Was ist die Drei-Monats-Regel?

Bei Börsenlegende Ken Fisher zu lesen macht mir immer wieder Freude. Sein Buch „The Little Book Of Markte Myths“ steht bei mir im Regal. Zuletzt habe ich seinen Marktbericht für 2018 gelesen – und fand da einen Hinweis auf die „Drei-Monats-Regel“. Sie ist für alle interessant, die der Auffassung sind, dass jetzt aber ganz bestimmt bald eine Marktkorrektur kommen müsse.

Dieser Auffassung sind vor allem ängstliche und vorsichtige Anleger. Auch vor einem Jahr schon schrieben einige von ihnen, jetzt hätten sie zu 100 Prozent Cash. Sie hatten also alle ihre Aktien verkauft.

Was folgte?

Es folgte ein sehr gutes Börsenjahr mit mehr als 12 Prozent Zuwachs im DAX und über 20 Prozent im S&P 500. Auch zum neuen Jahr steigen die Indizes – vor allem in den USA – einmal mehr. Sie erreichen schon wieder neue Allzeithochs.

Die „Drei-Monats-Regel“ besagt, dass du erst dann aus dem Markt gehen solltest, wenn es seit drei Monaten kein neues Hoch mehr gab:

Was folgt auf ein Allzeithoch?

 

Viele Anleger fühlen sich nicht wohl, wenn die Märkte ein Allzeithoch nach dem anderen machen. Und genau das ist verkehrt. Was bitte spricht gegen Allzeithochs? Die wahrscheinlichste Folge eines Allzeithochs ist nun mal – ein neues Allzeithoch. Das lässt sich am Kurs der S&P 500 in den letzten fünf Jahren gut beobachten. Hier kommt er noch einmal:

 

 

Der Kurs des S&P 500 geht zunächst einmal für 2 ½ Jahre nach oben. Die Drei-Monats-Regel hätte dich in dieser Zeit also davor bewahrt, deine Anlagen zu verkaufen. Obwohl sich ein Hoch an das andere reihte.

Auch in den letzten zwei Jahren, von Januar 2016 bis in den Januar 2018 hinein steigt der S&P 500 fast ohne Unterlass. Er tut das noch immer. Folgst du der Drei-Monats-Regel, dann bist du im Moment also in jedem Fall investiert.

 

Wann gehe ich aus dem Markt?

 

Im Jahr 2015 aber gibt es eine Ausnahme. Hier hätten Anleger, folgen sie Ken Fisher, verkaufen dürfen – im Herbst des Jahres. Denn da hatte der Index seit 3 Monaten kein neues Hoch mehr erreichen können.

Sie hätten verkaufen dürfen – nicht müssen. Ken Fisher plädiert nicht dafür, dass du unbedingt verkaufen solltest, wenn es drei Monate lang zu keinen neuen Hochs gekommen ist. Du sollst das nach seiner Auffassung vielmehr nur unter dieser Bedingung überhaupt in Erwägung ziehen.

 

Wie komme ich wieder in den Markt?

 

Das Problem beim Verkaufen ist: Wie kommst du anschließend wieder rein in den Markt? Im Chart ist leicht zu erkennen, dass du mit der Drei-Monats-Regel möglicherweise dem tiefen Fall von Januar 2016 entgangen wärest.

Aber was dann? Wann wärest du mit deinem Geld in den Markt zurückgekehrt? Schon anfang Februar, als die Kurse noch niedrig waren? Oder erst im April, als die Kurse ihr altes Niveau schon fast wieder erreicht hatten?

Mir geht es nicht darum, dass du dich jetzt der Phantasie hingibst, wie cool es wäre, bei 2.250 Punkten zu verkaufen – um dann im Februar 2016 bei einem Indexstand von 1.900 Punkte gelassen genau am Tiefpunkt zu kaufen.

Mir geht es vielmehr darum, dass du dich fragst, wie realistisch das gewesen wäre. Hättest du wirklich die Nerven gehabt, genau dann mit deinem Geld wieder in den Markt zu gehen, als viele Anleger gerade mächtig Panik hatten? Der hohe Verkaufsdruck im Januar und Februar 2016 ging mit einer Welle von Presseberichten einher, dass es jetzt aber ganz bestimmt zum nächsten größeren Kollaps der Weltwirtschaft kommen wird.

 

Die zittrigen und die ruhigen Hände

 

Das ist – erkennbar – nicht passiert. Stattdessen haben die Kurse ganz schnell wieder den Weg nach Norden eingeschlagen. Und alle Anleger die in der Panik verkauft hatten, haben diesen Kursen hinterhergeschaut. Sie waren ihre Aktien los. André Kostolany hätte gesagt: Die Aktien sind von den Anlegern mit den zitternden Händen verkauft und von denen mit den ruhigen Händen gekauft worden.

So war es.

Die Drei-Monats-Regel ist dazu da, Anleger zu beruhigen wenn der Markt nach oben zieht. Du kannst sie allerdings auch noch ganz anders nutzen. Hat der Markt seit drei Monaten kein neues Hoch gemacht, dann kaufst du einfach nicht mehr nach. Genau das wäre nämlich das Klügste gewesen, als im Herbst 2015 klar war, dass der Markt über drei Monate nicht mehr zu einem neuen Hoch gefunden hat.

Es ist viel einfacher mit einem relativ kleinen Betrag in einem fallenden Markt nachzukaufen, als mit einem hohen Betrag.

Hättest du also dein Geld zusammengehalten, neue Käufe vermieden und bis auf den Februar gewartet, dann hättest du zu günstigen Preisen einkaufen können. Von den Anlegern mit den zittrigen Händen. Irgend jemand muss sie ihnen ja abkaufen.

Wenn du also das nächste Mal unsicher bist, ob jetzt noch immer eine gute Zeit ist, um mit deinem Geld im Markt zu sein, dann denke an Ken Fisher. Und an die „Drei-Monats-Regel“.

 

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9 Kommentare

  1. JJ

    Ich werde einfach nichts tun bez. Verkauf. Weiterhin ETFs per Sparplan nachkaufen, alles fällt oder alles steigt plus Einzelwerte (mache da aber auch keine Wissenschaft draus).
    Habe zB gestern gester „paypal“ gekauft, nach kurzem Check in Fastgraphs.

    Letzter Kauf vor 1 Jahr: plus 76% bis heute.

    lg
    JJ

    Antworten
  2. Schneewittchen

    Danke, schöner knackiger Blogbeitrag. Ja Markettiming mit Kauf/Verkauf betreibe ich nicht – dafür bin ich inzwischen zu gelassen. Doch Markettiming beim Einkauf, klang beim Lesen sehr attraktiv. Aber stellt sich hier nicht das gleiche Problem – wann wäre man eingestiegen mit dem angesparrten Kapital Ende 2015? Warum sollte Markettiming mit „frischgeld“ einfacher sein, als MArkettiming mit Verkaufserlösen. Und falls es eifnacher ist – warum setze ich nicht die gleichen Prinzipien an für Verkauf und Verkauserlöse. Der Ausstieg, wie du schreibst, ist ja nicht das Problem – vielmehr der Einsteig. So sinnig es sich im ersten AUgenblick anfühlt – so wenig glaube ich, dass es mir tatsächlich gelingen mag. Vielleicht hilft die 3-Monatsregel also auch nur für eine ruhigere Hand entgegen dem schnellen Verkauf bei Hochs.

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Markettiming mit frischem Geld ist ein wenig einfacher, weil der Betrag viel geringer ist. Ich habe es jetzt zwei Mal hinter mir. In zwei Korrekturen habe ich nachgekauft. Das geht recht gut. Ist aber auch anstrengend. Man muss aufhören, an den optimalen Zeitpunkt zu denken. Den findet man nie. Stattdessen muss man sich über den umoptimalen Zeitpunkt freuen, zu dem man günstig gekauft hat.
      Mir geht es auch weniger darum, irgend jemanden vom market timing zu überzeugen. Ich möchte vielmehr die Ängstlichen beruhigen, die derzeit bei jedem neuen Allzeithoch nervös werden.

      Antworten
      1. Marc

        Gelegentlich sollte man auch die Kehrseite der Allzeithochs erwähnen. Wer 1989 den Nikkei am AZH gekauft hatte, ist nach 29 Jahren immer noch im Minus. Eine gesunde Ängstlichkeit sichert das Überleben, wie im richtigen Leben.

        Antworten
        1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

          Jetzt hast du aber auch den einzigen großen Index gewählt, der das je geschafft hat. Zudem stand der bei einem astronomischen KGV – jenseits der 50 waren es wohl damals. Und er hatte einen wahnsinnigen Anstieg in den zwei Jahrzehnten vorher hinter sich. Große Ausnahme. Aber es ist eine.

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    2. JJ

      Sehe ich genau wie Du.

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  3. Leser G

    Naja, aber wer all in ist, kann nicht nachkaufen…

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  4. Chris

    In der Rückschau ist das immer einfach … Was/Welches Signal hätte dich veranlasst, im Februar mit dem Nachkaufen (z.B. Sparplan) wieder fortzufahren? Es hätte doch noch weiter gen Süden gehen können …
    Danke

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Real ist es tatsächlich sehr viel schwieriger als in der Rückschau. Ich habe damals Ende Dezember und Anfang Februar nachgekauft. Ich fand das nicht sehr gewagt. Und den Tiefpunkt erwischt man ohnehin nie.

      Antworten

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