Eine Leserzuschrift: Ich habe in der Korrektur verkauft – und 20 Prozent verloren

Gastbeitrag

von Florian (38), München

Hallo zusammen,

erst einmal schön, dass es wieder so viele Beiträge auf deinem Blog gibt und toll, dass jetzt soviel diskutiert wird.

Ich sehe die Frage, was man in einer Korrektur tun sollte, ähnlich wie Christian. Ich habe 2015 und 2016 in der Doppelkorrektur zwei Mal mein Depot verkauft, um dann am Jahresende folgendes festzustellen: Hätte ich einfach mal nichts gemacht, wäre ich jetzt bei 0 und nicht bei -20%. Deswegen kann ich die These „einfach mal auf sein Bauchgefühl“ hören, nicht bestätigen, weil es doch gerade das Bauchgefühl ist, was den Privaten die Verluste bereitet.

In Panik verkaufen = teuer!

Gerade in einer solchen Marktphase spielen die Institutionellen Anleger meiner Meinung nach mit den Privaten. Die Privaten werden solange verunsichert, bis sie Ihre Anteile genervt und gedemütigt und frustriert zu jedem Preis auf den Markt schmeißen, damit dann „die ruhigen Hände“ alle tollen Firmen im Sonderangebot oder sogar im Supersonderangebot einsammeln können. Und die privaten Anlegerinnen und Anleger weinen dann bei steigenden Kursen ihren billig verkauften Aktien hinterher.

Wenn sich die Kurse dann wieder stabilisiert haben, kauft der Privatinvestor seine Positionen zurück, sagt sich „diesmal wird alles besser und hat auf diese Wiese mal eben 10-15% seines angelegten Geldes in den Sand gesetzt.

Hattest du nicht mal die Kurve mit dem typischen Verhalten des Privatinvestors auf eine deine Seiten gestellt? So ist es halt einfach. Bei Optimismus (also teuer) einsteigen -> bei Panik (also günstig) alles abstoßen -> dann wieder bei Optimismus (teuer) einsteigen. Selbst wenn diese Korrektur jetzt in einen Bärenmarkt übergehen sollte, bieten sich bestimmt bessere Ausstiegszeitpunkte als in der größten Panik, z.B. in 3 Monaten, wenn der Rauch verzogen ist. Gabs bis dahin immer noch keine nennenswerte Erholung, kann man ja mal über einen Verkauf nachdenken.

Ich lasse mich vom Markt auf jeden Fall nicht nochmal veräppeln.

VG Florian

Eine Antwort

Danke Florian, für deine sehr ehrliche Zuschrift. Ich habe die Grafik von der du gesprochen hast hier oben eingestellt. Viele Privatanleger kaufen in der Euphorie (Area of Maximum Financial Risk) und verkaufen in der Panik oder im Bereich der Kapitulation (Area of Maximum Opportunity). Das ist – logisch. So sind Menschen. Sie lassen sich von den Gefühlen anderer anstecken. Klar.

Und es führt jedes Mal zu hohen Verlusten, die der Langfristanleger macht. Auch klar.

Ich werde hier auf grossmutters-sparstrump und auch in der Facebook-Börsengruppe „Kleine Finanzzeitung“ weiterhin dafür eintreten, dass Anlegerinnen und Anleger in der Area of Maximum Opportunity kaufen. Oder zumindest ihre Aktien weiter halten. Alles andere ist – für Langfrsitanleger! – unverantwortlich. Trader können und müssen das anders machen. Ebenfalls klar.

Das Problem bei der ganzen Sache ist: Jeder der es geschafft hat unten zu kaufen und oben zu verkaufen, brüstet sich damit im Fernsehen, im Internet, auf Facebook, im Radio und in der Bildzeitung. Aber beinahe jeder, dem das umgekehrte passiert ist, schweigt. Deshalb habe ich mich über deine Zuschrift so sehr gefreut.

Und da Ehrlichkeit belohnt werden sollte, mache ich dir folgenden Vorschlag: Du bekommst eine Grats-Eintrittskarte für das nächste Geld-Seminar von grossmutters-sparstrumpf am 30. März. Wenn ich deine Zuschrift dann auch noch in der Facebook-Aktiengruppe „Kleine Finanzzeitung“ verwenden dürfte, dann würde mich das sehr freuen. Oder auch als Beitrag hier auf dem Blog.

Eine gute Zeit wünscht

Christian Thiel

Ein Nachtrag von Florian

Eins will ich noch loswerden! Bevor man sich entscheidet sein Depot leer zu räumen, sollte man sich folgende Fragen stellen:

  1. Bin ich wirklich der Meinung, dass der Markt jetzt crasht? Und ist z.B. Apple, das vor 3 Monaten noch über den grünen Klee gelobt wurde jetzt wirklich auf einmal 30% weniger wert? Hab ich irgendein Verfahren an der Hand (Fundamentaldaten, Charttechnik, oder sonstwas), mit dem man einen Chrash mit ausreichend hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen kann (und ich meine jetzt nicht diese sogenannten Finanzprofis, die sowieso immer einen Chrash vorhersagen), weil in keinem anderen Szenario macht ein Ausstieg Sinn. Und was mache ich, wenn doch kein Crash kommt? Wie Du es ja auch schon oft geschrieben hast, ist ein echter Crash nämlich ziemlich unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich.
  2. Wann steige ich wieder ein? Ich muss ja, um Gewinn zu machen, tiefer einsteigen, als ich vor Wochen ausgestiegen bin. Bin ich wirklich mental dazu in der Lage, wenn alle den Weltuntergang vorhersagen, dass ich dann das Depot zu 100% wieder befülle? Und was mache ich, wenn es dann nochmal 20% oder mehr nach unten geht?
  3. Was machen gerade die Profis? Was machen Warren und Kollegen? Hat Warren Buffet aktuell auch nur eine Aktie verkauft (Hat er?)? Haben Jeff Bezos oder Tim Cook Anteile Ihrer Unternehmen verkauft, weil der Markt gerade etwas holprig ist und sie jetzt um die Existenz Ihrer Unternehmen fürchten müssen?

Solange der Kapitän ruhig bleibt, sollte es sich doch lediglich um ein paar kleinere Turbulenzen handeln (außer er ist verrückt). Erst wenn das Bordpersonal in Panik gerät, sollte man sich doch als Fluggast Sorgen machen:).

In diesem Sinne, keep cool und frohe Feiertage
Florian

Grossmutters-sparstrumpf schließt sich den guten Wünschen an. Eine gute Weihnachtszeit euch allen!

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9 Kommentare

  1. Florian Wiedemann

    Heute (16.1.19) -ca. 3 Wochen nach dem Panik Tief vom 24.12.- wäre ein viel besserer Zeitpunkt sein Depot oder zumindest ein paar Positionen zu verkaufen. Der DOW hat mittlerweile wieder 11% zugelegt, also haben alle, die nicht verkauft haben, ca. 11% nicht verloren. Der DOW oder S&P500 ist evtl. nur auf einem Zwischenhoch gelandet. Wer weiß das schon. Aber jetzt machts keiner mehr, die Panik ist anscheinend der Zuversicht gewichen.

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  2. Altsachse

    Das mit dem letzten Hemd trifft doch nur diejenigen, die keine Nachkommen haben.
    Ich habe 4 Urenkel, da freue ich mich jetzt schon auf die Augen heute Abend.
    Ich hatte bisher auch immer meine Fonds gehalten. Da haben sich die Buchgewinne addiert, und ich habe mich gefreut. Dieses Jahr hat mir aber eine Fondsgesellschaft einen Strich durch meine Rechnung gemacht. Sie hat eine Fondsfusion durchgeführt, und damit meine schönen Buchgewinne alle realisiert.
    Dadurch werde ich wohl steuerpflichtig werden, obwohl ich sonst eine NIchtveranlagungsbescheinigung habe.
    Nicht alle Planungen und Strategien gehen also immer auf.
    Schöne Weihnachten wünscht
    Altsachse

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  3. Florian

    Wie schon gesagt, ich bin zu dem Schluß gekommen, dass man dringend einen Plan braucht, um dauerhaft Gewinne zu machen. Soviele Aktien, wie es gibt, soviele Pläne wird es auch geben, die letztendlich zu einem positiven Ergebnis führen. Und bestimmt gibt es doppelt soviele Investoren, die das Ganze aus dem Bauch raus entscheiden, bloß mit welchem Ergebnis?

    Der DAX hat ja z.B. auch einen Plan:
    Bis zu 4 Anpassungstermine pro Jahr, an denen Gewinner aufrücken und Verlierer rausfliegen. Den Rest des Jahres passiert nix. Ein kompletter Ausverkauf ist nicht vorgesehen. Die TELEKOM enthält er zudem auch. Die Performance ist jetzt in den letzten 5 Jahren nicht der Wahnsinn, aber immernoch positiv.
    Der DOW macht’s ähnlich. Der enthält auch APPLE. Und selbst wenn APPLE in Zukunft nur noch fällt, dann ist das halt so. Irgendwann würde APPLE, genauso wie dieses Jahr GENERAL ELECTRIC rausfliegen. Die Performance des DOW ist doch ziemlich gut?
    Das ist ein einfacher Plan mit 30 Titeln und ca. 1-4 Transaktionen pro Jahr, der in der Vergangenheit für jeden nachvollziehbar gut funktioniert hat, zudem die Mehrzahl aller aktiv gemanagten Fonds (also Profis!!!) geschlagen hat, keine ETF Gebühren kostet und Steuern spart man auch noch, weil man die Gewinner einfach hält. Und jeder kann ihn umsetzten, wenn da nicht die Psychologie wäre…

    Das wars jetzt, mehr schreib ich nicht 🙂
    VG Florian

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    1. Axel

      Hallo Florian

      Du denkst viel zu viel nach. Es gibt Regeln und Erfahrungen. Suche eine einfache Lösung, denn du machts wahrscheinlich beruflich etwas anders und brauchts Deine Energie dort.
      Tipp: Keine Gedanken machen, „Haben kommt von Halten“, und monatlich nachkaufen, auch kleinerer Beträge, minimiert das Einstiegsrisiko auf lange Sicht (cost average effect). Oder 50% Cash und 50% Stocks, damit man ruhiger bleibt.
      Der Erfolg von Herrn Buffet ist zum Teil wohl auch auf das Einhalten einfacher Regeln zurückzuführen. (Betonung auf Einhalten). Simple ist langfristig offenbar gut.
      Dann kümmerst du dich um deine Lieben in der gewonnenen Zeit. Nicht vergessen, das letzte Hemd hat keine Taschen.

      Lieber Gruss

      Axel

      Antworten
  4. Dominik von depotstudent.de

    Finde ich sehr interessant solche Berichte. Ich frage mich nur jedes Mal, inwieweit sich das auf die eigene Situation übertragen lässt.

    Handelt es sich hier um den recht unbedarften Anleger, der es einfach mal mit Aktien probieren möchte oder lässt sich ein „Kommer-Jünger“ bzw. jemand, der sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hat genauso verunsichern?

    Ist es tatsächlich die Psyche des Privatanlegers oder sind es schlicht die Unwissenheit und Unsicherheit, die einen in den Verkauf treiben?

    Grüße
    Dominik

    Antworten
    1. Marc

      @Dominik,
      Vielleicht will sich einer mit dem Verkauf einen Traum erfüllen? Auto, Haus, Ausbildung oder die große Reise mit der Liebsten. Wenn man in der Korrektur noch weit in der Gewinnzone liegt, kann man sich ja mal auch was gönnen. Buchgewinne sind keine wirklichen Gewinne und am Friedhof Aktienbesitzer zu sein, ist auch nicht so das Wahre.

      Antworten
      1. Niko

        @Marc
        Buchgewinne sind „wirkliche“ Gewinne, ob es einem gefällt oder nicht. Um nicht als der reichste Mann auf dem Friedhof zu Enden kann man zudem mittels Verkauf die unwirklichen Buchgewinne in wirkliches Geld verwandeln.

        Antworten
  5. Bernd Quinten

    Ob die Kapitäne noch so ruhig sind wage ich mal zu bezweifeln. Der sell off war doch sehr vehement. Klar, halten kann man machen. Gibt sicher auch immer noch Telekom Anleger, die hoffen. Man wird nie optimale Ausstiegs- und Einstiegspunkte finden. Aber man kann auch mit Trailing-stops arbeiten und in Zeiten von rückläufigen Kursen tranchenweise einkaufen, wie bei einem Sparplan. Und ob AAPL bei 220 USD fair oder total überteuert war, ist Ansichtssache…

    In diesem Sinne wünsche ich allen gute Investment- und Handelsentscheidungen, und ein erfolgreiches 2019
    Bernd Quinten

    Antworten
    1. Hermann-Josef Stoffel

      Welcher Sell Off Bernd Quinten? Ich habe noch keine solchen in den letzten Monaten gesehen. Wenn es einen gegeben hätte, müsste man ja wieder voll eingestiegen sein. Alles andere würde keinen Sinn ergeben.

      Ich wünsche frohe Festage, einen guten Rutsch und ein erfolgreiches Investmentjahr 2019

      Hermann-Josef Stoffel

      Antworten

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