Facebook – warum ich der Aktie trotz Kurseinbruch ein „Like“ gebe

– Gastbeitrag von GÜNER SOYSAL –

 

In meiner „Marktanalyse vom 17.07.2018 – Von der „Wall of Worry“ zum nächsten All-Time-High?“ hatte ich angekündigt, dass ich eine inspirative Analyse eines ganz besonderen Unternehmens veröffentlichen möchte, welches aus unserem Leben kaum noch wegzudenken und dessen Potenzial meines Erachtens unterschätzt wird. Wie am Titel dieses Beitrags ersichtlich ist, handelt es sich dabei um Facebook.

Ich muss zugeben, dass ich mich mit Facebook als Plattform nie wirklich anfreunden konnte. Gleichzeitig fragte ich mich, warum Facebook überhaupt an die Börse ging, wer die Aktien kaufte, wie Facebook Geld verdiente und warum die Aktie seit Jahren wie an der Schnur gezogen gestiegen ist.

Seit ihrer Erstnotiz am 18. Mai 2012 mit USD 38 hat sich die Aktie – nach einer kurzzeitigen Halbierung unmittelbar nach dem Börsengang – mit USD 174,89 mehr als verviereinhalbfacht (Stand: 27.07.2018; siehe folgende Grafik).

Performance der Facebook-Aktie seit Börsengang, Zeitraum: 18.05.2012 – 27.07.2018, Quelle: Onvista

 

Mein Verständnis für Facebook – sowohl die Plattform als auch das Unternehmen – änderte sich jedoch als ich ab Ende 2016 anfing mich mit der Börse und dem Unternehmen näher zu beschäftigen. Zum einen bot mir die Plattform die Möglichkeit, mich mit Gleichgesinnten in Facebook-Gruppen zu vernetzen. Zum anderen fand ich heraus, was Facebook als Unternehmen für ein potenzielles Investment auszeichnet. Die Konsequenz war, dass ich mir die Facebook-Aktie ins Depot legte.

Zufälligerweise kam es letzte Woche – also genau rechtzeitig für diesen Beitrag – zu einem „Kurseinbruch“. Nachdem die Facebook-Aktie dieses Jahr nach dem Datenskandal auf bis zu USD 150 fiel, legte sie eine beeindruckende Kursrally auf über USD 218 hin und notierte kurz vor der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse auf einem neuen Allzeithoch.

Infolge der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse fiel die Aktie nachbörslich zunächst um rund 9%. Im Rahmen des Earnings Call zwischen dem Facebook-Management und den Analysten fiel die Aktie plötzlich um mehr als 20% auf rund USD 166. Dieser Kurseinbruch sorgte nicht nur unter Börsianern für große Aufmerksamkeit, sondern erregte auch in den Medien großes Aufsehen (siehe folgende Grafik).

 

Kurseinbruch nach Veröffentlichung der Quartalsergebnisse, Quelle: Onvista

 

Gleichzeitig hatte dieser Kurseinbruch zur Folge, dass Facebook-CEO Mark Zuckerberg seinen kürzlich errungenen Platz als drittreichster Mensch der Welt wieder abgeben musste und um drei Ränge zurückfiel.

In diesem Beitrag möchte ich kurz und kompakt auf Facebook aus der Sicht eines potenziellen Investors eingehen. Unter Umständen hast oder hattest du auch dieselben Erfahrungen gemacht wie ich und dieser Beitrag hilft dir, eine neue Sichtweise auf Facebook zu gewinnen.

Doch bevor wir uns dem Unternehmen und den Gründen für ein potenzielles Investment widmen, nehmen wir zunächst einmal unter die Lupe, welche Gründe zum Einbruch der Facebook-Aktie führten.

Warum ist der Aktienkurs um rund 20% eingebrochen?

 

In Bezug auf die Quartalsergebnisse ist zunächst einmal zu erwähnen, dass der Umsatz um 42% und der Gewinn je Aktie um 32% im Jahresvergleich gestiegen sind. Während beim Gewinn die Analystenprognosen um drei Cent bzw. 1,75% übertroffen werden konnten, lag der Umsatz mit USD 120 Mio. bzw. 0,9% unterhalb der Analystenprognosen. Diese „Umsatzverfehlung“ reichte aus, um die Aktie zunächst um rund 9% auf Talfahrt zu schicken (siehe folgende Grafik).

 

Ergebnisse für das 2Q 2018, Quelle: Facebook Investor Relations

 

Soweit hört sich die Entwicklung erst einmal harmlos an. Die eigentliche „Hiobsbotschaft“ kam im Earnings Call als CFO David Wehner eine Verlangsamung des Umsatzwachstums in den kommenden beiden Quartalen sowie steigende Kosten und sinkende operative Margen für die kommenden beiden Jahre ankündigte (siehe folgenden Textauszug):

 

Stellungnahme des Facebook-CFO David Wehner im Earnings Call bezüglich der zukünftigen Umsatzentwicklung, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Zunächst einmal ist also festzuhalten, dass das Umsatzwachstum von 49% im ersten Quartal um sieben Prozentpunkte auf 42% im Vergleich zum Vorjahresquartal gesunken ist. Ferner soll das Umsatzwachstum im dritten und vierten Quartal jeweils um einen hohen einstelligen Prozentsatz sinken. Nehmen wir also an, dass der Umsatz im dritten und vierten Quartal um weitere sieben Prozentpunkte sinkt, entspricht das einem Umsatzwachstum von 35% im dritten Quartal und 28% im vierten Quartal.

 

Was sind die Gründe für die Verlangsamung des Umsatzwachstums?

 

Wie der nachfolgende Textauszug darstellt, führt CFO Wehner drei Kernpunkte für die Verlangsamung des Umsatzwachstums auf. Erstens droht Gegenwind aus währungstechnischen Gründen aufgrund des starken USD. Zweitens plant Facebook den Ausbau neuer Features (z. B. Stories), welche noch keine große Monetarisierung aufweisen. Drittens möchte Facebook infolge der EU-Datenschutzverordung und um zukünftige Datenskandale zu vermeiden den Nutzern mehr Optionen in Bezug auf den Datenschutz anbieten. Unter der Berücksichtigung, dass Facebook 98% seiner Einnahmen aus Werbung generiert, ist verständlich, dass die Nutzung von weniger Daten zu weniger personalisierter und zielgruppenorientierter Werbung und somit geringerer Monetarisierung führen kann.

 

Gründe für Verlangsamung des Umsatzwachstums laut CFO David Wehner, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Was sind die Gründe für die steigenden Ausgaben?

 

Zusätzlich zur Verlangsamung des Umsatzwachstums hat der CFO auch steigende Kosten und Investitionen angekündigt. Dabei sollen in 2019 die Ausgaben stärker als der Umsatz wachsen. Infolge der steigenden Ausgaben soll die operative Marge von aktuell rund 45% auf Mitte 30% sinken.

Als Gründe für die steigenden Ausgaben werden unter anderem Investitionen in Sicherheit und Datenschutz, Ausbau der verschiedenen Plattformen (u. a. Facebook, Messenger, Instagram) sowie Investitionen in eigene Datenzentren, Augmented/ Virtual Reality, Marketing, Content Akquisition (z. B. für Facebook Watch und Instagram TV) und Bürogebäude genannt (siehe folgenden Textauszug):

 

Stellungnahme des CFO David Wehner zu steigenden Kosten und Investitionen, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Ferner hat Facebook-CEO Mark Zuckerberg in besonderem Maße hervorgehoben, dass in den kommenden 18 Monaten wichtige Wahlen in Indien, Brasilien, den USA und der EU anstehen. Insofern darf und kann sich Facebook in diesem Zusammenhang keine weiteren Diskussionen rund um Datenskandale und Fake News erlauben. Nachdem Mark Zuckerberg bereits vor einigen Wochen vor dem US-Kongress Stellung nehmen musste, könnte ein ähnlicher Vorfall die Zukunftsfähigkeit von Facebook gefährden. Somit sind die in diesem Zusammenhang getätigten Investitionen (aus Investoren-Sicht) sinnvoll, nachvollziehbar und erforderlich.

 

Kommen wir jetzt zur Preisfrage: kam diese Meldung überraschend? 

 

Die kurze Antwort heißt: nein. Die ausführliche Antwort ist, dass das Facebook Management bereits im Rahmen der Ergebnisse zum ersten Quartal eine Verlangsamung des Umsatzwachstums als Konsequenz zur EU-Datenschutzverordnung sowie zusätzlich steigende Kosten angekündigt hatte.

Zum einen hatte Mark Zuckerberg angekündigt, dass sich die Mitarbeiterzahl zur Bekämpfung von Fake News und Hasskommentaren bis Ende 2018 auf über 20.000 Personen verdoppeln soll.

Zum anderen hatte CFO David Wehner bereits im Earnings Call zum ersten Quartal angekündigt, dass mit potenziellen Auswirkungen der EU-Datenschutzverordnung auf das Geschäft von Facebook gerechnet wird. Gleichzeitig ist er von einer Verlangsamung des Umsatzwachstums ausgegangen, konnte diesen aber noch nicht beziffern. Zusätzlich wurde die Erhöhung der bereits oben genannten Ausgaben angekündigt (siehe folgenden Textauszug).

 

Stellungnahme des CFO David Wehner aus dem 1. Quartal 2018 zur zukünftigen Umsatz- und Ausgabenentwicklung, Quelle: Seeking Alpha Earnings Call Transkript

 

Darüber hinaus ging das Facebook-Management von einer stagnierenden Zahl der täglich aktiven Nutzer (DAU) und monatlich aktiven Nutzer (MAU) aus. Diese Befürchtung hat sich für das zweite Quartal als unbegründet erwiesen. Im Gegenteil, die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer ist sowohl im Jahres- als auch im Quartalsvergleich auf der Gesamtebene gestiegen. Gleichwohl fällt auf, dass nur die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer in Europa um 3 Mio. bzw. 1 Mio. (entspricht einem Rückgang von 1% bzw. 0,27%) im Vergleich zu den Vorquartalen erstmals rückläufig war (siehe folgende Abbildung).

 

Anzahl der monatlich aktiven Nutzer von Facebook (MAU), Stand: 2Q 2018, Quelle: Facebook

 

Ein Punkt, welcher vermutlich seitens der Marktteilnehmer als „kritisch“ betrachtet wurde, war die Tatsache, dass das Facebook-Management die Auswirkungen der oben genannten Maßnahmen nun beziffern konnte. Scheinbar ging der Markt nach den Aussagen des CFO im Earnings Call zum ersten Quartal („we do not anticipate these changes will significantly impact advertising revenue“) davon aus, dass das Umsatzwachstum nicht in dem Maße sinken würde, wie es im Earnings Call zum zweiten Quartal angekündigt wurde, d. h. von 49% Umsatzwachstum im ersten Quartal auf voraussichtlich 28% im vierten Quartal. Eine weitere Erklärung für die Nervosität der Anleger könnte die Anmerkung des CFO sein, dass das Kostenwachstum in 2019 das Umsatzwachstum übersteigen soll.

Ist diese Prognose nun ein Anlass, um die Facebook-Aktie nicht zu kaufen oder gar zu verkaufen?

Schauen wir uns im Folgenden an, warum sich trotz der gesenkten Prognosen ein Investment in Facebook rentieren könnte.

 

Tiefer Burggraben 

 

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass Facebook mit seinen verschiedenen Plattformen (Facebook, Messenger, WhatsApp, Instagram) das weltweit größte soziale Netzwerk im Internet darstellt. Laut dem Facebook-Management betrugen zum Ende des 2. Quartals 2018 die Zahl der monatlich aktiven Nutzer mehr als 2,2 Milliarden und die Zahl der täglich aktiven Nutzer rund 1,5 Milliarden. Darüber hinaus würden insgesamt 2,5 Milliarden Menschen weltweit eine der Facebook-Plattformen nutzen. Die Betonung liegt hierbei auf einzelnen Personen, da Mehrfach-Accounts herausgerechnet worden seien.

Unter der Berücksichtigung, dass laut Statista im Jahr 2017 rund 7,55 Mrd. Menschen auf der Erde lebten und China mit seinen 1,4 Mrd. Einwohnern herausgerechnet wird, da Facebook dort gesperrt ist, besaß im übrigen Teil der Erde mehr als jede dritte Person ein Account auf einer der genannten Plattformen im Facebook-Universum.

Gleichwohl erfreut sich Facebook weiterhin einer steigenden Nutzerzahl. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer stieg um 11% auf 1,47 Milliarden und die Zahl der monatlich aktiven Nutzer stieg ebenfalls um 11% auf 2,23 Milliarden. Ferner teilte das Management mit, dass Instagram zum ersten Mal die Marke von einer Milliarde Nutzer geknackt hat.

Die folgende Abbildung veranschaulicht die Nutzerzahl der unterschiedlichen sozialen Netzwerke (Stand: August 2017). Die Plattformen der chinesischen Unternehmen Tencent und Alibaba sind zwar nicht dargestellt, gleichwohl hat Facebook auch in diesem Vergleich mehr MAUs.

 

Die größten sozialen Netzwerke und Messenger nach der Anzahl der monatlich aktiven Nutzer im August 2017 in Millionen, Quelle: Statista (Abb. entnommen aus Elwis Rocks)

 

Insofern ist es nahezu unmöglich an Facebook als Plattform vorbeizukommen. Sei es im privaten Bereich zwecks Vernetzung mit Freunden, Familienmitgliedern und Gleichgesinnten oder im geschäftlichen Bereich, um für die Kunden erreichbar zu sein, für Produkte und Dienstleistungen zu werben und die Wahrnehmung für das Unternehmen zu steigern. Dies trifft für Unternehmen und Dienstleister aller Größenordnungen zu (z. B. Großunternehmen, mittelständische Unternehmen, Kleinunternehmer, Selbstständige, Künstler).

Zusammenfassend ist Facebook von einem tiefen Burggraben umgeben, wie es Warren Buffet ausdrücken würde. Es gibt als soziales Netzwerk im digitalen Zeitalter keine nennenswerte alternative Plattform zu Facebook, welche über zwei Milliarden Mitglieder besitzt und wo sich Nutzer – im privaten und beruflichen Bereich – so einfach mit einer derartigen Reichweite vernetzen und präsentieren können. Akteure, welche eine Gefahr für Facebook darstellen könnten, werden entweder übernommen (siehe Instagram) oder, falls dies nicht möglich sein sollte, werden ihre beliebten Features einfach kopiert (z. B. Snapchat-Stories, nachdem Evan Spiegel, der CEO von Snap Inc., nicht bereit war, sein Unternehmen an Facebook zu verkaufen).

 

Hohe Bilanzqualität

 

Neben der Tatsache, dass meines Erachtens die über zwei Milliarden Nutzer und der Zugang zu deren Daten das wichtigste Asset von Facebook darstellen, fällt die hohe Bilanzqualität des Unternehmens auf.

Facebook besaß per Ende des zweiten Quartals USD 42,31 Mrd. an liquiden Mitteln. Gleichzeitig ist das Unternehmen schuldenfrei. Selbst nach Verrechnung der liquiden Mittel mit den kurzfristigen Forderungen und den Gesamtverbindlichkeiten hätte das Unternehmen mehr als USD 38 Mrd. an liquiden Mitteln zur Verfügung (siehe folgende Grafik: Total current assets vs. Total liabilities).

 

Facebooks Assets und liquide Mittel vs. Verbindlichkeiten, Stand: 2Q 2018 Quelle: Facebook

 

Hohe Profitabilität und hohe Cashflows

 

In Bezug auf die Profitabilität und den Cashflow fällt auf, dass Facebook eine wahre Gelddruckmaschine ist. Im Geschäftsjahr 2017 generierte Facebook einen Umsatz von USD 40,6 Mrd. bei einer operativen Marge von 50% und einer Nettomarge von 39%. Das heißt, dass von jedem Euro Umsatz, welchen Facebook generierte, 39 Cent als Gewinn in der Kasse verblieben sind.

Im 2. Quartal 2018 hatte Facebook eine operative Marge von 44% und eine Nettomarge von 38,6% (siehe folgende Abbildung):

 

Ergebnisse für das 2Q 2018, Quelle: Facebook

 

Um die Profitabilität von Facebook besser einzuschätzen, bietet sich ein Vergleich mit anderen großen Tech-Werten an. Beispielsweise hatte Microsoft im Geschäftsjahr 2017 eine Nettomarge von 23,6%, Apple von 21% und Alphabet (Google) von 22%. Insofern brilliert Facebook im Vergleich mit den Tech-Werten – trotz einer im 2. Quartal 2018 rückläufigen operativen Marge – mit einer überproportional hohen Profitabilität. Selbst wenn die operative Marge, wie im Earnings Call mit dem CFO angekündigt, auf Mitte 30% fallen würde, würde dies in Relation zu den übrigen Tech-Werten immer noch einer überproportional hohen operativen Marge sowie Nettomarge entsprechen.

Die hohe Profitabilität von Facebook hängt in erster Linie damit zusammen, dass das Unternehmen 98,5% seiner Einnahmen durch Werbung generiert (davon 91% mobile Werbung) und somit im Gegensatz zu beispielsweise Industriekonzernen keine teuren Produktionsanlagen und Materialien finanzieren muss.

Die folgende Abbildung veranschaulicht die Gewinn- und Umsatzentwicklung von Facebook innerhalb der Jahre 2013-2017.

 

Gewinn- und Umsatzentwicklung von Facebook im Zeitraum 2013-2017, Quelle: Facebook

 

In Bezug auf den Cashflow zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei der Profitabilität. Während Facebook im Geschäftsjahr 2017 im operativen Geschäft rund USD 40,65 Mrd. generierte, standen davon USD 17,5 Mrd. (entspricht einer Free Cashflow-Rendite von 43%) als freie Mittelzuflüsse dem Unternehmen zur Verfügung. Da das Unternehmen keine Schulden hat, kann es diese Mittel für die im ersten Abschnitt genannten Maßnahmen, in Wachstum und Aktienrückkäufe investieren.

 

Free Cashflow von Facebook im Zeitraum 2013-2017, Quelle: Facebook Investor Relations

 

In Verbindung mit dem zweiten Quartal ist zu erwähnen, dass die Free Cashflow-Rendite bei 21% lag. Diesen Rückgang zum Vergleichswert aus dem Geschäftsjahr 2017 führe ich in erster Linie auf die im ersten Abschnitt genannten Maßnahmen des Facebook-Managements zurück. Wobei auch diese Free Cashflow-Rendite einen im Peer-Group-Vergleich guten Wert darstellt. Beispielsweise lagen  für das Geschäftsjahr 2017 die Vergleichswerte bei Apple und Alphabet bei 22%. Im Vergleich zu diesen beiden Unternehmen wies Microsoft eine etwas höhere Free Cashflow-Rendite von 35% auf.

 

Attraktive Bewertung

 

Der Aktienkurs lag am 27.07.2018 bei USD 174,89. Der Gewinn je Aktie für das Geschäftsjahr 2018 soll laut Durchschnittswert der Analystenschätzungen bei USD 7,28 liegen. Dies würde einem für 2018 prognostizierten KGV von 24 entsprechen.

Im ersten Quartal dieses Jahres steigerte Facebook den Gewinn je Aktie um 62% auf USD 1,69 und im zweiten Quartal um 32% auf USD 1,74. Basierend auf den Aussagen des CFO, dass die operative Marge in den kommenden Jahren auf Mitte 30% tendieren wird, nehmen wir nun an, dass der Gewinn in den nächsten beiden Quartalen um je 30% steigen würde. Dann ergibt sich für das dritte Quartal ein Gewinn je Aktie von USD 2,07 und für das vierte Quartal ein Gewinn je Aktie von USD 1,87. In Summe ergibt sich daraus für das Geschäftsjahr 2018 ein Gewinn je Aktie von USD 7,37. Laut dieser Berechnung würde das KGV von Facebook, ausgehend vom oben genannten Aktienkurs, bei 22,8 liegen.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass das durchschnittliche Gewinnwachstum je Aktie für die letzten drei Jahre bei 70% pro Jahr lag. Im Vergleich zu 2016 ist der Gewinn je Aktie im Jahr 2017 um 54% gestiegen.

Aufgrund einer konservativen Vorgehensweise werde ich für die weitere Kalkulation den niedrigeren Wert der Analysten in Höhe von USD 1,74 Gewinn je Aktie und das KGV von 24 verwenden. Gleichwohl vermute ich, dass das Facebook-Management bei der Prognose konservativ schätzt, um eine potenzielle Prognoseverfehlung zu vermeiden und Raum für positive Überraschungen zu lassen.

Ferner besitzt Facebook liquide Mittel von rund USD 42 Mrd., welche sich die Aktionäre theoretisch auszahlen lassen oder für die das Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen könnte. Die liquiden Mittel entsprechen 8,3% der Marktkapitalisierung von rund USD 505 Milliarden (Stand: 27.07.2018). Wird das KGV von 24 um 8,3% reduziert, ergibt sich ein KGV von 22.

Anleger bekommen also im Falle von Facebook ein Unternehmen mit einem KGV von 24 (bzw. 22 nach Abzug der liquiden Mittel), dessen Gewinn je Aktie auf Basis einer konservativen Rechnung pro Jahr um rund 30% wachsen dürfte. Wird diese Zahlenreihe für die kommenden fünf Jahre fortgeschrieben, ergeben sich die folgenden Werte (siehe Grafik):

 

Facebook Wachstumsprognose 2018-2023, Stand: 27.07.2018, Quelle: eigene Darstellung

 

Ferner gibt die oben dargestellte Abbildung die Bewertung von Facebook nach dem Scoringmodell von Peter Lynch sowie der Gewinnrendite nach Ken Fisher an. Diese Angaben sind für die weitere, im folgenden Abschnitt erfolgende Bewertung von Bedeutung.

 

Lies den ganzen Beitrag auf dem Blog von Güner Soysal (real-financial-dynamics).

 

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2 Kommentare

  1. Marc

    Das war der größte Verlust in der Börsengeschichte an einem Tag, das ist mehr als nur ein Wetterleuchten. Über 20% nennt man eigentlich Crash, aber das Wort traut sich nach zehnjähriger Aktienseligkeit niemand mehr zu benutzen. Vor dem Platzen der Dotcomblase konnte man von den Analysten dieselben Zahlenspielereien lesen und trotzdem…Das wird spannend, die Fallhöhe ist enorm, man kann sich den Einkaufswagen eigentlich schon herrichten.

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Ich halte die Inflation bei der Verwendung des Begriffes Crash für ein echtes Problem. Deshalb hier mal meine Einschätzung: Alle Veränderungen bis 20 Prozent sind eine ganz normale Korrektur. Erst ab 20 Prozent beginnen die heftigeren Bereiche. Bei Aktienmärkten nennt man das einen Bärenmarkt, bei einzelnen Aktien ist ein Abschlag von 20 Prozent allerdings immer noch völlig normal – und immer noch eine ganz normale Korrektur. APPLE zum Beispiel hatte in der Vergangenheit alle paar Jahre Korrekturen von um die 30 Prozent – allerdings nicht an einem Tag, an dem Punkt muss ich dir recht geben.
      Andere wachstumsstarke Aktien haben regelmäßig Korrekturen die deutlich oberhalb von 30 Prozent liegen (MONSTER BEVERAGE zum Beispiel).
      Von einem Crash spricht man beim gesamten Markt erst oberhalb von 40 Prozent Kursverlust. Solche Ereignisse sind extrem selten (sie werden aber derzeit von den Anlegern stets und ständig erwartet). Wir hatten nur vier solche Crashs in den letzten 100 Jahren: 1929-32; 1973/74; 2000-2002 und schließlich 2008/09. Ich sehe keinen Grund, jeden Bärenmarkt unbedingt als einen Crash zu bezeichnen.
      Die Wahrscheinlichkeit das wir demnächst einen Crash haben, ist in meinen Augen sehr gering.
      Ich habe an dem Punkt also eine völlig andere Einschätzung als du Marc: Die Volatilität war in den letzten Jahren so niedrig, dass uns heute schon völlig normale Kursbewegungen als absonderlich erscheinen. Sie sind es nicht.
      FACEBOOK ist dafür ein gutes Beispiel. Ich kenne kaum eine andere Aktie im Bereich der lange caps, die über Jahre einfach so nur gestiegen ist – ganz ohne Korrektur. Das ist eine Absonderlichkeit und wir sollten es auch als solche sehen.
      Über den gesamten Aktienmarkt sagt der „Absturz“ von FACEBOOK nichts aus. Die Aktie ist auf den Stand von Januar 2018 zurückgefallen. Mehr nicht. Die Kursgewinne von 6 Monaten sind weg. So etwas einen Crash zu nennen – das ist in meinen Augen irreführend.
      Bei einem KGV von FACEBOOK von derzeit 21 (forward) und Gewinnen die im schlimmsten Fall nur noch um die 30 Prozent pro Jahr steigen, komme ich (wie der Autor Güner Soysal auch) zu dem Schluss, dass FACEBOOK derzeit ein echtes Schnäppchen ist. Eine Fallhöhe kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen.
      An dem Punkt würde ich meine Meinung erst ändern, wenn das Geschäftsmodelle von FACEBOOK in Frage stände. Wenn die Gewinne bei FACEBOOK statt enorm zu steigen stagnieren oder rückläufig würden (wie derzeit bei NESTLÉ; COCA COLA, PROCTER & GAMBLE, GENERAL ELECTRIC, GENERAL MILLS, COLGATE PALMOLIVE – die Liste der stagnierenden Aktien ist derzeit ausgesprochen lang, das KGV dieser Unternehmen steht teilweise in atemberaubender Höhe – meinetwegen auch „Fallhöhe“), dann würde sich eine Fallhöhe für FACEBOOK ergeben. Keine Frage.
      Dieser Punkt ist derzeit nach allem was ich von FACEBOOK weiß, noch nicht zu erkennen. FACEBOOK wird stets nur noch wichtiger und vereinnahmt noch mehr Einnahmen aus Online-Werbung. Wenn sich das ändert, dann werde ich FACEBOOK im Depot reduzieren.

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