Apple auf der Waage

– von GÜNER SOY –

 

Mein Investor- und Blogger-Kollege Güner Soy (real-financial-dynamics.com) und ich hatten vor einiger Zeit vereinbart, dass er einen Gastbeitrag hier auf grossmutters-sparstrumpf verfasst. Er hat sich für die APPLE-Aktie entscheiden, die in dieser Woche ohnehin viel Aufmerksamkeit hatte, da Warren Buffett einmal wieder seine Position in APPLE aufgestockt hat.

Viel Spaß mit Güners Analyse zu Apple’s Quartalszahlen und der Darstellung seiner Investmentgründe.

 

1. Ausgangssituation

 

„Kurzfristig ist der Markt ein Schönheitswettbewerb,
langfristig ist er eine Waage.”
– W. Buffett

 

Was wäre zutreffender als das oben stehende Zitat von Warren Buffett, um – unabhängig von den letzten Börsenturbulenzen – die derzeitige Entwicklung der Apple Aktie zu beschreiben. Kurz vor den Kursturbulenzen, die von der Öffentlichkeit als „Mini-Crash“ bezeichnet wurden, haben Gerüchte diverser Medien und Analystenmeinungen die Apple Aktie gnadenlos heruntergeprügelt (wie auch schon vor dem vorherigen Quartalsbericht). Von seinem Hoch am 18.01.2018 von USD 179,26 sank die Aktie binnen zwei Wochen auf USD 150,55, was einem Rückgang von knapp 16% entspricht.

 

Kurzprofil Apple Inc., Stand: 12.02.2018, Quelle: www.morningstar.com, www.onvista.de

 

Allen Unkenrufen zum Trotz hat es Apple im letzten Quartal 2018 wieder einmal geschafft, sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnprognosen zu übertreffen. Und trotzdem sackte die Apple Aktie am Tag nach der Veröffentlichung des Quartalsberichts ab, nachdem sie zunächst nachbörslich vom Minus ins Plus mit 3,5% gedreht hatte. Wieder einmal fanden Analysten und die Öffentlichkeit das Haar in der Suppe: einerseits sei der Ausblick „enttäuschend“. Andererseits sei der absolute Absatz von iPhones zurückgegangen. Die allgemeinen Börsenturbulenzen taten ihr übriges dazu.

Doch richten wir im Folgenden unseren Blick von der Anzeigetafel auf das Spielfeld mit ein paar allgemeinen Informationen zu Apple bevor wir uns an die Quartalszahlen, den Ausblick, potenzielle Risikofaktoren sowie die Bewertung der Apple Aktie setzen.

(Anmerkung: Apple bezeichnet das Quartal vom 1. Oktober 2017 bis 31. Dezember 2017 als das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2018).

 

2. Einordnung von Apple Inc. im globalen (Aktien-)Marktumfeld

 

Laut der Global 500 Liste der Zeitschrift Fortune ist Apple gemessen am Umsatz eines der zehn größten Unternehmen der Welt mit einem Umsatz von rund USD 215 Mrd. im Geschäftsjahr 2016. Zum Vergleich: Amazon hat einen Umsatz von USD 136 Mrd. und damit rund 37% weniger als Apple. Auf Platz eins rangiert die Handelskette Walmart mit einem Umsatz von USD 486 Mrd. Die Plätze zwei bis vier besetzen die Chinesen. Mit Volkswagen befindet sich auch ein Dax-Konzern unter den Top 10 Unternehmen (siehe folgende Abbildung, Stand: 2017; hier).

 

Die größten Unternehmen nach Umsatz; Stand: 2016; Quelle: www.fortune.com

 

Apple ist laut einer Studie der Bank of America das Unternehmen mit dem größten Cash-Bestand. Der Cash-Bestand betrug während der Studie rund USD 261 Mrd. und damit mehr als der Jahresumsatz im Geschäftsjahr 2016 (USD 215 Mrd.). Laut Apple-Finanzchef Luca Maestri beträgt der aktuelle Cash-Bestand von Apple USD 269 Mrd. (hier). Zum Vergleich: der zweitplatzierte Microsoft besitzt mit USD 133 Mrd. ungefähr den halben Bargeldbestand (Stand: 2017; hier). Berkshire Hathaway ist nicht in der Liste erwähnt, aber besitzt ebenfalls um die USD 100 Mrd. Cash.

 

Unternehmen mit dem größten Cash-Bestand; Stand: 2017; Quelle: Bank of America

 

Apple ist laut Statista das nach Marktkapitalisierung wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt mit einem Börsenwert von USD 725 Mrd. Auf Platz zwei folgen Alphabet (= Google) und Microsoft mit einer Marktkapitalisierung von rund USD 580 Mrd. bzw. USD 508 Mrd. Der Marktwert dieser beiden Konzerne ist damit mehr als 20% geringer als der von Apple (Stand: 2017; hier).

 

 

Gleichzeitig war Apple in 2016 das profitabelste Unternehmen der Welt mit einem Nettogewinn in Höhe von USD 46 Mrd. Dahinter folgen J.P. Morgan Chase und Berkshire Hathaway mit einem halb so großen Nettogewinn in Höhe von je rund USD 25 Mrd. (Stand: 2017; hier).

Ich denke, das reicht erst einmal um die Marktpositionierung und Größenordnung von Apple nachzuvollziehen. Schauen wir uns nun einmal die aktuellen Quartalszahlen von Apple an. (Ich muss zugeben, dass ich es bereits an dieser Stelle bereut habe, meine Apple-Position im Rahmen der letzten Börsenturbulenzen bei ca. USD 158 lediglich verdoppelt zu haben 🙂 )

 

3. Apple Inc.’s Quartalsbericht für das 1. Quartal 2018

 

Der Umsatz ist im Jahresvergleich um 13% auf USD 88 Mrd. im ersten Quartal 2018 von USD 78 Mrd. im ersten Quartal 2017 gewachsen. Hierbei gilt zu berücksichtigen, dass es für ein Unternehmen in Apples Größenordnung ein sensationelles Ergebnis ist, den Umsatz einfach mal um 13% zu steigern. Und dann soll noch jemand behaupten, dass Apple ein „Wachstumsproblem“ habe 🙂 Andere Unternehmen, die wir in dieser Größenordnung kennen, bezeichnen es als Erfolg, wenn sie es schaffen, ihre Umsätze aktuell um 2-3% pro Jahr zu steigern (z. B. PepsiCo, Nestle, Walmart, hier).

Gleichzeitig ist hervorzuheben, dass der Umsatz in jeder Absatzregion um mehr als 10% – in Japan sogar um 26% – gestiegen ist (s. Abbildung).

 

Apple’s Umsatzwachstum im Jahresvergleich; Stand: 1. Quartal 2018; Quelle: Apple Investor Relations

 

Das erste Haar in der Suppe laut Analysten war nun, dass der iPhone-Absatz im ersten Quartal 2018 um rund eine Million Geräte bzw. 1% zurückgegangen ist. Das ist richtig! Allerdings sind hierbei zwei Faktoren zu berücksichtigen: Zum einen fehlt der Hinweis, dass – wie CEO Tim Cook im Earnings Call erläutert hat – das Weihnachtsquartal diesmal mit 13 Wochen um eine Woche kürzer als das Vorjahresquartal war (hier). Wird die Absatzzahl auf 14 Wochen hochgerechnet, ergibt sich ein Geräteabsatz von rund 83 Mio. und damit 6% mehr als im Vorjahresquartal. Zum anderen kam das Flaggschiff iPhone X erst im November statt wie üblich im September auf den Markt. Das hat dazu geführt, dass viele Interessenten ihre Käufe aufgeschoben haben. Unter Berücksichtigung dieser beiden Faktoren und der Lieferverzögerungen von mehreren Wochen wäre es für Apple vermutlich ein Leichtes gewesen, die Absatzzahlen aus dem Vorjahr zu knacken.

Ferner hat Apple CEO Tim Cook im Earnings Call betont, dass das iPhone X einerseits das weltweit meistverkaufte Smartphone in dem Berichtsquartal gewesen sei. Andererseits sei das iPhone X seit dem Verkaufsstart in jeder Woche das meistverkaufte iPhone gewesen (hier). In diesem Zuge hat Apple im vorangegangenen Quartal mit insgesamt 77,3 Mio. verkauften iPhones die Pole Position zurückerobert und seinen größten Konkurrenten Samsung abgehängt. Samsung verkaufte insgesamt 74,1 Mio. Smartphones im selben Quartal (hier).

Der Apple-Umsatz ist – trotz des geringeren iPhone-Absatzes – im Vorjahresvergleich um 13% gestiegen. Dies ist einerseits auf den gestiegenen durchschnittlichen Verkaufspreis der Apple-Smartphones von USD 695 auf USD 796 zurückzuführen. Zum anderen ist an der unten stehenden Grafik zu erkennen, dass

  • der Umsatz mit iPads um 6% gestiegen ist (die Tatsache, dass auch hier die Absatzzahl um 1% gesunken ist, lässt darauf schließen, dass die treue Apple-Gefolgschaft überwiegend das teurere iPad Pro nachgefragt hat),
  • der Umsatz im Bereich „Services“ (z. B. App Store, iTunes, Apple Music, iCloud, AppleCare, Apple Pay) um 18% gewachsen ist sowie
  • der Umsatz im Bereich „Other Products“ (z. B. Apple TV, Apple Watch, AirPods, Beats) um ganze 36% gestiegen ist.

Apple Produkte – Absatz- und Umsatzzahlen; Stand: 1. Quartal 2018; Quelle: Apple Investor Relations

 

Neben dem Umsatz ist auch der Quartalsgewinn im zweistelligen Bereich gestiegen. Er stieg im Jahresvergleich um 12% auf rund USD 20 Mrd. an. Damit hat Apple seinen eigenen Rekord aus dem Weihnachtsquartal 2015 mit USD 18,4 Mrd. gebrochen.

 

Apple Inc. Quartalsgewinn in 1Q 2018; Quelle: Apple Investor Relations

 

Ferner hat Apple in diesem Quartal einen freien Mittelzufluss in Höhe von USD 25,3 Mrd. generiert, was einem Anstieg von 7,2% im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht (Vorjahresquartal: USD 23,6 Mrd.). Anzumerken ist, dass Apple für die Quartalsdividende insgesamt USD 3,3 Mrd. ausgeschüttet hat. Das heißt im Umkehrschluss, dass Apple in der Lage ist, mit den freien Mittelzuflüssen aus diesem einen Quartal die Dividende für das gesamte Jahr auszuschütten -> USD 3,3 Mrd. multipliziert mit 4 ergibt in Summe USD 13,2 Mrd. Das ist gerade mal die Hälfte des Free Cashflow in diesem Quartal, sodass die andere Hälfte für Investitionen, Übernahmen und Aktienrückkäufe zur Verfügung steht (warum ich die Schulden nicht erwähne? dazu kommen wir noch 😉 ). Somit ist Apple eine wahre Geld-Druck-Maschine!

 

Lies den ganzen Beitrag auf Güners Blog:

Apple: warum die wertvollste Aktie der Welt für’n Appel und Ei zu haben ist

 

 

Wenn du keinen Beitrag mehr verpassen willst, dann bestell doch einfach den Newsletter! So wirst du jedes Mal informiert, wenn ein neuer Beitrag erscheint!

 

1 Kommentar

  1. Marc

    Bemerkenswert, wie sich Finanzblogger an einer Aktie wie Apple beflügeln können. Immer weiter, immer höher, erinnert mich an den Turmbau zu „Apple“. Als Maß aller Dinge wird oft Warren Buffett genannt, der ist allerdings sehr alt und kann sich auch mal täuschen. Ich habe kürzlich meine Applebestände verkauft und schlafe jetzt besser. Die Gründe will ich nicht nennen, ich hätte bei der herrschenden Applemanie keine Chance. Ich danke Apple für das, was es mir gebracht hat, bin aber überzeugt: „Apple macht dich arm“.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.