Wie Warren Buffett den Blick auf Apple verändert

Teil 3 der Serie „Was macht Warren?“ 

 

Die Aktie von APPLE ist eine der größten Positionen im Depot von grossmutters-sparstrumpf. Sie ist gegenüber anderen Aktien wie NIKE, DISNEY, AMAZON, FACEBOOK und EVENTIM deutlich übergewichtet. Das wollte ich ursprünglich im Jahresverlauf ändern, je näher APPLE mit seinem KGV an den Wert von 17 heranrückt.

So war der Plan. Doch daraus wird nun nichts. Warren Buffetts Einstieg bei APPLE mit immerhin rund 20 Milliarden Dollar hat meine Pläne verändert. Warum?

 

Werfen wir einen Blick auf den KGV-Chart

 

Die Aktie von APPLE pendelt nun schon seit sechs Jahren zwischen einem KGV von rund 10 und einem von 17. Steht die Aktie also bei 10, wie im Dezember 2015 (oder zuvor im Frühjahr 2013), dann will sie gerade kaum jemand haben. Die Presse ist in diesen Zeiten stets voll von negativen Berichten, die den Eindruck erwecken, der Firma aus Cupertino drohe der baldige Abstieg aus der Champions League in die Kreisklasse. So wie es seinerzeit dem Handy-Primus NOKIA ergangen ist.

Steigt das KGV von APPLE wieder in Richtung 17, ist die Presse dagegen wieder voll des Lobes für die „Strahlkraft der Marke APPLE“ und die großen Mengen an Geld, die in Cupertino verdient werden. So geht es stets munter hin und her.

Man kann aus dieser Bewegung des KGVs über die Jahre auch einen Chart zeichnen, einen KGV-Chart also. Ich schaue mit solche KGV-Charts gerne an, wenn ich mich mit einer Aktie beschäftige – und ziehe daraus Schlüsse. Schauen wir also mal auf einen KGV-Chart von APPLE.

 

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Ein KGV-Chart (englisch: P/E Ratio) von APPLE über die letzten fünf Jahre.

Was für ein Auf und Ab!

 

Was für eine bewegte Berg- und Talfahrt die Aktie in der Zeit hingelegt hat. In der Vergangenheit war es eine gute Idee, die Position in APPLE zu verdoppeln, wenn die Aktie bei einem KGV von 10 oder darunter notierte – und sie 18-24 Monate später wieder zu reduzieren, wenn die Obergrenze für die Aktie wieder erreicht war.

Die spannende Frage, die sich jetzt, nach dem Einstieg von Buffett bei APPLE stellt, lautet: Wird die Aktie weiterhin zwischen 10 und 17 pendeln?

Ich gehe davon aus, dass die Antwort auf diese Frage „Nein“ heißt. Die Bandbreite in der die Aktie pendelt, wird sich aller Voraussicht verschieben – nach oben. Buffetts Einstieg beim größten Tech-Unternehmen der Welt verschafft APPLE einen Bonus. Möglicherweise werden wir eine Range sehen, die um mindestens 2, oder auch um 4 Punkte höher liegen wird.

Die Aktie könnte also in Zukunft zwischen 12 und 19 pendeln. Oder zwischen 14 und 21. Auch Werte oberhalb von 20 wären also wieder möglich. Oberhalb von 20 – da stand APPLE zuletzt im Jahr 2010.

 

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So sieht ein langfristiger KGV-Chart für APPLE aus. Die Aktie notierte aber schon zu sehr heftigen Bewertungen!

Für diese Sicht spricht auch, dass APPLE unterdessen einen immer größeren Strom seiner Einnahmen aus dem Service-Segment bezieht. Diese Einnahmen umfassen die Bereiche iTunes, Apple Pay und vor allem den App Store. Die Wachstumsraten im App Store sind außerordentlich hoch, so dass das Service-Segment mittlerweile die zweitwichtigste Einnahmequelle des Unternehmens ist – gleich nach dem iPhone. Damit bekommen APPLE’s Einnahmen eine größere Konstanz.

Darauf hatte schon GOLDMAN SACHS hingewiesen, als sie APPLE im November des Jahres 2015 auf die Conviction Buy List setzten. Kursziel damals: 163 Dollar. Diese Höhe könnte die Aktie in diesem Jahr erreichen.

 

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So könnte es aussehen – das neue iPhone 8.

Der iPhone-Super-Zyklus

 

Ein letztes Argument das dafür spricht, in diesem Jahr keine Anteile an APPLE zu verkaufen, ist der zu erwartende iPhone-Superzyklus. Genau zehn Jahre nach dem ersten iPhone, kommt im Sommer das neue Modell heraus. Es wird vermutlich iPhone 8 heißen, aber auch iPhone X ist nicht unwahrscheinlich.

Fest steht, dass das iPhone 8, wie schon das iPhone 6 vor zweieinhalb Jahren, ein völlig neues Aussehen erhält. APPLE-Designer Jony Ive, der eigentliche starke Mann bei APPLE (Wer bestimmt bei Apple die Strategie?), und sein Team dürfen der Ikone iPhone also nach immerhin drei Jahren wieder ein komplett neues Outfit verpassen.

Was erwartet uns? Möglicherweise hat das neue iPhone ein Display, das beinahe den ganzen Frontbereich umfasst. Im Gespräch ist auch ein gewölbtes Display oder eines, das auch an der Seite sichtbar ist – so wie beim Samsung Galaxy Edge.

Das neue iPhone wird aller Voraussicht nach zudem in drei Größen kommen, statt der bislang nur zwei. Wer stets ein „neu“ aussehendes iPhone besitzen will, der wird also in diesem oder im nächten Jahr kaufen – und bei APPLE werden die Kassen lauter klingeln denn je.

 

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Design-Studie eines kommenden iPhone X

Das Monsterquartal

 

Ein neues Aussehen und eine größere Bandbreite an Modellen werden APPLE helfen, die Zahl der ausgelieferten iPhones im Winterquartal 2017 erstmalig über die 80-Millionen-Grenze zu schieben. Bestellungen bei Zulieferern deuten darauf hin, dass APPLE sogar auf 90-100 Millionen verkaufte iPhones im Weihnachts-Quartal hinarbeitet – ein neues Monsterquartal also mit neuen Rekorden beim Umsatz und beim Gewinn.

Warren Buffett wird es freuen. Sein Aktienpaket von derzeit 157 Mio. Stück wird im Zuge dieser Entwicklung deutlich wertvoller werden. Die Kursziele vieler Analysten hat die Aktie ohnehin bereits fast erreicht – sie steht derzeit bei knapp 140 Dollar. Bis zum Jahresende könnten das auch 160-170 Dollar sein.

 

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Mein Fazit

Der einstige Growth-Konzern APPLE ist zum Anlageziel für den bekanntesten Value-Investor der Welt geworden. Das ist eine spannende Entwicklung. Mit APPLE besitzt Buffett, ähnlich wie zuvor schon als er COCA COLA kaufte, die aktuell wertvollste Marke. Allein der Markenwert von APPLE wird von den Experten von interbrand auf rund 180 Milliarden Dollar geschätzt.

Niemand soll sich etwas vormachen über die Motive von Warren Buffett. Er kauft gerne da, wo viel Wachstum zu einem niedrigen Preis zu haben ist. Bleibt das Wachstum aber aus, wie zuletzt bei JOHN DEERE und WALMART, dann verkauft er. Buffett will wachsende Gewinne, wachsende Umsätze und wachsende Dividenden – das ist seine Definition von erfolgreichem Value-Investing. APPLE wird ihm all das liefern.

Die Aktie von APPLE ist für langfristig orientierte Investoren nach wie vor ein Kauf. Von 40 Prozent Kurssteigerung wie in den vergangenen 12 Monaten, sollten Anleger aber für die nächsten 12 Monate nicht ausgehen. Zwei bis drei Jahre Geduld werden dafür wohl nötig sein.

Außer der Reihe gibt es am kommenden Mittwoch hier auf grossmutters-sparstrumpf eine Chartanalyse zur APPLE-Aktie von Karsten Kagels (kagels-trading.de) als Gastbeitrag.

Stay tuned.

 

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4 Kommentare

  1. Axel

    Hi Christian,

    ich hoffe du hast Recht mit deiner Einschätzung. Bei mir im Depot hat Apple nämlich auch ein recht hohes Gewicht. 🙂

    Viele Grüße,
    Axel

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Mit diesem dritten Text begebe ich mich ohne Frage auf unsicheres Terrain. Die Vermutung, dass es jetzt zu einer KGV-Expansion bei der APPLE-Aktie kommt, bleibt eine Vermutung. Meine Begründung dafür ist in meinen Augen sehr stichhaltig. Aber auch eine gut begründete Vermutung bleibt eine Vermutung.
      Ich werde die Aktie von APPLE also weiterhin aufmerksam verfolgen. Am Ende entscheidet der Markt. Was er macht können wir nur vermuten – und leider nicht wissen. Entscheidet der Markt anders, dann werden wir es merken. Und ich werde hier auf meinem Blog darüber schreiben.
      Am Mittwoch folgt unter anderem aus diesem Grund eine Premiere hier auf meinem Blog: Es gibt eine Chartanalyse zu APPLE von einem waschechten Trader. Wer mein Buch „Schatz, ich habe den Index geschlagen“ gelesen hat, darf sich auf ein Wiedersehen mit Karsten Kagels freuen. Richtig – das ist der Trader, der bei unserem Gespräch auf der Terrasse von Kalle Klein den schönen Satz gesagt hat: „Apple geht pleite!“
      Ich freue mich schon auf seine Analyse!
      Und natürlich geht APPLE vorerst – noch – nicht pleite.
      Schöne Grüße aus Berlin
      Christian

      Antworten
  2. Sascha von Bankenmärchen

    Insbesondere bei ApplePay sehe ich mega viel Potenzial. Ich komme aus dem Zahlungsverkehrsumfeld und kann beurteilen, wie viel Luft da für Apple ist. Der Zahlungsverkehrsmarkt ist so hoffnungslos veraltet. Innovationen? Was ist das? Die deutschen Banken sind mit ihrer girocard kein Widerstand. Apple ist hier auf einer grünen Wiese. Und ich hoffe sehr, dass sie sie schnell erorbern.

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    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Ich hoffe das auch Sascha. Wobei APPLE dann ganzen Aufwand mit APPLE PAY nicht veranstaltet, um damit Geld zu verdienen. Sie wollen ihr Ökosystem noch wichtiger für die Käuferinnen und Käufer des iPhone machen. Und das soll dann weiterhin das Geld bringen.
      Schöne Grüße aus Berlin
      Christian

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