Was macht Warren?

Teil 2 – Wie Apples Gewinn aufgeteilt wird

Kann man sich Warren Buffett (86), den Cherry-Coke trinkenden Großinvestor aus Omaha (Nebraska), mit einem funkelnagelneuen iPhone 8 vorstellen? Man wird das wohl bald müssen, denn üblicherweise ist Buffett gerne bereit für die Unternehmen in die er investiert großzügig in der Öffentlichkeit Werbung zu machen.

Buffett hat in den letzten Monaten sehr viel Geld in die Hand genommen und für APPLE-Aktien ausgegeben – etwa 18,5 Milliarden Dollar. Da  wäre es wenig erstaunlich, wenn APPLE-CEO Tim Cook ihm in nächster Zeit ein Produkt seines Hauses schenkt. Eine Hand wäscht die andere.

Ein Foto von Buffett mit einem neuen iPhone 8 würde APPLE und seiner Werbung nutzten. Also wird Buffett sein altes Klapphandy wohl ausrangieren – und sich der wachsenden Zahl von iPhone-Nutzern anschließen. Die steigt allerdings auch ohne ihn immer noch sehr deutlich – um rund 100 Millionen im Jahr.

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Warum kauft Warren Buffett Apple?

Der Blogger-Kollege und Value-Investor Christian Bauduin (hamsterradblog.de) sieht es so: „Buffett und auch sein Partner Chares Munger haben ein paar Kriterien für ein Investment – und die erfüllt APPLE mittlerweile.“

Dazu gehört für Christian Bauduin, dass die beiden ein Unternehmen verstehen wollen, bevor sie in es investieren. Er sieht APPLE auch nicht mehr als ein Tech-Unternehmen – sondern als einen Konsumgüter-Hersteller, der über die Jahre bewiesen hat, dass er von seinen Kunden ein Premium für seine Produkte verlangen kann. Das führt für ihn zum wichtigsten Punkt: „APPLE verdient sehr viel Geld. Und sie sind seit einigen Jahren durch die Dividende die sie zahlen und durch den immensen Aktienrückkauf auch ein sehr aktionärsfreundliches Unternehmen.“

Er selber hat die Aktie von APPLE ebenfalls für sein Depot gekauft, nach einer Analyse die er im April 2016 gemacht und auf seinem Blog veröffentlicht hat. Bevor Buffetts erster Kauf von APPLE bekannt wurde.

 

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Blogger und Value-Investor Christian Bauduin

Was sagt Warren?

Um seine Entscheidung für APPLE als der zweitgrößten Position unter seinen Aktienbeteiligungen zu begründen, hat Buffett die hohe Loyalität der iPhone-Nutzer hervorgehoben. Er hat zudem auf die starke emotionale Bindung der Menschen an das iPhone hingewiesen. Mit einem Wort: Wer es nutzt, der kommt nicht mehr so leicht davon los. Erst diese enge Bindung der Käufer an das iPhone habe APPLE für ihn zu einem Kauf gemacht.

Buffetts Kauf von 2,5 Prozent der APPLE-Aktien wird diese Bindung an den Konzern vor allem in den USA noch verstärken. Buffett als Aktionär zu haben, das bedeutet zudem einen großen Vertrauensbeweis in das Management von APPLE und einen großen Optimismus über die Zukunft des Unternehmens und seines Geschäftsmodells.

Doch abseits dieser Imagevorteile für beide Seiten geht es Buffett um ganz handfeste Interessen. Es geht um Cash. Sehr viel Cash. Buffett will an den Geldschatz von APPLE, der, anders als in Märchen und Sagen, von keinem Drachen bewacht wird.

 

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Wie groß ist der Schatz?

Wie groß dieser Schatz wirklich ist und wie seine Aufteilung erfolgen  kann, darum geht es heute hier auf grossmutters-sparstrumpf im zweiten Teil der Serie „Was macht Warren?“. Fest steht zunächst einmal: Derzeit sitzt APPLE auf Barreserven von 237,6 Milliarden Dollar, die zum größten Teil auf ausländischen Konten liegen.

Es ist allerdings davon auszugehen, dass APPLE dieses Geld unter der Präsidentschaft von Donald Trump zu einem sehr niedrigen Steuersatz in die USA transferieren wird. Die spannende Frage ist: Was passiert dann?

Zu den bekannten Barbeständen des Unternehmens kommen derzeit jedes Jahr gut 30 Milliarden Dollar hinzu – annähernd 100 Milliarden Dollar in diesem und den nächsten beiden Jahren.

100 Milliarden Cash in drei Jahren plus große Cash-Reserven, die nach Steuern zwischen 170 und 200 Milliarden wert sein können – mit dieser Rechnung ist Neil Cybert auf seinem Blog aboveavalon.com auf das Ergebnis von 300 Milliarden Dollar gekommen. Das ist ohne Zweifel ein gewaltiger Berg Geld. Es ist der größte Barbetrag eines börsennotierten Unternehmens in der Wirtschaftsgeschichte.

Die Eingangsfrage „Was macht Warren?“ läuft mithin auf eine ganz einfache Antwort hinaus: Buffett will den Schatz.

Genauer: Er will seinen Anteil am Schatz. Er will mit dabei sein, wenn all dieses Geld auf die ein oder andere Art und Weise an die Aktionäre fließt.

 

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Aufschlag: Buffett. Am Unternehmen seines Freundes Bill Gates hat sich Warren Buffett nie beteiligt. Seine Begründung war stets, er verstehe nichts von Technologie-Unternehmen.

 

 

Wie wird das Geld verteilt?

Ich sehe drei Möglichkeiten.

Erstens. Noch mehr Rückkäufe eigener Aktien. APPLE hat seit 2012 rund 20 Prozent der eigenen Aktien gekauft und anschließend aus dem Verkehr gezogen (retired). Die Zahl der ausstehenden Aktien sank auf diese Weise von 6,6 Milliarden Stück auf 5,3 Milliarden. Dadurch vergrößert sich der Anteil, den die verbleibende Aktionäre am Unternehmen haben. Ihr Anteil wird wertvoller.

Zweitens: Eine stärker steigende Dividende. Bislang hebt das Management von APPLE die Dividende jährlich um rund 11 Prozent an. Das Unternehmen könnte sich ohne Probleme für viele Jahre auch 14 oder 16 Prozent Zuwachs bei den Auszahlungen an die Aktionäre leisten.

Das würde ohne Zweifel auch einen Schub für die Aktie von APPLE bedeuten. Und einen Geldsegen für die Aktionäre – auch für Warren Buffett.

Drittens: Eine einmalige Sonderdividende. Statt Jahr für Jahr die Dividende zu erhöhen wie derzeit, könnte APPLE auch den Cash-Bestand für eine einmalige Dividende in Höhe von 35 Dollar nutzen. In dem Fall würde Buffett gleich rund 5 Milliarden Dollar für sein Aktienpaket erhalten. Das sind rund 25 Prozent Return. Nicht schlecht.

 

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Buffett und sein uraltes Klapp-Handy.

 

Erstens – Zweitens – Drittens

Was davon wird passieren? Ich weiß es nicht. Ich bin ja nicht Tim Cook. Und ich war auch nicht bei den Telefongesprächen dabei, in denen Warren Buffett in den letzten Wochen und Monaten seine neue Rolle als größter APPLE-Aktionär mit Tim Cook abgestimmt hat.

Ich vermute, dass erstens und zweitens am wahrscheinlichsten sind. Aber da Buffett stets an Cash liegt, ist auch eine Kombination aus  Zweitens und Drittens nicht auszuschließen.

Bei der Verteilung dieser 300 Milliarden wird Buffett mit Sicherheit ein Wort mitreden. Zudem ist es wahrscheinlich, dass ein enger Vertrauter oder Mitarbeiter von Buffett in den Aufsichtsrat von APPLE berufen wird um dort Buffetts Interessen zu vertreten.

 

APPLE ist ein Kauf

Die Aktie von APPLE ist schon lange im Depot von grossmutters-sparstrumpf. Sie wurde im Dezember 2015 zum letzten Mal zugekauft. Ich habe diese Entscheidung damals im Jahresrückblick 2015 – Jahresausblick 2016 im Detail begründet.

Die Aktie ist zudem von Anfang an auch im wiki von grossmutters-sparstrumpf Global Champions vertreten, das die „besten Aktien“ enthält, die ich hier auf diesem Blog empfohlen habe.

APPLE ist dabei mit 15 Prozent deutlich übergewichtet. Diese Übergewichtung gegenüber anderen Aktien (NIKE, DISNEY, AMAZON, FACEBOOK, EVENTIM) wollte ich im Verlauf des laufenden Jahres abbauen.

So war der Plan. Doch daraus wird nun nichts. Warren Buffetts shopping spree in den letzten Monaten hat meine Pläne verändert.

Warum? Weil ich von einer Neubewertung der APPLE-Aktie durch die Wall Street ausgehe. Wie diese Neubewertung aussehen kann, darum geht es in der nächsten Woche im dritten und letzten Teil der Serie „Was macht Warren?“

Stay tuned!

 

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2 Kommentare

  1. Christian

    Hallo Christian,
    danke für den klasse Artikel. Ich bin ebenfalls gespannt, was mit dem Geld von Apple passieren wird. Ich bin aber positiv gestimmt, weil Warren Buffett und das Apple Management sicher den besten Einsatzzweck für das Kapital finden werden. Ich stimme zu, dass alle Kriterien, die Buffett und Munger für großartige Unternehmen ansetzen bei Apple erfüllt sind. Bisher war ich davon ausgegangen, dass sie das Unternehmen nicht gekauft haben, weil sie das Geschäftsmodell nicht zu 100% verstanden haben. Dies scheint heute nicht mehr so zu sein.
    Die Kriterien sind laut Charlie Munger (Tolles Interview http://www.youtube.com/watch?v=3XlBrohrIUc&t=6m0s):
    – Verständliches Geschäftsmodell
    – Nachhaltiger Wettbewerbsvorteil
    – Gutes und integeres Management
    – Angemessener Preis und Margin of Safety
    Gruß und Danke für die Erwähnung im Artikel
    Chrisian

    Antworten
    1. Christian Thiel (Beitrags-Autor)

      Danke für die Ergänzung Christian,
      das Interview schaue ich mir gleich mal an.
      Schöne Grüße aus Berlin
      Christian

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