Ethisches Investieren – wie der Norwegische Staatsfonds sein Geld anlegt

Von Clemens Bomsdorf

 

Der nachfolgende Text ist der überarbeiteten Neuausgabe des Buches „So werden Sie reich wie Norwegen: Genial einfach ein Vermögen aufbauen“ von Clemens Bomsdorf entnommen. Clemens Bomsdorf hat sich intensiv mit der Anlagepoltik des Norwegischen Staatsfonds auseinandergesetzt und mit den ethischen Kriterien, die der Staatsfonds anwendet.

 

Finanzieller Erfolg wird in Prozent oder Euro ausgedrückt. Norwegen achtet jedoch darauf, nicht um jeden Preis Gewinne zu machen, sondern bei der Geldanlage selbst auferlegte ethische Richtlinien einzuhalten. Dass muss sich nicht negativ auf die Rendite auswirken. Auch Sie können bei Ihren Investitionen Rücksicht nehmen und Ihren persönlichen ethischen und moralischen Vorstellungen gemäß nachhaltig handeln. Der Finanzmarkt hält hierfür passende Produkte bereit – ganz im Sinne der Anlagestrategie nach der norwegischen Finanzformel.

 

Ab auf die schwarze Liste

 

Für den norwegischen Ölfonds hat das Finanzministerium ethische Richtlinien erlassen, die bei den Investitionen zu befolgen sind. Denn es reicht nicht, dass es als legal gilt, was ein Unternehmen macht; die Geschäftspraktiken sollen ethisch-moralischen Wertvorstellungen genügen. Als inakzeptabel gelten:

  • umfassende oder systematische Verletzung der Menschenrechte
  • starke Umweltverschmutzung
  • starke Abhängigkeit vom Energieträger Kohle
  • übermäßiger Ausstoß von Klimagasen. Das könnte schon unter das Umweltverschmutzungskriterium fallen. Dass die Richtlinien des Fonds diese Emissionen explizit einzeln auflisten, macht deutlich, dass dem Schaden dadurch besonders viel Bedeutung beigemessen wird und es völlig klar sein soll, dass es sich um inakzeptable Umweltverschmutzung handelt. Andererseits gibt es Spielraum bei der Definition von »übermäßig«.
  • Produktion bestimmter Waffentypen wie Streubomben. Waffenhersteller sind also nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
  • Herstellung von Tabakprodukten
  • Schwere Korruption. Auch hier gibt es also Spielraum bei der Definition, es obliegt der Zentralbank, zu entscheiden, wann ein Fall bedeutend genug ist, um ein Unternehmen auszuschließen.

So investiert der Ölfonds beispielsweise nicht in Unternehmen, die an der Produktion von Streuwaffen oder Atombomben beteiligt sind (dazu zählen übrigens auch die Flugzeughersteller Boeing und Airbus), gegen grundlegende Arbeitnehmerrechte verstoßen oder durch Kohlekraft den Klimawandel beschleunigen. Man kann darüber streiten, ob die genannten Kriterien ausreichen, in jedem Fall sind sie ein Anfang.

Wenn Unternehmen gegen die ethischen Richtlinien des Ölfonds verstoßen, kommen deren Aktien oder Anleihen auf eine schwarze Liste, über deren Zusammensetzung der fünfköpfige Ethikrat entscheidet. Heutzutage bestimmt die norwegische Zentralbank – bis 2015 war es noch das norwegische Finanzministerium –, ob ein Ausschluss wirklich stattfindet, und veröffentlicht die schwarze Liste im Internet. Der Ölfonds stößt die entsprechenden Anteile in der Folge ab beziehungsweise kauft diese gar nicht erst. Die schwarze Liste wird laufend ergänzt und wächst beständig.

 

 

Fünf bekannte ausgeschlossene Unternehmen

 

Zu den Unternehmen, in die Norwegen derzeit aus verschiedenen ethischen Gründen nicht investiert, gehören:

  1. Tata Power, der größte Stromanbieter Indiens, der vom Mischkonzern Tata dominiert wird (Ausschluss wegen starker Abhängigkeit vom Energieträger Kohle)
  2. Lockheed Martin, US-amerikanischer Rüstungs- und Technologiekonzern (wegen der Beteiligung an der Atomwaffenproduktion)
  3. Honeywell International, großer US-amerikanische Mischkonzern (wegen der Beteiligung an der Atomwaffenproduktion)
  4. Airbus, europäischer Flugzeugbauer (wegen der Beteiligung an der Atomwaffenproduktion)
  5. Boeing, US-amerikanischer Flugzeugbauer (wegen der Beteiligung an der Atomwaffenproduktion)

Eine aktuelle Übersicht liefert der Ölfonds online unter www.nbim.no/en/responsibility/exclusion-of-companies/

 

 

Die Macht des Großaktionärs

 

Mit dem Ausschluss aus dem Ölfonds versucht Norwegen, die Unternehmen an ihrer empfindlichsten Stelle zu treffen: indem es ihnen den Geldhahn zudreht. Denn nichts anderes bedeutet es, wenn ein Investor nicht bereit ist, Anteile an einem Unternehmen zu kaufen. Wenn die Norweger kein Kapital (mehr) zur Verfügung stellen, heißt das, von einem der größten Investoren der Erde boykottiert zu werden. Es gibt bei Kapitalerhöhungen also einen kaufkräftigen Investor weniger und damit stehen die Chancen schlechter, sich an der Börse zu einem guten Preis frisches Geld zu besorgen.

Die schwarze Liste ist die wohl bekannteste Ausprägung der Ethik des norwegischen Ölfonds. Das Management des Fonds nimmt aber auch auf die Unternehmen, deren Anteile es hält, direkten Einfluss – oder versucht es zumindest, indem es auf Hauptversammlungen das Stimmrecht ausübt.

 

 

Ein Ökofonds im Ölfonds

 

Seit 2009 investiert der Ölfonds aufgrund politischer Vorgaben einen sehr kleinen Anteil des Vermögens gezielt nach Umweltkriterien. Es gibt sozusagen eine Art Fonds im Fonds. Ende 2019 waren 6,3 Milliarden Euro, also rund 0,9 %, des Aktienvolumens, in Anteilen an Unternehmen angelegt, die sich mit alternativen Treibstoffen oder der Ressourcenschonung beschäftigen. Zu den bekannteren unter ihnen zählen beispielsweise die ursprünglich aus Deutschland stammende Linde, Enel aus Italien oder der Elektroautohersteller Tesla. Anteile an diesen Unternehmen sind auch im klassischen Aktienanteil enthalten – dann aber nicht als spezielle Umweltinvestments, sondern, weil diese Unternehmen zu den Märkten zählen, in die der Ölfonds investiert. Im Jahr 2019 wurde mit den Öko-Investments im Vergleich zum Gesamtaktienanteil des Ölfonds eine klare Überrendite erzielt. Das Umweltportfolio stieg um 35,8 % während alle Aktien im Fonds im Schnitt 26 % zulegten.

 

Ethisches Investieren für Privatanleger

 

So wie der Ölfonds gewisse Standards wahren möchte, geht es auch vielen Privatanlegern. Nicht alle Menschen mögen Kohleproduzenten oder Fluggesellschaften Kapital zur Verfügung stellen, schließlich verdienen diese letztlich mit besonders klimaschädlichem Verhalten. Waffenproduzenten oder Zulieferer zur Atomenergieindustrie sind erst recht nicht jedermanns Sache. Dann gibt es noch die Unternehmen, die Gewerkschaften die Arbeit schwer machen, und jene, die auf problematische Art Steuern vermeiden. All das mag im jeweiligen Land legal sein, ist vielen privaten Investoren aber nicht recht. Wie der Ölfonds haben auch Sie gewisse Möglichkeiten, nicht all diese Unternehmen zu stützen.

Wenn Sie nur in Einzelaktien investieren, ist das relativ unkompliziert: Sie wählen einfach nur aus denen, deren Geschäftsmodell Sie akzeptieren können. Bei ETFs, der bevorzugten, weil preiswerten diversifizierten Anlagevariante für Privatanleger, ist das etwas anders. Diese investieren zunächst einmal in alle Papiere eines Index. So sind Sie als Investor stets gezwungen, über den ETF alle Unternehmen, die zum Beispiel im MSCI Germany vertreten sind, zu kaufen und diesen so Geld zur Verfügung zu stellen. Dabei gibt es viele Gründe, gerade das nicht zu wollen, und die häufigsten dürften ethischer Natur sein.

Doch zum Glück gibt es mittlerweile nachhaltige oder ethische ETFs. Wie beim Ölfonds gelten für diese Kriterien, die dazu führen, dass sie in gewisse Unternehmen nicht investieren. Letztlich sind es die Indexanbieter, die diese Spezialform ihrer Indizes erstellen. Die von MSCI mit dem Kürzel SRI (Socially Responsible Investment, also sozial verantwortliche Anlage) gekennzeichneten Indizes schließen Unternehmen aus, die in den folgenden Bereichen tätig sind:

  • Alkohol
  • Atomenergie
  • gentechnisch veränderte Organismen (GVO/GMO)
  • Glücksspiel
  • militärische Waffen
  • Pornografie
  • Tabak
  • zivile Schusswaffen
  • Kohlekraft

Üblicherweise sind nicht nur die Produzenten der Produkte ausgeschlossen, sondern auch Unternehmen, die mit dem Verkauf der entsprechenden Güter mehr als 5 % ihres Umsatzes erzielen. Damit würde also nicht nur ein Alkoholproduzent exkludiert, sondern ebenso ein börsennotierter Großhändler, der einen nicht unerheblichen Teil seiner Einnahmen aus dem Verkauf von Alkoholika erzielt.

Hier geht MSCI zum Teil strikter, zum Teil weniger strikt vor als der Ölfonds. Zum Beispiel haben die liberalen Norweger keine Probleme damit, einen kleinen Anteil am Flensburger Erotikunternehmen Beate Uhse zu halten (der finanziell allerdings kein gutes Investment war – Beate Uhse meldete Ende 2017 Insolvenz an) oder in Alkoholproduzenten investiert zu sein. Dafür schließt Norwegen Kohleproduzenten aus, ist aber bei Waffenherstellern nicht ganz so streng.

Letztlich ist Ethik natürlich auch eine Frage der eigenen Werte. Je höher die Ansprüche, desto schwieriger dürfte es sein, ein Produkt zu finden, das diese erfüllt. In jedem Fall ist der Kauf von MSCI SRI ein erheblicher Fortschritt gegenüber dem Investment in den gesamten Index.

Auch wenn die Stiftung Warentest bemängelt, dass MSCI nicht so transparent ist, wie es wünschenswert wäre, ist der Kauf eines SRI ETF, also eines ethischen Anlageprodukts, dem eines gewöhnlichen ETF klar vorzuziehen.94 MSCI bietet diverse weitere und speziellere Nachhaltigkeitsindizes an. So zum Beispiel den Globalen Umweltindex (MSCI Global Environment Index), der nur Unternehmen enthält, die mindestens die Hälfte ihres Umsatzes mit alternativen Energien, nachhaltiger Wasserwirtschaft, ökologischem Bauen oder Abgasvermeidung oder -reinigung verdienen.

 

Die Performance

 

Was die Performance angeht, hat sich der MSCI World SRI seit Auflegung im Herbst 2007 um jährlich fast 1 % besser entwickelt als der entsprechende Index ohne ethische Komponente. Das liegt unter anderem daran, dass die ethische Variante 2008 nicht so stark gefallen ist, 2009 aber dennoch stärker zulegte als der klassische Index. Bezogen auf die vergangenen zehn Jahre ist die jährliche Performance nahezu identisch, in den vergangenen fünf Jahren lag die ethische Variante aber wieder deutlich vorne.

Ein Blick auf andere Indizes in ethischer und klassischer Ausführung legt nahe, dass die Abweichungen so gering sind, dass diese von der Höhe her durchaus mit dem üblichen Tracking-Error vergleichbar sind. Nichts deutet daraufhin, dass es zu einer spürbaren Underperformance kommen sollte. Eher liegen ethische Indizes leicht vorn. Je spezieller der Index, desto größer die Performanceunterschiede. So weicht der Globale Umweltindex von MSCI zum Teil deutlich von dessen Ursprungsindex, dem MSCI ACWI IMI, ab. Auf lange Sicht – seit Auflegung im Herbst 2008 – ist die durchschnittliche jährliche Performance fast identisch, bezogen auf die vergangenen fünf Jahre allerdings deutlich stärker (Stand 30. April 2020; der Elektroautohersteller Tesla bildet mit 17 % mit Abstand das stärkste Gewicht im MSCI Umweltindex und hat entsprechend viel Einfluss auf den Indexverlauf.).

 

 

Ihr Ökofonds im Fonds

 

Der norwegische Ölfonds hat, wie bereits erwähnt, eine Art Fonds im Fonds eingerichtet, der nach Umweltkriterien investiert. Als Privatinvestor könnten Sie ähnlich vorgehen und beispielsweise einen kleinen Anteil in spezielle Einzelaktien investieren. Das bietet sich aus zwei Gründen an:

Um Unternehmen, die Ihrer Meinung nach besonders ethisch wirtschaften, mehr Kapital zur Verfügung zu stellen, als es gemäß passivem Investment angemessen wäre: In dem Fall nutzen Sie einen kleinen Anteil Ihres Zukunftsfonds, um gezielt Unternehmen nach ethischen Kriterien auszuwählen und sich an deren Finanzierung zu beteiligen. Natürlich wollen Sie auch damit Rendite erwirtschaften. Ein derartiges Investment ist mit dem Umweltportfolio des Ölfonds vergleichbar. Auch dazu gibt es spezielle ETFs, zum Beispiel auf Unternehmen im Umweltsektor (siehe Index-Beispiel oben) oder Sie könnten Einzelwerte selber wählen, zum Beispiel die in Deutschland gehandelte Umweltbank.

Achten Sie darauf, wie der Ölfonds nur einen kleinen Teil so speziell zu investieren. Als einzelner Aktionär werden Sie kaum ein spürbares Engagement vornehmen können, aber je mehr Leute ähnlich handeln, desto stärker merken es die Unternehmen. Und vielleicht schaffen Sie es ja wie der Ölfonds, andere zu inspirieren. Denkbar wäre auch, sich finanziell dort zu beteiligen, wo schon mit kleineren Summen mehr erreicht werden kann, etwa an kommerziellen Crowdfunding-Projekten. Hier würde nicht mehr an den klassischen Börsen investiert, aber in gewisser Weise noch dem Ölfondsgedanken gefolgt, denn der erlaubt für die Umweltinvestitionen auch eine Abweichung vom Index.

Um wie der Ölfonds auf Hauptversammlungen Stimmrecht und damit Einfluss auszuüben: Als Besitzer von ETFs können Sie anders als der Ölfonds auf den Hauptversammlungen nicht abstimmen. Das Stimmrecht darf nur das ETF-Management wahrnehmen. Um Kontrolle und Einfluss auf Unternehmen auszuüben, ist es aber notwendig, eine Stimme zu haben. Anders als ETFs ermöglichen Einzelaktien dies. Denn einzelne Privatinvestoren halten so gut wie nie genug an einer börsennotierten AG, um ein entscheidender Faktor bei Abstimmungen zu sein. Dazu muss man schon unermesslich reich sein. Weil jedoch jeder Einzelaktionär – und sei er noch so klein – an der Hauptversammlung teilnehmen und dort reden kann, hat er über seinen kleinen Stimmanteil hinaus ein gewisses Machtpotenzial.

So wie der Ölfonds versucht, verstärkt in saubere Unternehmen zu investieren, können Sie mit einem kleinen Anteil Ihres persönlichen Fonds gezielt Aktien von Unternehmen kaufen, auf deren Geschäftspraxis Sie Einfluss ausüben wollen. Manche mögen diesen Ansatz als naiv abtun, doch es kann durchaus mit wenig investiertem Geld etwas bewirkt werden. So gibt es in Deutschland börsennotierte Unternehmen, welche die Presse auf ihren Hauptversammlungen ausschließen; Aktionären aber müssen sie Zutritt gewähren.

Als im Sommer 2017 der deutsche Waffenhersteller Heckler & Koch seine Aktionäre einlud, waren keine Journalisten dabei, der Kleinaktionär Jürgen Grässlin aber schon. Er thematisierte vor Ort problematische Geschäftspraktiken und erreichte mit Berichten darüber in der überregionalen Presse womöglich mehr Aufmerksamkeit als eine kleine Wirtschaftsnachricht eines anwesenden Journalisten. Grässlin arbeitet mit dem Verband der Kritischen Aktionäre zusammen. Dieser setzt sich dafür ein, dass bestimmte gesellschaftliche Fragen von Großunternehmen jedenfalls nicht vollständig ignoriert werden können. Das ist im Kleinen vergleichbar mit dem, was der Ölfonds im Großen mit seinen Positionspapieren und Anfragen an die Unternehmen macht. In diesem Fall wird also gezielt in ein Unternehmen investiert, um es zu beeinflussen, statt es – so wie es mit der schwarzen Liste des Ölfonds geschieht – zu boykottieren.

 

Alles klar? Wie Sie Ihre ethisch-moralischen Vorstellungen mit Ihrem Investment in Einklang bringen

 

  1. Geben Sie sich nicht damit zufrieden, die Standardprodukte zu wählen, die einen Index ohne jegliches Nachhaltigkeitskriterium einfach nachbilden.
  2. Wählen Sie stattdessen Varianten, die bestimmte Sektoren ausschließen und zusätzlich nach dem Klassenbesten-Prinzip vorgehen. Bei ETFs, die sich auf Indizes von MSCI beziehen, sind diese mit dem Kürzel SRI versehen, ESG wird verwendet, wenn lediglich das Klassenbesten-Kriterium zählt.
  3. Überlegen Sie, eine kleine Summe Ihres Geldes einzusetzen, um Ihren Werten ganz bewusst Gehör zu verschaffen, etwa indem Sie Stimmrechte an die Kritischen Aktionäre übertragen.
  4. Seien Sie selbst immer ein kritischer Kapitalanleger und halten Sie sich über die Medien auf dem Laufenden, was in der Weltwirtschaft so geschieht – das hilft auch, Marktbewegungen besser zu verstehen.
  5. Darüber hinaus können Sie wie der Ölfonds einen geringen Anteil Ihres Zukunftsfonds gezielt in Unternehmen stecken, die Sie nach ganz bestimmten, zum Beispiel ökologischen Kriterien ausgewählt haben.

 

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5 Kommentare

  1. Kuss

    Der Staatsfonds hat doch einen Ausgangspunkt, der Ethik mit Füßen tritt: Möglichst viel Öl und Gas fördern und verkaufen, solange es noch geht. Die klimaschädlichen Öl- und Gasvorkommen monetarisieren solange sie noch was wert sind. Und sich dann damit brüsten in ethisch korrekte Wertpapiere und Anlagen zu investieren. Das ist leicht zu durchschauende Heuchelei. Ethisch wäre es, den Kram in der Erde zu lassen und den Wert der Vorräte abzuschreiben. Aber dann wäre Norwegen der Pleite nahe und könnte sich nicht mehr als Moralapostel aufspielen.

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  2. Michael

    „So sind Sie als Investor stets gezwungen, über den ETF alle Unternehmen, die zum Beispiel im MSCI Germany vertreten sind, zu kaufen und diesen so Geld zur Verfügung zu stellen.“

    Nein. Wenn ich einen (Aktien-)ETF oder eine Aktie kaufe, gebe ich nicht dem Unternehmen mein Geld, sondern (vereinfacht) dem vorigen Wertpapierinhaber. In der Regel ist das auch irgend ein Insti. Ein Unternehmen bekommt Geld, wenn es Umsatz macht, Kredite aufnimmt, Anleihen ausgibt oder Anteile verkauft bzw neue Aktien ausgibt. In der Position dass man direkt Aktien vom Unternehmen erhält dürfte man als Privatanleger eher weniger sein.

    Ich habe noch ein anderes Problem mit diesem Text. Einfach auf ESG oder SRI zu schauen erscheint mir zu blauäugig. Da braucht man bloß einmal in die größten Positionen des Fonds reinschauen. Es sind immer die üblichen Verdächtigen drin, also genau dieselben wie in ETFs ohne diese Kategorien.
    Da ESG und SRI recht schwammig definiert sind, verwundert das auch nicht. Da bleib ich lieber bei den Normalo-ETFs und freue micht einerseits über geringere Fondsgebühren und andererseits darüber dass zB BlackRock in Zukunft die eigene Stimm(rechts)gewalt dazu nutzen will, auch Nachhaltigkeitsziele ein wenig anzuschubsen. So zumindest wurde es kommuniziert.

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  3. Moreth

    Der Beitrag war sehr informell und aufschlussreich! Danke!

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  4. Kerstin

    Ja, vielen Dank, Christian. Bei den meisten meiner Aktienkäufe achte ich daran, dass sie zu meinen ethischen Grundsätzen passen. Manchmal schaue ich aber auch nicht so genau hin, dann ist die Gier größer. Dein Artikel hat mich noch mal daran erinnert, wie meine Doppelmoral tickt…

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  5. Michael Dierolf

    Sehr guter Artikel , danke dafür

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