Was ich aus meinem größten Aktienfehler gelernt habe

Henry Ford hat einmal gesagt: „The only real mistake is the one, from witch we learn nothing.“ Deshalb möchte ich heute hier bei grossmutters-sparstrumpf etwas aus meinen Fehlern lernen. Ich werde dir dazu von meinem größten Fehler erzählen.

Nun denkst du vielleicht, ich hätte eine Aktie gekauft und das nachher bereut. Falsch. Das ist es nicht. Es ist etwas ganz anderes: Ich habe eine Aktie verkauft – Facebook. Das hat mich nicht nur viel Geld gekostet. Es hat sogar sehr viel Geld gekostet. Und das schmerzt.

Schauen wir mal, ob wir aus meinem Fehler etwas lernen können.

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Als die Aktie von Facebook zum ersten Mal gehandelt wurde, kam sie zu einem Preis von 33,50 € auf den Markt. Viel zu hoch, dachte ich. Und wie ich dachten viele. Da schon viele Börsendebüts zuvor ähnlich verlaufen waren, habe ich mich also auf die Lauer gelegt. Nach sechs bis neuen Monaten wollte ich Facebook billig einkaufen.

Zunächst lief alles lief nach Plan. Etwa 7 Monate später stand Facebook bei 13,50 €. Und ich habe sie gekauft.

Bisher habe ich einiges richtig gemacht. Ich habe in aller Ruhe gewartet und die erst Zeit der Euphorie verstreichen lassen. Dann habe ich die Aktie zu einem tollen Discount-Preis erworben.

Und Facebook stieg nach meinem Kauf tatsächlich wie erwartet. Die Aktie stieg sogar enorm. Nach wenigen Monaten stand sie mit 50 Prozent im Plus. Und dann habe ich sie verkauft. Bei 21,80 €.

So ein Gewinn von 50 Prozent ist eine tolle Sache, klar. Aber wie du vielleicht weißt, ist Facebook nachdem ich verkauft habe erst richtig abgehoben. Hätte ich die Aktie einfach behalten, dann wären aus meinen 50 Prozent im Laufe der Zeit 533 Prozent geworden! Atemberaubend.

Hast du schon mal einer Aktie hinterhergeschaut, die von 22 € ununterbrochen bis auf 72 € steigt? Nein? Ich schon! Es ist kein gutes Gefühl.

 

Wie Warren Buffett seine erste Aktie kaufte

 

Ein Aktie zu verkaufen, kaum dass sie gestiegen ist, viele Anleger machen diesen Fehler. Und interessanterweise hat auch die Investorenlegende Warren Buffett diesen Fehler gemacht. Mit seiner ersten Aktie.

Es war im Jahr 1942. Warren Buffett hatte viel Geld in die Hand genommen, und hatte sich die Aktie die er kaufen wollte lange und genau ausgesucht. Er war sich sicher: Sie würde steigen. Doch wie so oft, stimmte das Timing nicht. Seine Aktie fiel zunächst einmal. Um 10 Prozent. Um 20 Prozent. Wie unangenehm!

Der damals 12-Jährige Warren hatte aber leider auch noch seine Schwester überredet, bei der Aktion mitzumachen. Und so musste er sich Tag für Tag kritische Fragen seiner Schwester anhören. Wie peinlich!

Endlich drehte die Aktie wieder und stieg – wie erwartet. Als er mit 10 Prozent im Plus stand, hat er verkauft.

Was machte seine Aktie aber nun? Sie stieg ohne Unterlass höher und höher. 30 Prozent. 50 Prozent. Und Warren Buffett musste ihr hinterherschauen. Es war kein gutes Gefühl.

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Das Geschäftsmodell kennen

 

Wie du siehst, ist es ein häufiger Fehler von Anlegern, sich mit kleinen Gewinnen zufrieden zu geben, und auf diese Weise, die ganz großen zu verpassen. So wie mir es mit Facebook ergangen ist.

Warum aber habe ich so früh verkauft? Das ist die wohl entscheidende Frage, die Frage, die uns heute dazu verhelfen soll, etwas über das Anlegen in Aktien zu lernen.

Die Antwort lautet: Weil ich das Geschäftsmodell von Facebook und seine Chancen in der Zukunft nicht gut genug kannte. Hätte ich mehr darüber gewusst, dann hätte ich niemals in Erwägung gezogen, auch nur eine einzige Aktie des Unternehmens wieder aus der Hand zu geben.

Facebook hat alle Konkurrenten im Bereich der sozialen Netzwerke aus dem Feld geschlagen und eine völlig neue Form der weltumspannenden Kommunikation geschaffen. Und dazu eine neue Art, wie wir Medien nutzen. Videos schauen viele Menschen heute bei Facebook. Unsere Art, Medien zu nutzen verändert sich zunehmend. Immer mehr Zeit verbringen wir bei Facebook. Und so wird Facebook aller Voraussicht nach zu einem der größten Medienkonzerne der Welt. Wer hätte das gedacht!

Zu Beginn wussten die Macher von Facebook allerdings noch nicht so recht, wie sie mit ihrem ungeheuer populären Portal jemals Geld generieren sollten. Sie hatten wirklich keine Ahnung. Und es interessierte sie auch nicht. Zu Recht. Für Facebook war es wichtig, möglichst schnell zu wachsen. Eine Milliarde Mitglieder. Das war das Ziel.

Erst danach stand die Frage an: Und wie machen wir aus unserem ungeheuer beliebten Portal auch Geld? Als diese Frage anstand, haben Mark Zuckerberg und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitet umgehend einige sehr gute Antworten auf diese Frage gefunden. Heute verdient Facebook Tonnen von Geld. Und entwickelt immer neue Ideen, wie das weitergehen kann.

Ein Geschäftsmodell zu kennen – das ist die beste Grundlage dafür, einer Aktie auf Dauer zu trauen. Mit einer Aktie kaufen wir als Anleger einen Anteil an einem Geschäft, einem Unternehmen. Wächst das Geschäft und wachsen die Gewinne, dann profitieren wir als Anleger. Weil unsere Aktien steigen.

Wie meine unglückliche Liebe zu Facebook ausgegangen ist? Ich kann es dir sagen: Nachdem ich mehr und mehr zur Entwicklung von Sozialen Netzwerken gelesen habe, war mir klar, dass Facebook noch eine große Zukunft vor sich hat. Und die Gewinne waren unterdessen auch enorm in die Höhe geschnellt. Und das wird wohl auch noch einige Jahre so bleiben. Mit Wachstumsraten von über 50 Prozent hat Facebook viele Analysten überrascht.

Am Ende habe ich Facebook bei 62 € wieder gekauft. Ich gebe es zu: Das ist mir sehr schwer gefallen.

Und du – hast du auch schon mal einer Aktie hinterhergeschaut?

 

Der Autor besitzt Aktien von Facebook.

 

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2 Kommentare

  1. Teilzeitinvestor

    Die Situation kenne ich leider nur zu gut: bei mir war es CTS Eventim. Zu 3,70 EUR gekauft und später mit 50% Gewinn verkauft. Mittlerweile steht die Akte bei über 32 EUR – autsch!

    Deinen Optimismus was Facebook angeht, teile ich allerdings nicht. Facebook weiss zwar mittlerweile, wie man Geld verdient. Aber in der heutigen Bewertung ist schon so viel Optimismus eingepreist, dass sich die Geschäftsentwicklung über Jahre noch dramatisch verbessern muss, um nur das aktuelle Bewertungsniveau zu rechtfertigen. Und dass das Wachstum immer so weitergeht, ist überhaupt nicht sicher. Es gibt gerade im Bereich Social Networks genug Beispiele von vermeintlich uneinholbaren Platzhirschen, die wenige Jahre später komplett implodiert sind (man erinnere sich an MySpace oder StudiVZ).

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Autsch! Das wären ja dann bei dir gut und gerne 750 Prozent Gewinn heute mit CTS Eventim. Es ist wirklich besser, man hat eine klare These zu einem Investment und versteht das Unternehmen und sein Entwicklung. Ich glaube, dass ich das bei Facebook mittlerweile kann – und teile deine Meinung nicht. Facebook kann in der Tat noch von einem anderen Unternehmen bedrängt werden. Aber das ist unterdessen extrem schwer. Dazu ist Facebook zu global und zu geschickt darin, keine echte Konkurrenz aufkommen zu lassen. Warum hätten sie sonst wohl 19 Milliarden Dollar für Whatsapp bezahlt – wenn nicht, um jeden Versuch zu ersticken, eine echte Konkurrenz aufzubauen. Facebook wird über kurz oder lang das größte Medienunternehmen der Welt werden. Das ist meine These. Und sie werden das globalste Medienunternehmen der Welt sein. Keinem anderen gelingt es, in so vielen Märkten präsent zu sein und die Zeit der Menschen für sich zu gewinnen. Aber Facebook hat auch noch viel Raum zu wachsen. Sie werden noch viel mehr Menschen erreichen. Und die Menschen werden noch mehr Zeit dort verbringen. Und das Fernsehen wird ebenso verlieren wie das von Google dominierte Internet.
      Das bedeutet nicht, dass das Geschäftsmodell von Facebook unangreifbar ist. In dem Punkt hast du völlig recht. Wer die Aktie hat, der sollte genau beobachten, ob es Facebook tatsächlich gelingt, die klare Nummer eins bei sozialen Netzwerken zu bleiben. Ich jedenfalls halte das für die nächsten Jahre für sehr unwahrscheinlich.

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