Acht Gründe Gold als Anlage zu meiden (4)

Sechster Grund: Gold lebt von Angst – von nackter Angst

 

Es gibt nur einen einzigen Punkt in meiner langen Liste die gegen das Gold als Investment sprechen, bei dem ich und die (allermeisten) Gold-Fans einer Meinung sind: Gold lebt von Angst. Das ist zwar erst der sechste Grund, der gegen Gold spricht, allerdings ist es nicht der unwichtigste. Die Angst als Kaufgrund spielt neben den boom-and-bust-cycles beim Gold und seiner Preisentwicklung die entscheidende Rolle für den Goldpreis.

 Gold lebt von Angst. Das ist nicht meine persönliche Idee. Es ist eine Standarderkenntnis der Wirtschaftswissenschaften. Hier als Beleg nur mal eine Stimme:

Gold (GLD) can be considered an indicator of economic fear and inflation expectations. Driven by these fears, gold gains during equity market turmoil. (Quelle: Market Realist)

Gold lebt von Inflation.

Gold lebt von Inflationserwartungen.

Und Gold lebt von großen ökonomischen Ängsten.

Nimmt die Inflation zu, nehmen die Inflationserwartungen zu und die ökonomischen Ängste – dann kannst du mit einem steigenden Goldpreis rechnen.

Was aber ist, wenn das alles nicht zunimmt? Was ist, wenn ökonomische Ängste und Inflationserwartungen abnehmen? Dann musst du wohl mit einem fallenden Goldpreis leben.

 

 

 

Gold lebt von Angst. Jeder Kommentar zu meinen bisherigen Goldtexten hier auf grossmutters-sparstrumpf zeigt diese Dimension von Gold nur allzu klar.

Wer für Gold ist, der hat Angst. Und verweist auf die möglichen Katastrophen, die auf uns zukommen können.

Und wer für viel Gold ist, der hat viel Angst. Und er verweist darauf, dass die Katastrophe nicht etwa möglich oder wahrscheinlich ist, sondern unabwendbar.

Ich nenne diese Angst, die nirgends größer ist als bei uns im wohlsituierten und politisch vergleichsweise ruhigen Deutschland,  german angst. Angst war es, was die Menschen Ende der 70er Jahre und Anfang der 80er zum Gold trieb. Die horrende Inflation dieser Zeit zusammen mit der stark steigenden Arbeitslosigkeit schienen für die Zukunft das allerschlimmste zu verheißen. Schien. Es kam anders.

Angst hat dem Gold auch nach der Great Recession (2008/09) den entscheidenden Schub gegeben, der es nachhaltig über die 1.000-Dollar-Marke getrieben hat. Vor Beginn der Krise, im Januar 2007, notierte Gold gerade einmal bei 640 Dollar.

 

Was folgte in den 80er Jahren auf die Angst?

 

Auf die Angst folgte nach 1980 eine lange Phase der Beruhigung. Der stark steigende Ölpreis hatte die Volkswirtschaften Europas und der USA in eine hohe Inflation getrieben. Es hatte mehrere schwere  Rezessionen ausgelöst. Damit war es ab 1982 vorbei. Die Inflation in den USA wie in Deutschland ging zurück. Die Wirtschaft lief wieder besser. Am wichtigsten aber: Der Ölpreis stieg nicht mehr. Er fiel sogar. Und mit ihm fiel der Preis fürs Gold.

Die unlösbar erscheinenden ökonomischen Probleme gingen – und damit verschwand nach und nach die Angst.

 

Was folgt diesmal auf die Angst?

 

Ich gehe davon aus, dass wir auch diesmal eine Beruhigung der Lage erleben werden.

Das Öl. Der Ölpreis ist wieder niedrig – nach den enormen Exzessen in den Jahren 2006/07 und 2011-2014, als Öl deutlich über 100 Dollar notierte.

 Das Wachstum. Die Wachstumsraten steigen derzeit weltweit an. Für 2018 gehen die Prognosen nun schon von 4 Prozent aus.

Die Zinsen. Die Zinsen kehren langsam wieder zurück, bleiben aber auf einem historisch sehr niedrigen Niveau.

Der Euro. Ist noch immer da und funktioniert gut. Dabei haben doch schon so viele Wirtschaftsprofessoren den baldigen Niedergang und ein folgendes Chaos vorhergesagt. Mario Draghi hat das in Abstimmung mit Frankreich und Deutschland zu verhindern gewusst.

 

Ist die Krise vorbei?

 

Wir leben noch immer in der Nachkrisenzeit. Das alles hat immerhin zehn lange Jahre gedauert. Und es hat Spuren hinterlassen. Viele Menschen, gerade in Deutschland, haben noch immer Angst. Hier in Europa kam die schwere Krise des Euro zu allen anderen Problemen hoch hinzu.

Mit der Rückkehr der Zinsen (in den USA sind sie nie verschwunden) und des Wachstums und mit einer weiter sinkenden Arbeitslosigkeit auch in Europa, bekomme wir zunehmend – Normalität.

Schwere Wirtschafts- und Finanzkrisen verunsichern Menschen. Diese Verunsicherung wird in den nächsten Jahren spürbar nachlassen. Und mit ihr die Angst. Weicht die Angst, dann leidet das Gold. Dies ist ein weiteres politisches Risiko, das du mit einer Anlage in Gold trägst.

Sind damit jetzt schon alle politischen Risiken genannt? Nein – noch immer nicht. Es kann ja auch passieren, dass einige besonders günstige Förderländer für Gold in den nächsten Jahren ihre Produktion deutlich erhöhen. Dazu braucht es berechenbare politische Verhältnisse und eine bessere Infrastruktur in den betreffenden Ländern. Das alles ist derzeit nicht sehr wahrscheinlich. Derzeit! Was aber ist in fünf oder zehn Jahren?

 

Foto: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Iamgold

 

Siebter Grund: Neue günstige Fördermöglichkeiten von Gold

 

Gold kann günstig nur im Tagebau gefördert werden. Das geht zum Beispiel in Mali. Dort verhindert derzeit die instabile politische Lage angesichts der Bedrohung durch islamische Milizen die Erschließung weiterer Vorkommen. Derzeit. Das kann sich in einigen Jahren ändern.

Das ist das vierte politische Risiko, wenn du dein Geld in Gold anlegst –und es ist nicht das Geringste. Ich persönlich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Afrika in den nächsten zwei Jahrzehnten den ehemals bettelarmen Ländern Asiens (China, Indien, Indonesien, Vietnam) folgt und eine positive wirtschaftliche und politische Entwicklung nimmt.

In Mali kann Gold mit Kosten von nur 300-400 Dollar aus dem Boden geholt werden. Dieser Wert kann sogar noch sinken. Eine bessere Infrastruktur und technische Fortschritte in der Förderung und billigere Energie könnten zum Beispiel dazu führen. Könnten. Dazu bedarf es tiefgreifender Veränderungen in diesen Ländern.

 

Gold als Beiprodukt

 

Gold wird auch als Beiprodukt in Kupferminen billig gefördert, wie zum Beispiel der Mine Salobo (Brasilien), die Im Besitz des Unternehmens VALE ist.

Wie günstig? Vale verkauft sein Gold für 400 Dollar. Die Förderkosten sind noch niedriger. Immerhin geht es hier um den Abbau von Kupfer. Gold wird nur nebenbei mitgefördert. Auch eine erhöhte Förderung von Kupfer kann also zu einer höheren Produktion von sehr billigem Gold führen.

 

 

Achter Grund: Gold zahlt keine Dividende.

 

Mir persönlich reicht schon der Chart oben, um Gold als Anlage derzeit zu meiden. Leicht zu erkennen ist, dass sich Gold seit nunmehr vier Jahren seitwärts bewegt. Das kann noch sehr lange so bleiben, obwohl ich vermute, dass es sich wieder auf den Weg nach Süden machen wird. Da wo es herkommt.

 

Was hat Gold gebracht?

 

Wenn du in den letzten Jahren in Gold investiert warst, dann hast du wenig verdient. Vom Jahr 2010 an gerechnet stehen Goldinvestments (in Dollar) derzeit bei einem Plus von 17,6 Prozent.

Der S&P 500 (in Dollar) hat in dieser Zeit um 130 Prozent zugelegt – ohne Dividenden. Die kommen noch hinzu. Sie erhöhen den Gewinn auf 162 Prozent. Das ist der letzte Punkt, der gegen das Gold als Investment spricht. Es zahlt keine Dividende. Schon alleine deshalb ist Gold in meinen Augen kein Investment.

 

Unternehmen wachsen – Gold nicht

 

Du kannst eine Tonne Gold besitzen und sie viele Jahre unberührt liegen lassen. Nach 20 oder 30 Jahren wird es immer noch genau eine Tonne Gold sein. Nicht mehr. Nicht weniger.

Hast du dein Geld aber in Aktien von APPLE oder STARBUCKS angelegt, dann wirst du nach 20 oder 30 Jahren nicht mehr dasselbe Unternehmen vorfinden. Es hat neue Produkte entwickelt. Es hat in all den Jahren sehr viel Cash eingenommen. Und es hat dir in der ganzen Zeit auch noch eine Dividende gezahlt. Und nicht nur das. Diese Dividende ist zudem auch noch von Jahr zu Jahr gestiegen. APPLE erhöht seine Auszahlung derzeit pro Jahr um 11 Prozent.

 

Dividenden sind gut – steigende Dividenden sind besser

 

Nach 20 Jahren bekommst du also eine deutlich höhere Dividende als heute. 10.000 Euro in APPLE bringen dir derzeit eine Dividende von 143 Euro. Steigt die Zahlung im gleichen Tempo weiter, dann bekommst du in 20 Jahren bereits 1.038 Dollar. Jahr für Jahr. Du hast in all den Jahren auch schon beinahe so viel Dividenden bekommen, wie du für die Aktie einmal bezahlt hast – genau 9.080 Euro.

Du hast Angst, dass APPLE bis dahin pleite ist oder möchtest dich nicht gerne auf eine einzige Aktie verlassen? Gut, dann schauen wir, was aus deinem Geld wird, wenn du es ganz einfach in den Index steckst. Keiner weiß natürlich, wie dieses Spiel in den nächsten 30 Jahren ausgeht. Ich habe mir aber mal die Zahlen für die letzten 30 Jahre angeschaut. Die geben einen guten Anhaltspunkt dafür, was von Gold zu erwarten ist. Und was nicht.

 

Die harten Fakten: Gold macht dich arm

 

Gold hat in dieser Zeit um ziemlich genau 300 Prozent zugelegt. Dividenden gab es nicht. Stattdessen hohe Lagerkosten. Was nach der Inflation und den Kauf- den Verkauf- und den Lagerkosten übrig bleibt von deinem Gewinn? Im Zweifelsfall – nichts. Oder du hast Verlust gemacht.

Aktien (S&P 500) haben in den letzten 30 Jahren um 1.200 Prozent zugelegt. Addiert man die Dividenden hinzu – und es gab sie reichlich – dann sind das schon 2.600 Prozent Gewinn.

Und die Lagerkosten? Die sind sehr gering, wenn du nicht ständig kaufst und verkaufst, sondern einfach investiert bleibst.

 

In Heller und Pfennig

 

Prozentzahlen sind für mich immer schlechter zu verstehen als Geldbeträge. Vielleicht geht das ja auch dir so. Also kommt hier das ganze noch einmal, diesmal in Heller und Pfennig. So sieht die Rechnung für dich bei einer Anlage von 10.000 Euro in Gold aus:

 

10.000 Euro

+ 30.000 Euro

= 40.000 Euro

 

Die Rechnung für Aktien:

10.000

+ 260.000

= 270.000 Euro

 

 

Mein Fazit

 

Ich werde auch weiterhin nicht in Gold investieren. Gold hat in grossmutters-sparstrumpf also nichts verloren. Der Grund ist ganz einfach. Er lautet: Rendite. Sie ist für Gold einfach zu schlecht. In den meisten Fällen ist sie, inflationsbereinigt und alle Kosten mit eingerechnet, sogar negativ. Auch Goldminen-Aktien steigen dauerhaft nicht im Kurs und sind deshalb kein Investment.

Einen Gewinn mit Gold machen in der Regel nur die Anleger, die in einem bestehenden Aufwärtstrend von Gold in Gold selber oder in Goldminen  investieren. Sie müssen allerdings bereit sein, in der absoluten Gold-Euphorie (1980, 2011), wieder zu verkaufen. Das gelingt nur den wenigsten.

Gold lebt von Angst. Mehr Angst führt zu einer höheren Nachfrage. Die löst eine erhöhte Produktion aus. Das wiederum zieht einen boom-and-bust-cycle nach sich. Derzeit leben wir im Bereich des bust. Und mit einer abnehmenden weltweiten Verunsicherung.

Deshalb bleibt es in meinen Augen dabei: Gold macht dich arm!

 

Wenn du keinen Beitrag mehr verpassen willst, dann bestell doch einfach den Newsletter! So wirst du jedes Mal informiert, wenn ein neuer Beitrag erscheint!

 

 

Mehr lesen

 

Gold als Investment – Fakten und Fantasie. von Gerd Kommer

Teil I.: Wie hoch war die historische Goldrendite wirklich?

Teil II.: Was ist dran an gängigen Ideen zu Gold?

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.