Die Börsenampel ist grün

Die Ampel an der Börse steht nach Auffassung von grossmutters-sparstrumpf derzeit auf Grün. Du kannst also gerne Aktien oder ETFs kaufen, wenn du das vor hast. Als Langfristanlage!

Kurzfristig kann eine Marktkorrektur ohnehin nie ausgeschlossen werden. Sie passieren im Durchschnitt alle 10 Monate. Wann das passiert, das kann niemand zuverlässig vorhersagen.

Warum ist die Börsenampel auf Grün? Die Gründe hierfür sind:

 

1. Die Konjunktur. Die weltweite Konjunktur läuft gut. Die Wachtumsaussichten für 2018 liegen bei 3,9 Prozent. Das ist gegenüber dem ohnehin schon guten Jahr 2017 noch mal ein wenig mehr. Im vergangenen Jahr waren es nach den Zahlen der Weltbank 3,7 Prozent.

2. Die Unternehmensgewinne. Die Gewinne der Unternehmen steigen derzeit in allen große Volkswirtschaften gleichzeitig. In den USA dürfte sich dieser Trend in 2018 fortsetzen. Die Unternehmenssteuerrefom dort treibt die Gewinne für die meisten Unternehmen nach oben. Die Reform der Einkommenssteuer führt zudem zu höheren Ausgaben bei den Konsumenten.

3. Konsum. Das Konsumentenvertrauen ist hoch, in den USA wie in Europa.

4. Die Zinsen. Das Zinsniveau ist noch immer niedrig. Das macht derzeit andere Anlageformen als die in Aktien unattraktiv. Das Verhältnis der Gewinne der Unternehmen zur Rendite amerikanischer Staatsanleihen steht derzeit bei 0,52. Ab einem Wert von 1 wird eine Anlage in Staatsanleihen attraktiver als eine Anlage in Aktien. Vor diesem Punkt sind wir derzeit noch sehr weit entfernt.

 

 

5. Die Zinskurve. Das Verhältnis zwischen langfristigen Zinsen (10 Jahre) und kurzfristigen Zinsen (2 Jahre) ist derzeit normal. Langfristige Staatsanleihen bringen also höhere Zinsen als kurzfristige. Ist die Lage umgekehrt, nennt man das eine inverse Zinskurve. Die kurzfristigen Zinsen bringen dann mehr ein. Eine inverse Zinskurve ist in der Vergangenheit ein zuverlässiges Signal für eine kommende Rezession in den USA gewesen – und in der Folge in der Regel auch in Deutschland.

6. Ölpreis. Der Ölpreis ist moderat. Ein stark steigender Ölpreis findet sich (wie auch die inverse Zinskurve) im Vorfeld von allen Rezessionen in den USA in den letzten 50 Jahren.

7. Politische Stabilität. Angesichts der Wahl von Emanuel Macron und der absehbaren Wiederwahl von Angela Merkel als deutscher Kanzlerin entweicht die Unsicherheit über die Zukunft Europas und des Euro aus den Märkten. Ein Erstarken der Euroskeptiker oder eine Blockade von notwendigen Reformen in der EU (z. B Einlagensicherung) bleiben aber weiterhin die größte Gefahr für eine Anlage im Euroraum.

Die Große Koalition – so sie denn kommt – steht hingegen für eine stabile wirtschaftliche und politische Entwicklung der Eurozone und der EU. Diese Stabilität mochte die FDP unter Christian Lindner (wie natürlich auch die AFD) nicht garantieren. Deshalb hat sie sich aus der Regierungsbildung verabschiedet und damit große Teile der deutschen Wirtschaft enttäuscht.

 

 

8. Der Börsenzyklus. Der derzeitige Bullenmarkt befindet sich in seinem letzten Drittel. Diese Phase kann noch bis zum Jahr 2020 andauern. In Europa kehrt langsam Optimismus ein – die USA haben diese Phase des Börsenzyklus bereits erreicht. Viele Bullenmärkte erreichen auch das Stadium der Euphorie, das ihr Ende markiert. Das gilt allerdings bei weitem nicht für alle, wie der Absturz der Märkte 2008/09 gezeigt hat. Ich erwarte derzeit, dass dieser Bullenmarkt sein Ende bereits im Optimismus erleben wird. Aber lassen wir uns überraschen.

 

Die Prognose

 

Der DAX hat angesichts der zu erwartenden Wiederwahl von Angela Merkel und der damit weiter abnehmenden Unsicherheit in Europa in diesem Jahr ein Kursziel von 15.000 bis 15.500 Punkten. Die niedrigen KGVs der deutschen Unternehmen würden sogar einen Kursstand von 17.000 Punkten rechtfertigen. Die kann der DAX möglicherweise schon in 2019 anlaufen.

Der S&P 500 hat ein Kursziel von 3.200 Punkten. Einen großen Teil dieser Gewinne (6,73 Prozent; Stand: 30. Januar) hat der Index allerdings in den ersten Börsenwochen erzielt. Das ist ein extrem guter Start in das Jahr 2018 – und schade für alle, die mit ihrem Geld an der Seitenlinie stehen. Die ist derzeit der gefährlichste Ort.

 

 

Kann da was dazwischen kommen?

 

Oh ja. Die Wiederwahl von Angela Merkel kann noch scheitern. Das würde Raum für weitere Verunsicherung in Europa schaffen. Die Märkte mögen keine Unsicherheit.

Die wichtigste Einschränkung für die Jahresprognose las ich neulich bei einer amerikanischen Bank. Sie schrieb sinngemäß, die wirtschaftlichen Aussichten seinen sehr gut, wenn nicht jemand etwas ganz Dummes tut.

Der Jemand der hier gemeint ist, das ist natürlich der amerikanische Präsident Donald Trump. Diese Unsicherheit, dass jemand etwas ganz Dummes tut wird von den Märkten derzeit als sehr gering angesehen. Diese Einschätzung wird nicht jeder teilen.

Die dritte Einschränkung: Ein Krieg in der Golfregion, zum Beispiel zwischen Saudi Arabien und dem Iran, würde mit hoher Wahrscheinlichkeit einen stark steigenden Ölpreis nach sich ziehen. Kommt es in 2018 zu einer solchen Auseinandersetzung, erleben wir möglicherweise schon in 2019 den ersten Bärenmarkt seit 2008/09. Ein stark steigender Ölpreis ist derzeit eine der größten Gefahren für die Weltkonjunktur.

 

Die Redaktion hat auch abgestimmt

 

Auch in der Redaktion der Facebook-Börsengruppe „Kleinen Finanzzeitung“ haben wir über die Börsenampel für Langfristanleger abgestimmt. Das Ergebnis: Mit 5 zu 1 Stimme hat die Redaktion für Grün gestimmt. Die abweichende Stimme des Value-Investors und Blogger-Kollegen Christian Bauduin bezieht sich auf die Bewertung der Märkte in den USA. Sie ist in seinen Augen derzeit zu hoch. Wir werden die Abstimmung regelmäßig wiederholen, wahrscheinlich etwa alle drei Monate. Oder bei Bedarf.

Du möchtest auch gerne Mitglied der „Kleinen Finanzzeitung“ sein? Kein Problem. Du findest sie hier.

Mittlerweile posten dort folgende Autorinnen und Autoren: Natascha Wegelin, Güner Soy, Clemens Bomsdorf, Thomas Fricke, Stephan Heibel, Gerd Kommer, Christian Bauduin, Felix Krusche, Michael Kissig, Karsten Kagels – und natürlich auch ich, Christian Thiel.

 

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Die Quellen

 

Meine Einschätzung zur Jahresprognose und zur Börsenampel beruht auf folgenden Quellen: ZACKS INVESTMENT (wöchentliche Marktanalysen); Ken Fisher (Stock Market Outlook; Q4 2017); UBS (Year Ahead 2018); Heibel-Ticker (Ausgabe 3/2018).

 

 

15 Kommentare

  1. Blaubär

    Momentan zerfallen die Kurse regelrecht. Es fehlen schlichtweg die Anschlusskäufer. Es sieht so aus, als ob der Aktienblase die Luft aus geht. Mit steigenden Zinsen wird das billige Geld wieder abgezogen werden.

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Jetzt haben wir die Korrektur, von der ich gesprochen habe. Ich sehe keine Blase – der Bullenmarkt geht danach weiter. Die Zinsen brauchen noch ein bis zwei Jahre, bis sie die Kurse in die Knie zwingen.

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  2. Blaubär

    Der Dow Jones ist letzten Freitag ziemlich abgestürzt. Das sieht mir ehrlich gesagt nach einer längerfristigen Trendwende aus.

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Das höre ich jetzt seit Jahren. Ich glaube es erst, wenn es passiert. Dazu muss der Index erst einmal 3 Monate kein neues Hoch machen. Dann denke ich über diese Frage nach. Und darüber, was in dem fall zu tun ist.

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  3. Steffen

    Hallo Christian,

    es erstaunt mich schon, dass man zur Zeit fast gar nichts über Korrektur oder Crash in den Medien hört oder liest.
    Ich habe nach dem Suchbegriff „Crash 2018“ gegoogelt und bin auf Deiner Seite gelandet, was lese ich? Die Ampeln stehen auf grün….
    Wenn man sich den amerikanischen Aktienmarkt anschaut: Seit 2009 quasi ein „Durchmarsch“ mit einer Performance von über 100 %. Sollen das jetzt die „starken Hände“ sein, die nachkaufen und die schwachen Hände sind diejenigen, die verkaufen? Ich wäre mir da nicht so sicher.

    Warren Buffet hält gerade die höchste Cash-Quote seiner langjährigen Börsengeschichte! Okay, er äußert sich optimistisch zu Aktien, aber bleibt ihm etwas anderes übrig? Eine andere Aussage von ihm, oder gar ein Verkauf seiner Bestände, würden vermutlich zu einem Erdbeben führen.
    George Soros geht schon seit einiger Zeit short. Er hat es immerhin zu einem Milliardenvermögen mit ähnlichen Deals gebracht. Diesmal lag er bisher falsch, aber so wie ich das herausgehört habe, bleibt er bei seiner Strategie.

    Gestern habe ich gelesen von James Simons, dem erfolgreichsten Hedgfondmanager aller Zeiten, ein genialer Mathematiker, abseits vom Börsenmainstream, interessanter Typ, vorher hatte ich nie von ihm gehört. Er hat bis heute eine jährliche Performance von ca. 35 % pro Jahr, im Jahr 2000 übrigens eine von 98 %! Er erwartet bald Turbulenzen.
    Selbst Goldman Sachs meldet heute, dass es wohl bald eine Korrektur geben wird. Die Aussage „Es kommt bald zum Crash“, darf man von einer großen Bank sicher auch nicht erwarten.

    Ich hatte übrigens einen großen Teil meiner Aktien (Weltportfolio) Ende 2008 gekauft, wegen der drohenden Abgeltungssteuer, nicht weil ich so gut im Timing bin. Im Nachhinein war es das aber. Ich habe letztes Jahr mit einer wirklich sehr guten Gesamtperformance fast alle meine Bestände verkauft und investiere zur Zeit ein wenig um in Rohstoffe, da ich davon ausgehe, dass die Underperformance der letzten 10 Jahre wieder aufgeholt werden wird und die Konjunktur läuft ja – wie Du erwähnt hast – sehr gut. Ausserdem hört man zur Zeit kaum etwas von Rohstoffen, gefällt mir auch:-)
    Ansonsten bin ich aber seit letztem Jahr sehr gerne mit Cash an der Seitenlinie und ich schaue mit Staunen zu, wie das immer weiter hoch geht.

    Was bringt es eigentlich, wenn ich weiß, dass die europäischen Werte nicht so hoch bewertet sind? Wenn die amerikanischen Kurse fallen, fällt alles.

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Ich werde das ganze Jahr über auf die kommende Korrektur hinweisen. Korrekturen gehören an der Börse zum Geschäft. Und wir hatte lange keine. Aber eine ersthafte Gefahr für die Märkte sehe ich in der Tat nicht. Kann noch kommen.

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      1. Steffen

        Zwei Fragen:

        1. Die Konjunktur läuft weltweit gut, in vielen Ländern wie Deutschland oder der USA herrscht fast Vollbeschäftigung. Das sind alles super Nachrichten. Aber sind diese Nachrichten nicht alle schon in den Kursen enthalten? Welche Nachrichten müssen denn kommen, damit es noch weiter geht?
        Ich sehe da zumindest eher Raum für schlechtere Nachrichten.
        Es ist eigentlich alles genau andersherum als Anfang 2009. Damals gab es kaum jemand, der von grünen Ampeln für die Börse oder von guten Aussichten sprach.

        2. Wer von den Anlegern (private oder institutionelle), für die die Anlageform Aktie in Frage kommt, hat denn die letzten Jahre Aktien gekauft? Vermutlich jeder. Warum sollte man jetzt noch einmal nachkaufen? Oder sind das andere Marktteilnehmer, die jetzt noch einsteigen? Die Kurse können ja nur weiter ansteigen, wenn es „neue“ Käufer gibt, die zu diesen Preisen kaufen.

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        1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

          Wir sind im letzten Drittel des Bärenmarktes. Der bringt in der Regel noch einmal hohe Gewinne. Ein großer Teil der Anleger ist zudem noch nicht investiert. Sie stehen an der Seitenlinie. Diese gute Phase kann noch Jahre dauern. Nie haben die privaten Anleger so wenig Gewinn gemacht, wie in den guten 90er Jahren – sie gingen aus dem Markt.
          Market Timing hilft nur selten. Wenn die Börsenampel auf Gelb schaltet, dann werde ich nicht zum Verkauf raten. Sondern dazu, kein weiteres Geld mehr in den Markt zu tun. Und zu warten.

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          1. Marc

            Du meintest „im letzten Drittel des Bullenmarktes“ oder?

          2. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

            Oh, oh. Klar.

          3. Steffen

            9 von 10 „Börsenexperten“ vertreten zur Zeit genau diese Meinung: Wir sind im letzten Drittel des Bullenmarktes (Bärenmarkt war wohl ein freudscher Versprecher, oder?). Und ich dachte das eigentlich auch. Und genau das machte mich stutzig.
            Abgesehen davon, ist das nicht auch eine Form von Market Timing, zu sagen, wir sind im letzten Drittel??

            Leute wie James Simons (Mathematiker) oder in Deutschland Thomas Gebert (Physiker), die quantitative Methoden betreiben, liegen häufig richtig mit ihren Einschätzungen, gerade weil sie sich loslösen von logischen, fundamentalen Argumenten wie „Die Wirtschaft läuft doch gerade gut“. Zur Zeit zieht es mich eher in diese Richtung und die sieht nicht bullish aus.
            Ansonsten bin ich auch ganz klar für kaufen und lange halten, am besten ein Weltportfolio nach G. Kommer. Von mir aus kann ich da auch noch ein paar Jährchen warten, bis die Kurse wieder billiger sind…
            Keine Sorge, dies ist mein letzter Kommentar. Ich will hier auch keine „Unruhe“ stiften:-)

          4. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

            Gerd Kommer kauft immer. Für ihn steht die Börsenampel also immer auf Grün.

  4. Ric

    Hallo Christian,

    grundsätzlich finde ich, dass Du mit Deinen Argumenten recht hast.

    Allerdings zeigen ein paar, der Crash-Indikatoren, die ich in meiner Serie vorgestellt habe, seit ein paar Tagen auf Sturm.

    Noch ist der Sturm nicht da, aber der VIX ist in den letzten Tagen um über 60 Prozent angestiegen, die Tage der Umverteilung nehmen aktuell zu und auch die Angst im Markt steigt laut dem Fear & Greed Index.

    Wie gesagt, grundsätzlich hast Du recht, allerdings würde ich aktuell noch ein paar Tage warten, bis sich die Lage wieder etwas beruhigt hat. Wäre schade jetzt einzusteigen und in ein paar Tagen das Konto im Minus zu sehen.

    Viele Grüße
    Ric

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Das alles hat mit einem Crash nicht viel zu tun. Warum nennst du es dann so?
      Wir werden immer wieder aktuell Unsicherheiten im markt erleben. Das ist normal. Wir werden auch eine Korrektur bekommen. Auch das ist normal. Ich würde aktuell kaufen, bevor die Kurse wieder hochziehen. Sie sind ohnehin nur sehr gering gefallen. nach einem Anstieg von über 6 Prozent in vier Wochen ist das völlig normal.
      Schöne Grüße aus Berlin
      Christian

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    2. Marc

      Wenn die Angst im Markt steigt, ist das eher ein Grund zu kaufen! Abgesehen davon, steht der Fear&Gread-Index aktuell leicht im Gier-Bereich.

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