche sehr erfolgreichen Portfolio-Manager haben es über viele Jahre geschafft, den Index zu schlagen. Zehn Jahre, zwanzig Jahre. Aber dann war plötzlich Schluss.

Und wie immer an dieser Stelle folgt der Hinweis, was passiert, wenn der Index mich schlägt. Schlägt er mich in einem Jahr, dann werde ich mit der Schulter zucken. Soll er! In 2016 ist das auch schon ein Mal passiert. Schlägt er mich aber zwei Jahre in Folge, dann wird es ernst. Dann werde ich ein Drittel meines Depots in ETFs umschichten. Und mich mit dem Gewinn des Index begnügen.

Schlägt er mich ein weiteres Mal, dann wandert wieder ein Drittel des Geldes aus Einzelaktien in ETFs. Bis alles Geld nur noch in ETFs liegt.

 

Mein Fazit

 

Besser zu sein als Warren Buffett ist für Privatanleger möglich. Das hat nichts damit zu tun, dass sie so viel besser sind als er. Es ist vielmehr das Gesetz der Größe, das es für Anleger wie Buffett schwer macht einen Gewinn zu erzielen, der über dem durchschnittlichen Marktgewinn liegt. Das Gesetz der Größe macht es für Anleger von kleineren Summen leichter, dieses Ziel zu erreichen.

Besser zu sein als der Markt ist auf lange Sicht alles andere als einfach. Es ein Mal in einem einzelnen Jahr zu schaffen, das ist nicht das Problem. Es wieder und wieder zu schaffen, das ist die Herausforderung.

Den Markt zu schlagen macht Arbeit. Ich verbringe jetzt seit sechs Jahren jeden Tag etwa eine Stunde damit, mich mit Aktien zu  beschäftigen. Es ist mein Hobby. Dann kam der Blog grossmutters-sparstrumpf hinzu. Auch ein schönes Hobby!

Ich habe viele Bücher gelesen und eines sogar selber geschrieben. In den ersten Jahren habe ich hauptsächliche Artikel und Analysen auf den Seiten von fool.com gelesen – und habe mich dann immer klarer für meine „besten Aktien“ entschieden. Wer den Aufwand scheut, sich mit seinen Unternehmen auseinanderzusetzen, der ist mit ETFs deutlich besser bedient.

 

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5 Kommentare

  1. Martin Pues

    Hallo Christian,

    vielen Dank für den wie immer gut lesbaren Beitrag.

    Gerne wüsste ich was Du vom Valueinvesting hälst. Wenn ich nicht falsch liege, dann ist Buffett auch ein Valueinvestor.

    Beste Grüße aus dem Ruhrgebiet.

    Martin

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Ich komme mit den Begriffen „value“ und „growth“ nicht gut zurecht, Martin. Das zukünftige Wachstum eines Unternehmens (growth) hat für mich als Anleger einen großen Wert (value).
      Unternehmen ohne Wachstum (wie derzeit COCA COLA, PROCTER & GAMBLE, PEPSICO) können mit stark wachsenden Unternehmen wie MASTERCARD, DISNEY oder FACEBOOK niemals mithalten.
      Der Value-Investor Michael Kissig (http://www.intelligent-investieren.net) hat AMAZON in seinem Musterdepot – weil er in dem Unternehmen einen großen Wert sieht – so wie ich auch.
      Moderne Theorien über den Wert von Unternehmen heben oft nicht mehr auf den Buchwert ab, sondern auf den Wert den die intellektuellen Fähigkeiten seiner Beschäftigten darstellen (bei IT-Unternehmen völlig logisch; aber auch bei AMAZON nicht unlogisch).
      Du siehst mich also recht ratlos mit dem Begriff Value. Ich kaufe doch kein Unternehmen, wenn ich nicht glaube, dass es einen großen Wert hat – und Zukunftspotential. Buffett hat zwei Mal Unternehmen ohne Zukunftspotential gekauft. Eines davon war eine mittelgroße Textilfabrik mit Namen BERKSHIRE HATHAWAY. Den Namen gibt es bekanntlich noch – die Textilfabrik allerdings nicht mehr. Der Altmeister hat also auch geirrt.
      Schöne Grüße aus Berlin
      Christian Thiel

      Antworten
      1. Martin Pues

        Hallo Christian,

        vielen Dank für die Ausführungen.

        Grüße

        Martin

        Antworten
        1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

          Gerne. Ich sortiere so immer meine Gedanken.
          Schöne Grüße aus Berlin
          Christian

          Antworten
  2. Andreas

    Es wird hier sehr schön herausgearbeitet, dass der Altmeister des Investierens, Warren Buffett, das Opfer seines eigenen Erfolges geworden ist. Je mehr Geld er investieren muss, desto schwieriger wird es, attraktive Investments zu finden und dabei seinen eigenen (Rendite-)Ansprüchen gerecht zu werden.

    Ich habe über einen längeren Zeitraum immer wieder mal über ein Investment in Berkshire Hathaway nachgedacht. Getan habe ich es bislang nicht, und dieser Beitrag bestätigt mich darin.

    Eigentlich ist die Begründung für den nachlassenden Erfolg ganz logisch, wenn man ein bisschen darüber nachdenkt. In diesem Sinne, vielen Dank für den Denkanstoß und den interessanten Artikel!

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