Warum du die Aktie von Daimler verkaufen solltest

Das Unternehmen DAIMLER hat ein Problem mit der Wahrheit über die Abgasreinigung seiner Dieselfahrzeuge. Das konnte die Öffentlichkeit einmal mehr aus den Nachrichten der vergangenen Woche erfahren. Viele Anleger waren entsetzt – ging ihre Aktien doch einmal mehr nach unten. Andere Anleger, die das Unternehmen beobachten fragten sich beim Agieren des DAIMLER-Managements: Ja, haben die denn ein Rad ab?

Das Abgasproblem ist leider nur eines der vielen Probleme des Konzerns. Schaut man genauer hin, dann zeigt sich: Die Probleme sind vielschichtig. Für alle Anleger in die DAIMLER-Aktie und alle Anleger, die darüber nachdenken in das Unternehmen zu investieren, gibt es jede Menge Warnhinweise.

 

Erstens gibt es sehr viele Menschen, denen es ganz und gar nicht egal ist, wie viel Stickoxide ein Auto ausstößt. DAIMLER aber ist es egal. Sie haben also eine Technik entwickelt die funktioniert – die Abgasreinigung bei Dieselfahrzeugen. Und dann haben sie eine Technik entwickelt, um die Lösung auszuschalten. Nach 1.200 Sekunden. Nach 2.000 Sekunden – je nach Software.

Gut finden muss das niemand der in einer Stadt lebt und dem seine Gesundheit und die Gesundheit seiner Kinder wichtig ist. Das schadet dem Image von DAIMLER. Und nutzt einmal mehr TESLA.

 

Zweitens hat DAIMLER damit gegen geltende Gesetze verstoßen. Nicht umsonst ermittelt das Bundeskriminalamt in dieser Frage. Von hohen Strafzahlungen gehe ich trotzdem nicht aus. Ganz ohne Strafen wird es aber wohl auch nicht abgehen. Die setzt DAIMLER dann allerdings von der Steuer ab. Als Betriebsausgaben.

 

Drittens hat DAIMLER das alles auch in China und den USA gemacht. An der Stelle wird es für das Unternehmen möglicherweise gefährlich. Niemand erwartet, dass die Bundesregierung etwas tun wird was DAIMLER richtig weh tut, wie zum Beispiel hohe Strafen zu verhängen oder eine Verpflichtung, die versprochenen Grenzwerte einzuhalten – egal was es den Konzern kostet.

Was aber ist mit China? Und was – Achtung! – ist mit den USA?

 

 

Viertens sucht Donald Trump gerade nach einem Weg, die deutschen Premium-Hersteller DAIMLER/BMW/AUDI klein zu bekommen. Ich kann ihn ja verstehen. Die deutschen Hersteller dominieren den lukrativen Teil des Automarktes.

Warum sollte ihm das gefallen? Weil er für den freien Handel ist? Vergiss es. Trump will einen guten Deal. Und er ist bereit, dafür einiges zu tun. Strafzölle auf deutsche Autos sind eine der Möglichkeiten. Aber auch Vorteile für amerikanische Autohersteller (FORD, GENERAL MOTORS, TESLA) würden ihn sicher nicht stören.

 

Fünftens sucht der chinesische Präsident Xi nach Möglichkeiten, den quengelnden Amerikanern etwas anzubieten, was sie erfreut – was liegt also näher, als Trump „entgegenzukommen“ und DAIMLER/BMW/AUDI auch in China das Leben zu erschweren. Und mehr Autos von den Amerikanern zu kaufen. Oder TESLA schnell den Bau einer Fabrik in China zu ermöglichen. Dann sind alle zufrieden. Bis auf DAIMLER/BMW/AUDI.

 

 

Sechstens ist das alles für das weltweite Image von DAIMLER sehr schlecht. Das Wort vom „german engineering“ führt jetzt schon in großen Teilen der Welt zu schallendem Gelächter. Das bedeutet nun nicht mehr, dass die Produkte gut sind. Es bedeutet, dass gemogelt wird.

Die Aktie von DAIMLER ist derzeit ohnehin auf dem Weg in Richtung 60 Euro. Es kann noch viel tiefer gehen – derzeit sind 50 Euro durchaus drin. Dazu braucht es nur noch sehr wenige neue Nachrichten. Es reicht möglicherweise völlig aus, dass Donald Trump etwas tut. Strafzölle verhängen zum Beispiel. Das wird er wohl in den nächsten Wochen tun, nachdem er sich beim Weltwirtschaftsgipfel in Kanada genug über die deutsche Kanzlerin geärgert hat.

 

Siebtens. DAIMLER stellt im Jahr nur rund 2,2 Mio. Pkw her. Das ist zu wenig. Nach der Überzeugung von FIAT-CHRYSLER-Chef Sergio Marchionne brauchen Hersteller heute 5 Mio. Pkw um gut wirtschaften zu können. Davon ist DAIMLER weit entfernt. Zusammen mit BWM würde es reichen. Dazu müssten die Stuttgarter aber kooperieren – und das ist für sie ein schwieriges Feld.

 

Achtens. Alle großen Kooperationen von DAIMLER mit anderen Autoherstellern (Chrysler; Mitsubishi) sind gescheitert. Das macht die Lage für DAIMLER derzeit sehr problematisch.

 

 

Neuntens. Die günstig erworbene Beteiligung an TESLA hat DAIMLER leider verkauft. Sie auf 20 Prozent zu erhöhen und die gezielte Kooperation mit dem Startup aus dem Silicon Valley zu suchen, das wäre besser gewesen. Aber das war nicht drin – DAIMLERs Unternehmenskultur und die von TESLA sind möglicherweise schlicht inkompatibel. Schade. DAIMLER hätte beim Aufbau der Produktion von TESLA einigen Schaden verhindern können. Und DAIMLER hätte von den günstigen Batteriepreisen von TESLA profitiert.

 

Zehntens. Nach wie vor gibt es keine europäische Antwort auf die Gigafactory von Elon Musk, mit deren Hilfe der TESLA-CEO die Preise für die Batterien deutlich drücken will. Das liegt auch an DAIMLER. Das Unternehmen konnte sich mit den anderen deutschen (und europäischen) Herstellern nie einigen. So versucht man es nun alleine, im sächsischen Kamenz. Um die Preise runter zu bekommen, braucht es aber Größe. Die hat DAIMLER nicht.

 

Elftens. DAIMLER wird der Konkurrenz im Bereich der e-Mobilität vermutlich mit guten Autos entgegentreten. Allerdings werden sie bei den Preisen nicht mithalten können – da ihre Batterien zu teuer sind. Das führt zu dem Problem, dass die Gewinne bei DAIMLER fallen könnten. Natürlich können die Stuttgarter sich wieder am Kapitalmarkt bedienen und ihren Schuldenstand erhöhen. Das machen sie allerdings ohnehin schon mehr als genug, wie der Blogger-Kollege Christian Bauduin in seiner ausführlichen DAIMLER-Analyse ausgeführt hat:

„Das Unternehmen hat viele Jahre einen negativen Kapitalfluss aus dem laufenden Geschäft. Dies bedeutet, dass das Unternehmen viel Geld in Form von neuen Schulden aufnehmen muss, um den Geschäftsbetrieb fortführen zu können.“

Schulden muss man sich leisten können. DAIMLER kann das – bislang. Ob und wie sich DAIMLER seine Schulden (rund 190 Mrd. Euro laut Bilanz 2017) auch bei steigenden Zinsen oder in der nächsten Rezession leisten kann, ist zumindest eine spannende Frage.

 

Zwölftens. DAIMLER schleppt für die neue Zeit der E-Mobilität einen großen Wasserkopf an Ingenieuren mit, den sie bald nicht mehr  brauchen können. Um diese Mitarbeiter früher als geplant zu verrenten, wird DAIMLER bald Geld in die Hand nehmen müssen. Oder sie müssen, ähnlich wie die DEUTSCHE BANK, sehr viele unzufriedene Mitarbeiter einfach durchfüttern.

 

 

Mein Fazit

 

Mich hat der Langfristchart von DAIMLER schon immer geschreckt. Der Kurs steht derzeit deutlich tiefer als vor 20 Jahren. Auch auf Sicht von dreißig Jahren ist es nicht viel passiert. Jeder DAX-ETF war in diesem Zeitraum deutlich besser. Jeder MDAX-ETF war noch besser für dein Depot. Da hilft auch die Dividende nicht viel weiter, die das Unternehmen mal erhöht, mal wieder gesenkt, aber in den meisten Jahren zumindest ausgeschüttet hat.

Die Aktie von DAIMLER ist möglicherweise in drei oder vier Jahren wieder ein Kauf, zumindest wenn du zyklische Investments magst. Dann werden wir die nächste Rezession erleben – und die Aktie von DAIMLER wird es einmal mehr in Schlussverkauf geben. Das ist das Schicksal des Automobilsektors und ein guter Grund dafür, dass die KGVs der Unternehmen in guten Jahren gerade einmal zwischen 7-10 liegen: Kommt eine Rezession, erwischt es diese Firmen oft besonders hart. Weil die Konsumenten große Käufe verschieben.

Ich gehe davon aus, dass es DAIMLER in einigen Jahren wieder zu Preisen von rund 35 Euro geben wird. Die Aktie ist in der derzeitigen Lage des Unternehmens alles andere als ein Kauf. Sie ist nach der Überzeugung von grossmutters-sparstrumpf eine klare Verkaufsempfehlung.

 

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16 Kommentare

  1. Christian Cookie

    So. Heute habe ich meine Aktien von BMW verkauft. Mit einem kleinen Minus von 3%. Das ist ok, denn ich denke, dass das Geld an anderer Stelle besser aufgehoben ist. BMW war eine meiner ersten Aktien, damals, um zu diversifizieren und einen wichtigen Teil der deutschen Wirtschaft abzudecken. Aber die Chance nach oben ist mir bei BMW zu klein im Vergleich zum potentiellen Abfall nach unten, wenn eine Krise eintritt. Das Geld steckt jetzt in Wirecard. Auch da gibt es ein Risiko nach unten, klar, aber ich sehe gute Zukunftschancen für das Unternehmen und den Aktienkurs, ungeachtet des aktuell hohen KGVs. Danke Dir, Christian, für die hilfreichen Überlegungen zu Automobil-Aktien!

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  2. Marc

    Genau richtig! Gestern kam eine Gewinnwarnung von Daimler.

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Ja, hat gut gepasst. Und auf die erste Gewinnwarnung folgt in der Regel die zweite.

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    2. AlKi

      Bei Daimler gab es vor Zetsche 2 CEO der eine wollte integrierten Technologiekonzern (Eduard Reuther glaub ich) der andere (Detlef Schremp) betrieb eine Fusion von Chrysler und Daimler (Kosename Crimler). Beide hat nicht so funktioniert wie gedacht und macht sich im Langzeitchart bemerkbar. Siehe dazu Langzeitchart VW und BMW. Weiter stellt Daimler auch Pkws und Busse her nicht nur PKW’s. Nun zu Tesla da sieht es auch nicht besonders gut aus. Andere Hersteller werden zunehmend zur Konkurrenz und dies machen Gewinne seit Jahren während Tesla nur Verluste produziert.

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  3. Klaus buhl

    Tolle Analyse, ich sehe ebenfalls noch keinerlei Zeichen für eine baldige Rezession. Auch sind die Indikatoren des von mir favorisierten inneren Markt es noch sehr positiv.

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  4. Tino

    Alles Quatsch,
    63 Monate am Stück Absatzrekord nacheinander sprechen eine andere Sprache.
    Da haben sich n paar Journalisten auf ne Schmutzkampanie ála Wulf eingeschossen und machen mit Mutmaßungen und Annahmen ganz groß Polemik gegen Daimler.
    Verlieren werden alle, außer ein paar Anwälte.
    Warum schaut unser bayrischer Verkehrsminister nicht nach BMW? …
    Im Moment werden bei Daimler mehrere Milliarden Euro für die Produktion von Elektroautos investiert, die ab nächstes Jahr auf den Markt kommen und Daimler ist so klug die Produktionslinien so flexibel zu gestalten, das alle Fahrzeuge je nach Nachfrage über die selben Bänder laufen können. Wer weiß schon wieviel E-Fahrzeuge wirklich gekauft werden.
    Ob Tesla je seine Produktion ins laufen bringt? Mit Visionen allein ist kein Geld verdient.
    Der Flaschenhals der Elekttofahrzeuge ist sowieso nicht die Produktion, sondern die Ladekapazität in den Städten.
    Wer hat’s erfunden…

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  5. Marco Dargel

    Super Analyse von Daimler und ich sehe es genauso bis auf einen wichtigen Punkt. Ich glaube nicht an einen großen Wurf der E Mobilität. Je größer der Anteil der E Autos wird, desto mehr Problem wird die Branche bekommen.

    1) Sie werden durch den Mangel an seltenen Erden ausgebremst

    2) Steuern auf Benzin: Öl für die Heizung kann man färben, Strom nicht. Wenn die Steuereinnahmen auf Benzin stark zurück gehen, wird sich der Staat etwas für E Autos einfallen lassen

    3) Einfach der Spaß mit einem E Auto, wenn man mal von Hamburg nach München möchte.

    P.S. Daimler hat auch Problem, fähige Manager einzustellen. Wenn mal durchrechnet, was Schremp, Reuter und Co so alles verbrannt haben

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  6. Michael Dierolf

    Wunderbar , sachlich und präzise beschrieben .Wenn Tesla beginnt sein Model 3 in USA in großen Stückzahlen auszuliefern ,
    dann trifft es Daimler und andere Dinosaurier Verpenner Hersteller gewaltig in Ihrem Mittelklasse Segment .
    Danach kommt Tesla in großen Stückzahlen mit dem Model 3 nach Europa .
    Und Tesla ist ja nicht der einzigste .

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  7. Frank Foerster

    Das erinnert mich an General Motors. Wenn man die Schulden nicht mehr bedienen kann geht man halt Pleite. Und weg ist das Geld.

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Diese Gefahr ist bei Automobilfirmen besonders groß. In einer Krise treten die Käufer oft ganz plötzlich in einen Käuferstreik. Die verschieben alle auf einmal den Autokauf. Die Unternehmen aber fertigen weiter – und müssen das auch tun. Sie können nur langsam auf die Krise reagieren – mit Kurzarbeit.
      Zudem müssen die Konzerne ihre Zulieferer bezahlen – zur gleichen Zeit aber kommt das nötige Geld durch Verkäufe nicht in die Kasse. Im Prinzip ist auf diese Weise jeder Autokonzern der Welt innerhalb von wenigen Monaten am Rande der Zahlungsunfähigkeit.
      So schlimm wie 2008 war es allerdings zuvor noch nie gewesen. Für die Zukunft besagt das nichts. Wir wissen nicht, wie schlimm die nächste Rezession wird. Autoaktien sind extrem riskant – und viele Autobauer waren schon mal insolvent oder am Rande einer Insolvenz.

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      1. Bernd Hansen

        Ich sehe die Situation auch kritisch. Die Entwicklung der E-Mobilität bleibt abzuwarten. Dann bleibt Daimler eventuell kaufenswert. Zur Zeit nein. Autobauer am Rande der Insolvenz sehe ich allerdings nicht. Die „Kriegskasse“ ist gefüllt.

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        1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

          DAIMLER war in der letzten Rezession am Rande der Insolvenz. Ich kenne Aktienanalysten, die fest davon ausgehen, dass es DAIMLER in der nächsten Krise heftig erwischt. Dann muss der Staat ran. Oder die Chinesen kaufen sich noch stärker bei DAIMELR ein.

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          1. Bernd Hansen

            Siehst du das Risiko auch für andere Autobauer?

          2. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

            Ich sehe keinen vernünftigen Grund, überhaupt einen Autobauer im Depot zu haben.

  8. Marc

    Du schreibst, daß wir in drei oder vier Jahren die nächste Rezession erleben werden. Hast du Hinweise, Indikatoren dazu? Würde mich sehr interessieren.

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Es gibt keine Hinweise, Marc. Derzeit. Alle Frühindikatoren die ich beobachte (Zinskurve, Ölpreis, Verbrauchervertrauen) sind derzeit positiv. Deshalb ist derzeit eine Rezession in den nächsten zwei Jahren unwahrscheinlich. Nicht unmöglich, das wäre vermessen zu behaupten.
      Danach aber wird es wieder passieren. Niemand kann derzeit sagen, wann das sein wird. Wir können auch noch bis 2025 ohne Rezession leben – niemand kann das sagen. Ich persönlich halte es sogar für wahrscheinlich dass der derzeitige Bullenmarkt in etwa die Länge des Bullenmarktes nach dem 2. Weltkrieg haben wird. Das waren 15 Jahre. Dann wäre der nächste Bärenmarkt sogar erst in sechs Jahren da.
      In der Regel argumentiere ich in meinen Texten allerdings gerne etwas vorsichtiger. Eine Rezession in den nächsten 2-4 Jahren ist in meinen Augen mindestens ebenso wahrscheinlich, wie das optimistische Szenario, dass es noch sechs Jahre dauert.
      Wenn die Indikatoren negativ drehen, dann werde ich es hier schreiben.

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